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FM4 Wortlaut 15. WILD Der FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb

  • Erscheinungsdatum: 19.11.2015
  • Verlag: Luftschacht Verlag
eBook (ePUB)
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FM4 Wortlaut 15. WILD

FM4 bot NachwuchsautorInnen und allen, die Lust am Geschichtenschreiben haben, die Chance, sich in kurzer Form literarisch über das Thema 'WILD' auszulassen. Zehn der cirka 1.000 Beiträge wurden von einer hochkarätigen Jury gekürt und schafften es in die Anthologie Wortlaut 15. Die urteilenden Wilden und Wildhüterinnen: Sonja Eismann (Journalistin und Autorin), Wladimir Kaminer (Schriftsteller und Kolumnist), Angelika Reitzer (Schriftstellerin), Tex Rubinowitz (Witzzeichner und Autor), Christoph Strolz (Wortlautgewinner 2014). 'So viel Putziges und Grausliges und überall kann man hineinschauen in die Geschmäcker der Menschen. (aus dem Siegertext 'Wild campen' von Marcus Fischer) Zita Bereuter, 1973 in Egg/Vorarlberg. Seit 2001 bei FM4, u. a. Leiterin des Literaturressorts, Organisatorin von Wortlaut und Betreiberin der FM4-Bücherei. Rezensiert für FM4 und Ö1. Claudia Czesch, 1967 in Wien, arbeitet seit 1995 bei ihrem Lieblingssender FM4. Sie ist Redakteurin und stellvertretende Senderchefin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 172
    Erscheinungsdatum: 19.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903081000
    Verlag: Luftschacht Verlag
    Größe: 1435 kBytes
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FM4 Wortlaut 15. WILD

Wild campen

Marcus Fischer

Foto: Christian Fischer

geb. 1965 in Wien, Germanistik-Studium in Berlin, danach ein paar Jahre Lehrer für Deutsch als Fremdsprache. Aus Neugierde einen Job als Texter in einer Berliner Werbeagentur angenommen. Aus Neugierde wurde ein Beruf: 15 Jahre als Texter und Kreativdirektor in Agenturen in Berlin und (seit 2001) wieder in Wien gearbeitet. 2014: Auszeit und erster veröffentlichter Text. Seit 2015 selbstständiger Texter, Schreibtrainer und Autor.

I.

Drei Stunden Vollgas und ein Scheppern im Kleinwagen, dass man eh lieber nicht redet, dann ist man drin in der Trachtenlandschaft. Gipfel, dass es einem den Hals verdreht im Auto, unten grasen Kühe an den Bergen und in den Seen ein Glitzern als wären da Sternspritzer reingefallen. Das Wetter hat nämlich auch mitgespielt: Ein Kaiserhimmel war das über den Köpfen, den zerzausten. Denn kaum waren sie auf der Landstraße, die Anna am Steuer und der Christoph daneben, Schiebedach auf und hallo Salzkammergut- luft!

Kein schlechter Start für ein Beziehungswochenende. In einem haben sie sich dann aber doch geschnitten. Ende September winken einem keine Campingplätze mehr entgegen vom Straßenrand. Sterbensgrau liegen die am See und menschenleer und wenn einer offen hat, steht da: Nur Dauercamper.

Auf einem haben sie dann ihre Runde gedreht. Wie geplatzte Wohnzimmer sind da die Wohnwagen gestanden mit den Verandazelten davor. So viel Putziges und Grausliges und überall kann man hineinschauen in die Geschmäcker der Menschen. Beim Mann an der Rezeption hat dann aber selbst das Zuckerbäckerlächeln von der Anna keine Chance gehabt. Ausnahmen sicher nicht, nicht in der Nachsaison, hat der

Mensch mit den alten Mundwinkeln gesagt. Landlogik, ist es ihr da durch den Kopf gegangen, aber mit dem Stimmungshoch wars vorbei. Auch weil jetzt vom See her ein Wind aufgezogen ist, als wenn sich der Sommer schon aufmachen würde für den Luftmarsch über die Berge Richtung Süden.

Er hätte ja eh lieber zum Neusiedler See wollen, hat der Christoph dann im Auto gemosert, aber keine Chance: Eine Beklemmung würde sie da bekommen in dem Flachland, Schweißausbruch schon beim Gedanken. Da hat er gleich wieder zurückgerudert, auch wegen Tuchfühlung und raus aus der Schieflage, der gemeinsamen.

Am Ende hat dann doch einer Tagescamper genommen. Die Dirndlfrau nicht begeistert am Empfang, aber christlich war sie, das hats von den Wänden heruntergeweht in dem Hartholzzimmer. Wie sie einträgt in das große Buch, haben die beiden sich umgeschaut: Marienbroschüren überall, mit Rehkitzen, großen Augen und Waldlichtungen, Lichtdrama und Titeln wie "Herz-Jesu-Weg" oder "Lob der Demut". Ein bissl aus Rührung über die Eingeborenen haben sie sich dann angegrinst. Eigentlich das erste Mal auf der Reise.

II.

Reihe zwei also. Glücklich waren sie mit dem Stellplatz, obwohl der Campingplatz praktisch leer und sie mittendrin: rechts von ihnen der alte Hymer-Campingbus mit den Panoramascheiben, links das Familienzelt mit rostigem Kombi davor. Aber keine 20 Meter dahinter: der See. Und ein Steg, der direkt hineinführt in den Bilderbuchblick. Das Wasser jetzt schon dunkelgrau in der Dämmerung, ein Nebelpelz auf den Bergen und drüben am anderen Ufer springen gerade die Laternen an. Die beiden gleich raus über die nassen Bretter, aber vorne am Steg dann eine Ratlosigkeit, weil umarmen, so weit waren sie dann doch noch nicht. Und so stehen sie da: er Bärtchen und Flanellhemd, sie Lockenkopf in Freizeitfleece. "So schön", haben sie gesagt und dann lange nichts, aber viel Seeluft haben sie sich hereingeholt durch die kalten Nasenlöcher.

Wie sie dann am Platz die Zeltstangen in die Nylonröhren schieben, hat sich was gerührt in ihrem Rücken. Erst haben die roten Luftballons am Familienzelt gewackelt, dann zippt sich ein Mensch heraus mit schwarzem Kapuzenpulli. Zieht gleich hi

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