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Für Wunder ist es nie zu spät Roman von Hamberg, Emma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2014
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Für Wunder ist es nie zu spät

Nach außen wirkt Majas Leben perfekt: Als Ehefrau eines berühmten Künstlers lebt sie auf einem alten Schloss, romantisch gelegen auf einer Insel im schwedischen Vänersee. Doch während ihr Mann immer gigantischere Kunstwerke schafft, sieht es mit ihrer eigenen Karriere als Bildhauerin mau aus. Zu allem Überfluss fühlt sie sich von ihm nicht mehr begehrt. Das muss anders werden, beschließt sie und schmiedet einen ungewöhnlichen Plan: Sie eröffnet eine Schwimmschule für Erwachsene. Zwei heiße Sommerwochen lang stellen die Kursteilnehmer den Schlossalltag auf den Kopf, unter ihnen der extrem attraktive Alex. Und schon bald steht nicht nur ihre eigene Beziehung auf dem Prüfstand ... Emma Hamberg, geboren 1971 im schwedischen Vänersborg, hat mehrere Kinder- und Jugendbücher geschrieben sowie als Comiczeichnerin und für Rundfunk und Fernsehen gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Töchtern in einem Vorort von Stockholm. Nach "Immer dieser Zirkus mit den Männern", "Landliebe gesucht"und "Für Wunder ist es nie zu spät" erschien zuletzt ihr Roman "Gemeinsam finden wir das Glück".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 13.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492981248
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1640 kBytes
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Für Wunder ist es nie zu spät

2

W as meinst du, sollen wir den Tee draußen nehmen?"

Pelle schaltet den Wasserkocher ein, öffnet den alten Eckschrank und sucht zwei Teetassen aus. Geschenke einer Künstlerfreundin von Gotland. Schöne Tassen mit einer glatten Oberfläche. Sonnig gelb mit kleinen grünen Spritzern.

Maja streckt ihren gerade erwachten Körper, zieht die Jacke über die Schultern, fühlt sich verfroren, aber nickt zustimmend. Gerne draußen, gute Idee. Vielleicht wird sie dann wacher. Ein paar italienische Mandelkekse, vielleicht ein Gläschen Amaretto dazu, ja, das wäre schön.

Teetassen, Likörgläser, eine Teekanne. Die hohen Küchenschränke, die Pelle selbst gebaut hat, klappen auf und zu, ein paar Decken werden eingepackt, die Füße in die alten Holzschuhe geschoben, Pelle nimmt seine weichen marokkanischen Lederpantoffeln, und dann nichts wie raus. Der Frühjahrskies knirscht unter den Füßen.

Dann sitzen sie vor dem Schloss. Die Vögel zwitschern eifrig, Pelle wippt mit dem rechten Lederpantoffelfuß, und die kleinen Knospen blitzen schon hervor. Pelle streicht sich das halblange, lockige Haar nach hinten. Mitten auf dem Kopf fängt es an, schütter zu werden, aber ansonsten ist es noch relativ füllig. Aber stumpf. Ach, was hatte er für tolles Haar, als sie sich kennenlernten! Wie Gold, dick und mit unglaublich schönen Korkenzieherlocken. Lebendig, nicht so wie jetzt.

Pelle stellt die Teetasse auf dem Tisch ab, den er selbst aus Granit gehauen hat. So ein stabiler Tisch wird alles überleben. Eines Tages, nach dem letzten Krieg, wenn die Erde ein völlig leerer Planet ist, wird es nur noch zwei Dinge dort geben: Kakerlaken und Pelles Granittisch.

Er fährt sich wieder mit den Fingern durch das glanzlose Haar. Maja weist sich selbst zurecht, weil sie innerlich auf Pelle herumhackt und so unglaublich undankbar ist. Pelle ist ein guter Ehemann. Wirklich! Aber er fängt an, alt zu werden. Dreißig Jahre älter als Maja ist er. Verdammt, ist doch klar, dass man mit vierundsechzig stumpfes Haar hat! Klar kriegt man Falten und wird schneller müde. Und vergisst manchmal Sachen.

Aber Moment mal! Wer von ihnen fährt eigentlich volles Tempo und arbeitet den ganzen Tag, manchmal sogar nachts? Nicht Maja. Die schläft auf ihrem Diwan, während Pelle rund um die Uhr arbeitet.

Er hat immer noch schöne Hände. Langgliedrige, starke, geschickte Finger, die jedes Material mit Leben füllen können. Hände, die zweihundert Kilo Stein ins Atelier schleppen und dann mit einem einfachen Hammer und einem Meißel den Stein in Gefühle, Gott und Liebe verwandeln können. Gute Sache.

Vierundsechzig Jahre ist er, aber in vielerlei Hinsicht immer noch wie ein Kind. Viel naiver, als Maja es je war. Wie letzten Sommer, als er unten an der Südspitze der Insel eine ungeheure Menge blauen Ton fand. Er rief, bis er heiser war: Maja, Maja, Maaajaaa! Wollte, dass sie kam, dass sie zusammen was Lustiges mit dem Ton anfingen. Eigentlich wäre sie viel lieber liegen geblieben, hätte Lakritz gegessen und gelesen, aber es fiel ihr schwer, Nein zu sagen, wo er doch so überglücklich war. Sie formten Seehunde, dicke Seehunde in Lebensgröße, die auf den Klippen herumlagen und sich ausruhten. Am nächsten Tag waren sie weg, der Regen hatte sie zurück in den Vänersee gespült. Vielleicht waren sie aber auch lebendig geworden und davongeschwommen? Das zumindest war Pelles Überzeugung.

Ach, was hatte sie sich damals in ihn verliebt! Als der berühmte Bildhauer Pelle Hannix vor den Studenten stand und erzählte, wie er arbeitete, überlegte und sich inspirieren ließ. Die ganze Klasse bekam Lust, gleich loszulegen und zu schaffen, schaffen, schaffen oder sich voller Glückseligkeit in seine Arme zu werfen. Maja entschied sich für Letzteres.

Erst neunzehn Jahre alt war sie damals. Die Jüngste in der Klasse, begabt und etwas anstrengend. "Anstrengend stur", pflegt

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