text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Flammenschatten Roman von Ailinger, Traude (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Flammenschatten

In einem entlegenen Internat in Schottland taucht ein dubioser Fremder auf. Dorothea Berger, Exilschwäbin und Lehrerin aus Leidenschaft, wittert sofort Unheil. Als ihr Schützling Annie, die sich hier vor ihrem gewalttätigen Vater versteckt hält, immer schwieriger wird, macht sich Dorothea mit dem gewieften Schüler Adam und dem charismatischen Musiklehrer John daran, die geheimnisvollen Vorgänge aufzuklären. Dabei gerät sie in ein Netz von Intrigen, das Annie und sie selbst in Lebensgefahr bringt ...

Traude Ailinger, geboren 1968, emigrierte nach dem Studium der Germanistik und Klassischen Philologie in Tübingen ehehalber nach Schottland, wo sie nach dreifacher Babypause Deutsch und Latein an einer Internatsschule unterrichtete. Nach Schlie?ung der Schule sattelte sie um und erwarb beim Institute of Linguistics, London, ein Übersetzerdiplom mit Auszeichnung in der Literaturübersetzung. Doch der Ruf der Wildnis (und das Bedürfnis nach einem geregelten Einkommen) war zu stark: Seit 2003 ist sie Lehrerin und Haustutor an einer Internatsschule in Perthshire und widmet sich nun, da die Kinder flügge werden, ihrer größten Leidenschaft, dem Schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 335
    Erscheinungsdatum: 01.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783734992827
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1916kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Flammenschatten

1 Schuljahresbeginn

Endlich waren die Ferien vorbei. Während ihre Kollegen und Schüler wehmütig die verbliebenen Stunden der Freiheit zählten, genoss Dorothea Berger das angenehme Kribbeln im Magen, das sich wie immer nach langen Pausen im Schulbetrieb eingestellt hatte. Die erste Ferienwoche war himmlisch gewesen - ausschlafen, kein Kleiderzwang, keine Termine, das langsame Gleiten in einen gemächlicheren Lebensrhythmus -, aber mit der Stille und der vielen Zeit waren auch ungebetene Gäste zurückgekehrt: die Erinnerungen, der Hass und die lästigste Besucherin von allen, die Frage . Die Frage drängte sich seit Dorotheas zwölftem Lebensjahr immer wieder ungebeten in ihr Bewusstsein. Genug davon! Entschlossen griff sie nach dem Kaffeebecher und stand auf. Es war Zeit, wieder das zu tun, was sie am besten tat: Junge Seelen an den Brunnen des Wissens führen. Zwar tranken die meisten nicht; aber wenn das Wunder dann doch geschah, wenn der Groschen fiel und ein überraschtes Lächeln des Triumphes die faltenlosen Gesichter verzauberte, wenn die geballte Energie der Klasse sich in einer kleinen Explosion ungezügelten Lernens entlud, erlebte sie ein High , nach dem sie so süchtig war wie andere nach Drogen. Sie stellte den Becher in die Spülmaschine, drehte sich um und zuckte zusammen. In der Tür stand George. Lautlos wie ein Gespenst war er hereingekommen, als besäße er gar keine Substanz. Mit dem routinierten Blick der Ehefrau registrierte sie Gesichtsfarbe, Augenglanzpegel und Körpersprache. Unruhiger Schlaf, Lustlosigkeit und generelle Unzufriedenheit - nichts Neues also.

"Guten Morgen", sagte sie betont fröhlich.

"Morgen", kam es neutral zurück. Er bewegte sich langsam auf den Kühlschrank zu, was ihn einige Mühe zu kosten schien.

"Muss los, Lehrerversammlung."

"Mach's gut."

Nur keine Sorge.

Der Theatersaal summte vor Aufregung, wie immer zu Schuljahresbeginn. Dorothea liebte diesen ersten Tag, da sie endlich die lästigen Pflichten des Alltags hinter sich lassen konnte. Putzen, Aufräumen, Kleidung einkaufen, Zahnarzt- und Friseurtermine - für die nächsten sieben Wochen hatte sie die perfekte Ausrede, nichts dergleichen tun zu müssen. Dass sie es auch genoss, nicht dauernd mit George zusammen zu sein, hatte sie sich noch nicht eingestanden. Nicht einmal die Aussicht auf zwei Tage langweiliger Fortbildung konnte ihre Freude, die Kollegen wiederzusehen, trüben. Noch wogte die Menge vor dem verblichenen Samtvorhang, der die Bühne von den Zuschauerrängen trennte, und zog Dorothea mit sich. 'Wie geht's?', 'Schöne Ferien gehabt?', 'Du bist ja so braun! Wo bist du gewesen? Hier in Rothie?!', 'Jetzt fängt die Schinderei wieder an, was?' Sie lächelte und grüßte in alle Richtungen, machte Small Talk und arbeitete sich langsam an den Rand des Schwarms vor. Gerade als sie sich etwas Luft verschafft hatte, traf sie auf Séverine und Valeria. Sie küsste ihre Kolleginnen auf beide Wangen (erst links, dann rechts) und ließ sich eine Weile von Sonne, St. Tropez und Sevilla vorschwärmen, von einer anderen Welt. Da summte jemand hinter ihr die Vogelfängerarie aus der Zauberflöte, und ihr Herzschlag kam einen Moment aus dem Takt. Mitten in Valerias Beschreibung einer Strandbegegnung mit einem Torero - ¡oh, Dios mío! - drehte sie sich um und küsste John auf die Wange (links), der seine Rezitation für zwei Achtel unterbrach. John Burns war zwar nicht so kussfreudig wie die Südländerinnen, aber doch berührungsfreudiger als der durchschnittliche Brite, von dem böse Zungen sagten, dass er öffentliche Gefühlsbekundungen nur seinem Hund gegenüber äußere. Was durchaus Dorotheas Erfahrung entsprach. John schien überhaupt nicht zu merken, dass er dauernd vor sich hin sang oder, wenn soziale Konventionen das unmöglich machten, summte. Musik vibrierte in jeder seiner Zellen, weshalb die Jungs ihn gleichzeitig belächelten und b

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen