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Frost und Sonne von Scheib, Asta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Frost und Sonne

Ein historischer Roman über die Fürstenfamilie Jussupow und ein spannendes Sittenporträt aus den letzten Jahren der Romanow-Dynastie. Der Zarenhof in Sankt Petersburg um 1900: Höfische Pracht, Vergnügungssucht und Maßlosigkeit wuchern hier ebenso üppig wie Liebe, Lügen und Verrat. Fürst Felix Jussupow wächst in unmittelbarer Nähe zum Zarenhof auf. Der intelligente und gutaussehende junge Mann ist der Liebling der Petersburger Gesellschaft. Man bewundert seine Extravaganzen bis auf eine: seine Liebe zu Männern. Immerhin ist er mit einer der schönsten Frauen seiner Zeit verheiratet. Irina ist die Nichte des Zaren Nikolaus. Ungeachtet der Liebe zu seiner Frau ist Felix mit Dmitrij, seinem Jugend-freund, erotisch liiert. Der Zar ist über diese Beziehung sehr aufgebracht. Er verlangt von Felix, seine homosexuelle Neigung von dem Mann behandeln zu lassen, der dem todkranken Thronfolger schon oft das Leben gerettet hat: Rasputin. Zwischen Felix und dem Heiler bahnt sich schon bald eine Tragödie mit unabsehbaren Folgen an. Asta Scheib arbeitete als Redakteurin bei verschiedenen Zeitschriften, bevor sie in den achtziger Jahren ihren ersten Roman veröffentlichte. Sie gehört heute zu den bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen. Ihr Roman Eine Zierde in ihrem Hause. Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell wurde zum gefeierten Bestseller. Bei Hoffmann und Campe erschienen zahlreiche Romane, u.a. In den Gärten des Herzens , Die Leidenschaft der Lena Christ , Sonntag in meinem Herzen . Das Leben des Malers Carl Spitzweg und ihr großer Erfolg Das Schönste, was ich sah , eine Romanbiographie über den Maler Giovanni Segantini. Asta Scheibs Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Autorin lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 367
    Erscheinungsdatum: 22.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455811704
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 2167 kBytes
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Frost und Sonne

Kapitel 1

"Bei allen Heiligen, Sinaida, dein Sohn ist vollkommen! Schön wie ein Engel!"

Xenia Alexandrowna kniete sich hinunter zu Felix. Ihr Duft nach Rosenöl machte ihn schwindlig. Er sah die Knöpfe des hellgrauen engen Straßenkostüms und die Falten, die sich quer über der Brust hinzogen. Vielleicht würde einer der Knöpfe abspringen, oder eine Seitennaht platzte auf. Felix meinte, die feinen Nähte krachen zu hören, und er fürchtete sich ein wenig. Er hatte gelernt, dass Mütter und Tanten ungerecht und streng wurden, wenn an ihren Kleidern Knöpfe abplatzten oder Nähte krachten.

Tante Xenia gab mit einem kaum hörbaren Seufzer ihre Hockstellung wieder auf, und er hoffte, dass er gleich erlöst sein würde von dem Begrüßungstheater. Doch seine Tante drehte ihn zu seiner Mutter herum, als habe die ihn noch niemals gesehen.

"Du musst doch zugeben, Sina, er hat ein Gesicht wie eine Blütenknospe, sieh mal, dieser Kopf, wenn das nicht die klassische, griechische Form ist, unglaublich, und die Locken, er könnte ein Mädchen sein!"

Zu viele Zuckerstücke auf einmal. Felix sah, wie sich die Augen seiner Mutter leicht verengten. Nur ganz kurz. Dann begann sie mit ihrem Abwehrzauber: dass Felix viel zu dünn sei, weil er nicht recht esse, außerdem schlafe er schlecht und habe Albträume. Seine Mutter war abergläubisch. Doch Tante Xenia bekam davon nichts mit. Ihr Gesicht sah aus, als horche sie auf etwas.

"Ich habe eine sehr junge Amme für Irina angestellt. Sie leugnet es zwar, doch ich glaube, dass sie raucht."

"Um Gottes willen", hörte Felix seine Mutter sagen. Ihre Stimme klang ehrlich entsetzt. "Einer unserer Kammerdiener ist gerade Großvater geworden. Er hat seine Töchter streng erzogen. Soll ich sie dir schicken?"

Daraus entwickelte sich ein Gespräch über die Vorzüge oder auch Sünden von Ammen, und Felix hörte nicht mehr zu.

Meistens war es öde für ihn, wenn die Mutter in ihrem blauen Salon Gräfinnen, Großfürstinnen, Wissenschaftler, Künstler oder andere langweilige Leute empfing, und er machte sich schnell davon. Heute jedoch würde sich etwas Geduld vielleicht lohnen. Er konnte Tante Xenia gut leiden. Sie war eine Schwester des jungen Zaren Nikolaus II . Für Felix war sie die Liebste aus der großen Familie der Romanows. Als Tante Xenias Tochter Irina noch nicht auf der Welt war, hatte sie Felix und seinen Bruder Nikolaj manchmal abgeholt und in den Winterpalast mitgenommen, wo sie wohnte. Oft zeigte sie ihnen dann vom Schlossufer aus die Inseln an der großen und der kleinen Newa, und Felix hatte immer das Gefühl, dass die Inseln sich ängstlich duckten, als befürchteten sie, das Wasser wolle sie überfluten. Auch die größte der Inseln, die Wasiljewskij-Insel mit ihren mächtigen Gebäuden, schien im grünlichen Dunst zu beben.

Felix sprach nicht über das, was er sah. Er hatte gelernt, dass die Erwachsenen mit seinen Eindrücken nichts anfangen konnten. Also betrachtete er folgsam das Galaruderboot der Zarenfamilie und die vielen anderen Ruder- oder Segelboote, die Tante Xenia ihm zeigte.

Einmal waren sie gegen Abend zum Ufer der Wasiljewskij-Inselspitze gefahren und schauten von dort über die Newa, die spiegelblank war und in der Abendsonne dalag wie ein riesiger Diamant. Das hatte Tante Xenia gesagt und dabei die Finger an die Lippen gelegt, damit Nikolaj und Felix die Glocken der Petersburger Kirchen hören konnten, deren sonst so einschüchternder Klang gedämpft war durch den Lärm der Stadt. Besonders der die Glocken begleitende Trommelwir

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