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Freischwimmer Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr von Schneider, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2016
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Freischwimmer

Was passiert, wenn plötzlich alles in Frage gestellt scheint, woran man bislang geglaubt hat? Wenn die Zweifel lauter werden und die Antworten ausbleiben? Torsten Hebel, Moderator, Kabarettist, Schauspieler und Theologe, macht sich auf die Suche. Er begibt sich auf eine Reise und besucht ehemalige Wegbegleiter: Christina Brudereck, Andreas Malessa, Tim Niedernolte, Klaus Douglass ... Ein unglaublich berührendes und zugleich spannendes Buch von einer Suche nach Gott und der existenziellen Frage nach dem Sinn des Lebens. Torsten Hebel leitet eine selbst gegründete sozial-kulturelle Kinder- und Jugendarbeit in Berlin und ist europaweit als Kabarettist und Redner unterwegs. Torsten ist verheiratet mit Maja, hat zwei Kinder und ist leidenschaftlicher Segler. Daniel Schneider ist Autor, Journalist und Theologe. Er arbeitet für das Evangelische Rundfunkreferat NRW und ist als Fernseh- und Radioautor, Sprecher und Moderator tätig. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er in Löhne.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 22.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775172912
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Größe: 10395 kBytes
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Freischwimmer

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#2
Aus Rot wird Bunt

Ich kann mich noch heute an die Farbe erinnern. Es war ein fieses Rot. Der Korrekturstift, mit dem mich meine Lehrerin unsanft auf meine Fehler aufmerksam machte, verursachte neben der Signalfarbe ein unangenehmes Kratzen auf dem Papier meines Schulheftes und einige weitere, weitaus schlimmere Kratzer auf meiner Seele.

Besonders im Matheunterricht hinterließ der Stift bleibende Spuren. Dieses wissenschaftliche Fach wurde nicht nur mir zum schulischen Verhängnis, und ich erinnere mich besonders gut und besonders ungern an den Rechenunterricht. "Hebel, an die Tafel!", forderte mich meine Lehrerin in grauenvoller Regelmäßigkeit auf. Ehe ich mich von meinem Platz erheben konnte, standen mir schon die Schweißperlen auf der Stirn. Ich fühlte mich ausgeliefert und mutterseelenallein. Vernahm ich da nicht ein Kichern aus der hinteren Stuhlreihe? Schon bevor ich an der Tafel ankam, hatte ich verloren, denn selbst wenn ich irgendeine Ahnung von der Materie gehabt hätte, die Angst vor dem Versagen und dem Bloßgestellt-Werden lähmten mich und meine Gehirnzellen. Und nachdem ich einige Minuten, die sich wie Kaugummi in die Länge zogen, unschlüssig vor der Tafel von einem Bein auf das andere getreten war, schickte mich die Lehrerin mit einem "Du kannst dich wieder setzen" und einem nachgeschobenen "Ein Satz mit x, datt war wohl nix, typisch Torsten" wieder auf meinen Platz. Dann nahm sie den Rotstift zur Hand und kratzte eine Ziffer, die "mangelhaft" bedeutet, ins Klassenbuch.

"Mangelhaft" und "typisch Torsten". Eine Kombination, die sich wie ein Rotstift durch meine Kindheit und Jugend zieht. Und zwar gar nicht so sehr durch die Urteile von anderen Menschen, sondern vor allem durch mich selbst. Das im vorherigen Kapitel beschriebene Gefühl "Es reicht nicht" kam in all seinen Facetten und in meinem kompletten Alltag vor. Aber auch die durch die Kompensation angeeigneten Kompetenzen konnte ich in jeglicher Lebenslage wunderbar weiterentwickeln.
Das Gefühl "Es reicht nicht" kam in all seinen Facetten vor

Mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit lebt niemand gerne. Schon gar nicht als Kind oder Jugendlicher. Man ist ständig versucht, dieses Erleben irgendwie auszugleichen. Der eine so, der andere so. Meine Strategie bestand aus zwei wesentlichen Maßnahmen: erstens zu argumentieren, um dadurch von meinen Defiziten abzulenken, und dann diese Argumentation im zweiten Schritt brillant vorzutragen. Mit dieser Strategie verschaffte ich mir in der Schule und auch darüber hinaus Respekt. Es kam vor, dass so mancher Lehrer nach einem meiner Vorträge kopfschüttelnd und kapitulierend vor mir stand und mit einem Lächeln sagte: "Also, Torsten, eines muss man dir lassen: Reden kannst du!"

Vor allem in den Fächern Religion, Deutsch und Englisch war ich durch meine Redebegabung überdurchschnittlich gut. Obendrein übte ich in schöner Regelmäßigkeit das Amt des Klassensprechers aus. Das Gefühl der Anerkennung war unbeschreiblich schön, aber sobald ein negativer Gedanke oder ein kritischer Impuls von außen kamen, drohte das kleine Pflänzchen Selbstbewusstsein in mir wieder zu verkümmern.

Und genau das betrachte ich heute als sehr verhängnisvoll. Wer als Kind nicht gelernt hat, sich selbst zu lieben und zu achten, der versucht immer wieder, die Bestätigung für sein Leben von außen zu bekommen. Kommt es in irgendeiner Form zur Kritik, wird dies sofort als Zurückweisung und Liebesentzug eingeordnet und empfunden.

Solche Sätze wie "Glaube ja nicht, dass du dich jetzt auf deinen Lorbeeren ausruhen kannst, das war doch gar nichts" oder "Vögel, die morgens zwitschern, holt abends die Katze" und "Wie dumm bist du eigentlich?" bestärkten mich in diesem Erleben. Solche und ähnliche Sätze waren damals an der Tagesordnung. Sowohl zu Hause als auch in der Gemeinde oder in der Schule. Ich fand

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