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Gabrielle oder Die Rückkehr Erzählung von Conrad, Joseph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2010
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Gabrielle oder Die Rückkehr

Conrads großes Ehedrama ist die bürgerliche Version von "Heart of Darkness". Jetzt wegen der Verfilmung mit Isabelle Huppert in einer Neuübersetzung von Sophie Zeitz. Ich wollte die Wahrheit über das bestialische Bürgertum enthüllen", sagt Conrad über die Geschichte des überaus ehrbaren Alvan Hervey, der eines Abends in sein Londoner Heim zurückkehrt, um festzustellen, daß seine Frau nach fünf Jahren Ehe mit einem Zeitungsjournalisten durchgebrannt ist. Noch am gleichen Abend kehrt sie zurück, aber Hervey kann diese Schmach nicht verwinden. Am Ende verläßt er das Haus, um nich wiederzukehren. Herveys faszinierte Abscheu vor der Untreue seiner Frau ist die häusliche Version des moralischen ?Grauens?, das Marlow später im Kongo empfinden wird. Diese eindringliche Erzählung entwirft ein drastisches ?Herz der Finsternis? im Zentrum der zivilierten Welt, hinter den Türen eines ehrbaren Londoner Bürgerhauses. Ein Ehedrama oder das Drama einer Ehe ohne Liebe zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Neuübersetzung der eindrucksvollen Erzählung erscheint anläßlich der Verfilmung des Stoffes durch den bedeutenden französischen Regisseur Patrice Chereau. Isabelle Huppert erhielt für ihre Hauptrolle den Spezialpreis auf dem Filmfest in Venedig 2005. Joseph Conrad , 1857 in Berdytschiw (damals Russisches Kaierreich) geboren und 1924 in Bishopsbourne, Grafschaft Kent, England, gestorben, fuhr nach dem Tod seiner Eltern bereits als Siebzehnjähriger zur See. Viele Schauplätze und Figuren seiner Werke entstammen diesem abenteuerlichen Leben. Mit seinen dreizehn Romanen und zahlreichen Kurzgeschichten wurde er zum Meister der englischen Sprache, obwohl er diese erst als Erwachsener erlernte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 01.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423404105
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: The Return
    Größe: 176 kBytes
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Gabrielle oder Die Rückkehr

Gabrielle oder Die Rückkehr (S. 12-14)
Alvan Hervey bog zweimal links ab, einmal rechts, schritt zwei Seiten eines Platzes entlang, in dessen Mitte Gruppen zahm aussehender Bäume gebührlich eingezäunt hinter Eisengittern standen, und klingelte an seiner Tür. Ein Hausmädchen öffnete. Es war ein Steckenpferd seiner Frau, nur weibliches Personal zu beschäftigen. Während das Mädchen ihm Hut und Mantel abnahm, sagte es etwas, das ihn auf die Uhr blicken ließ. Es war fünf, und seine Frau war nicht zu Hause. Doch daran war nichts Ungewöhnliches. Er antwortete: "Nein, keinenTee", und ging nach oben.
Mit gedämpften Schritten stieg er hinauf. Messingstangen schimmerten entlang des roten Teppichs bis nach oben. Auf dem ersten Treppenabsatz streckte eine marmorne Frau, vom Hals bis zum Rist züchtig in steinerne Falten gehüllt, eine Reihe lebloser Zehen zur Sockelkante und warf blind einen starren weißen Arm in die Luft, der eine Traube Lichter hielt. Alvan Hervey hatte künstlerische Neigungen zu Hause. Schwere Vorhänge, zusammengerafft, halb verborgene dunkle Ecken. An den Wänden mit der prächtig geprägten Tapete hingen Skizzen, Aquarelle, Stiche. Seine Neigungen waren eindeutig künstlerisch. Alte Kirchtürme ragten aus grünen Laubmassen, Berge waren violett, Wüsten gelb, die Meere sonnig, die Himmel blau. Eine junge Frau mit verträumten Augen lag ausgestreckt in einem vertäuten Boot, bei ihr ein Picknickkorb, eine Sektflasche und ein verliebter Mann im Clubjackett. Knaben mit nackten Beinen schäkerten artig mit zerlumpten Mädchen, schliefen auf Steinstufen, spielten mit Hunden. Ein rührend mageres Kind drückte sich gegen eine karge Mauer, drehte die erlöschenden Augen zum Himmel und bot eine Blume feil, während gleich daneben die großen Photographien berühmter, verstümmelter Basreliefs vermutlich ein steingewordenes Massaker zeigten.
Er sah natürlich nicht hin, stieg eine weitere Treppe hinauf und ging geradewegs in das Ankleidezimmer. Ein bronzener Drache, mit dem Schwanz an eine Konsole genagelt, krümmte sich in regelmäßigen Windungen von der Wand weg und hielt in seinen typisch wütenden Fängen ein offenes Gasflämmchen, das an einen Schmetterling erinnerte.
Das Zimmer war leer, natürlich, doch kaum war er eingetreten, füllte es sich auf einen Schlag mit der Bewegung vieler Menschen, denn die länglichen Scheiben in den Türen des Kleiderschranks und der große Pfeilerspiegel seiner Frau warfen ihn von Kopf bis Fuß zurückund vervielfältigten sein Bild zu einer Menge galanter und knechtischer Nachahmer, die genauso angezogen waren wie er, die die gleichen beherrschten und spärlichen Gesten machten, die sich bewegten, wenn er sich bewegte, mit ihm stehenblieben, unterwürfig erstarrt, und gerade so viel Leben und Gefühl an den Tag legten, wie er es bei einem Mann für ehrbar und ungefährlich befand.
Und wie echte Menschen, die die Knechte gewöhnlicher Gedanken sind, und nicht einmal ihrer eigenen, täuschten sie durch die oberflächliche Vielfalt ihrer Bewegungen eine schemenhafte Unabhängigkeit vor. Sie bewegten sich wie er, doch entweder sie kamen auf ihn zu oder gingen weg von ihm, sie tauchten auf, verschwanden, schienen sich hinter Nußbaummöbeln zu ducken, um sich wieder sehen zu lassen, tief in den polierten Scheiben, wo sie klar und unwirklich in der überzeugenden Illusion eines Raums auf und ab schritten.

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