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Georg Büchner - Gesammelte Werke Dantons Tod, Lenz, Leonce und Lena, Woyzeck, Lucretia Borgia, Maria Tudor von Büchner, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2015
  • Verlag: Null Papier Verlag
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Georg Büchner - Gesammelte Werke

Mit Aufsatz zu Leben und Werk Karl Georg Büchner war ein Schriftsteller, Mediziner, Naturwissenschaftler und Revolutionär. Schon mit 23 verstorben, gilt er heute dennoch als einer der wichtigsten deutschsprachigen Literaten. Gegen einen Zug zur Melancholie und Hoffnungslosigkeit, der viele seiner literarischen Figuren prägen sollte, entwickelte Büchner eine Ruh- und Rastlosigkeit, die ihn zu großer Schaffenskraft führte. Georg Büchner hat den deutschen Beitrag zur Weltliteratur des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Der nach ihm benannte und seit 1923 vergebene Literatur-Preis ist der bedeutendste in der Bundesrepublik Deutschland. Zu seinen namhaftesten Trägern gehören und gehörten: Carl Zuckmayer, Gottfried Benn, Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt, Elfriede Jelinek, Wolf Biermann und Martin Walser. 685 Seiten (in der gedruckten Fassung) Die wichtigsten Werke vertreten: - Der Hessische Landbote - Dantons Tod - Lenz - Leonce und Lena - Woyzeck (Fragment) - Lucretia Borgia (Übersetzung des Dramas von Victor Hugo) - Maria Tudor (Übersetzung des Dramas von Victor Hugo) - Briefe (1831 - 1837) Beachten Sie auch die anderen 'Gesammelten Werke' aus dem Hause Null Papier von E. A. Poe, Franz Kafka, E. T. A. Hoffmann und Stefan Zweig 1. Auflage Umfang: 685 Buchseiten bzw. 521 Normseiten ISBN 978-3-95418-365-4 (Kindle) ISBN 978-3-95418-366-1 (Epub) ISBN 978-3-95418-367-8 (PDF) Null Papier Verlag Georg Büchner war das Kind einer Übergangsepoche, die nach der Niederwerfung Napoleons begann und in die Deutsche Märzrevolution von 1848/49 mündete. Die Zeit des sogenannten Vormärz fing mit der Gründung des 1815 - zwei Jahre nach Büchners Geburt - gegründeten Deutschen Bundes an, der durch die Umgestaltung Deutschlands zu einem mosaikartigen Gebilde aus dynastisch geführten Duodezstaaten ein Zeitalter der Restauration einleitete, das durch eine zum System erhobene Enge und eine repressive Gangart gegen die widerständischen liberalen und nationalen Bewegungen geprägt war.einereiner

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 744
    Erscheinungsdatum: 29.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954183661
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 1610 kBytes
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Georg Büchner - Gesammelte Werke

Fünfte Szene

Ein Zimmer

Danton. Marion.

Marion : Nein, laß mich! So zu deinen Füßen. Ich will dir erzählen.

Danton : Du könntest deine Lippen besser gebrauchen.

Marion : Nein, laß mich einmal so. - Meine Mutter war eine kluge Frau; sie sagte mir immer, die Keuschheit sei eine schöne Tugend. Wenn Leute ins Haus kamen und von manchen Dingen zu sprechen anfingen, hieß sie mich aus dem Zimmer gehn; frug ich, was die Leute gewollt hätten, so sagte sie mir, ich solle mich schämen; gab sie mir ein Buch zu lesen, so mußt' ich fast immer einige Seiten überschlagen. Aber die Bibel las ich nach Belieben, da war alles heilig; aber es war etwas darin, was ich nicht begriff. Ich mochte auch niemand fragen, ich brütete über mir selbst. Da kam der Frühling; es ging überall etwas um mich vor, woran ich keinen Teil hatte. Ich geriet in eine eigne Atmosphäre, sie erstickte mich fast. Ich betrachtete meine Glieder; es war mir manchmal, als wäre ich doppelt und verschmölze dann wieder in eins. Ein junger Mensch kam zu der Zeit ins Haus; er war hübsch und sprach oft tolles Zeug; ich wußte nicht recht, was er wollte, aber ich mußte lachen. Meine Mutter hieß ihn öfters kommen, das war uns beiden recht. Endlich sahen wir nicht ein, warum wir nicht ebensogut zwischen zwei Bettüchern beieinander liegen, als auf zwei Stühlen nebeneinander sitzen durften. Ich fand dabei mehr Vergnügen als bei seiner Unterhaltung und sah nicht ab, warum man mir das geringere gewähren und das größere entziehen wollte. Wir taten's heimlich. Das ging so fort. Aber ich wurde wie ein Meer, was alles verschlang und sich tiefer und tiefer wühlte. Es war für mich nur ein Gegensatz da, alle Männer verschmolzen in einen Leib. Meine Natur war einmal so, wer kann da drüber hinaus? Endlich merkt' er's. Er kam eines Morgens und küßte mich, als wollte er mich ersticken; seine Arme schnürten sich um meinen Hals, ich war in unsäglicher Angst. Da ließ er mich los und lachte und sagte: er hätte fast einen dummen Streich gemacht; ich solle mein Kleid nur behalten und es brauchen, es würde sich schon von selbst abtragen, er wolle mir den Spaß nicht vor der Zeit verderben, es wäre doch das einzige, was ich hätte. Dann ging er; ich wußte wieder nicht, was er wollte. Den Abend saß ich am Fenster; ich bin sehr reizbar und hänge mit allem um mich nur durch eine Empfindung zusammen; ich versank in die Wellen der Abendröte. Da kam ein Haufe die Straße herab, die Kinder liefen voraus, die Weiber sahen aus den Fenstern. Ich sah hinunter: sie trugen ihn in einem Korb vorbei, der Mond schien auf seine bleiche Stirn, seine Locken waren feucht, er hatte sich ersäuft. Ich mußte weinen. - Das war der einzige Bruch in meinem Wesen. Die andern Leute haben Sonn- und Werktage, sie arbeiten sechs Tage und beten am siebenten, sie sind jedes Jahr auf ihren Geburtstag einmal gerührt und denken jedes Jahr auf Neujahr einmal nach. Ich begreife nichts davon: ich kenne keinen Absatz, keine Veränderung. Ich bin immer nur eins; ein ununterbrochenes Sehnen und Fassen, eine Glut, ein Strom. Meine Mutter ist vor Gram gestorben; die Leute weisen mit Fingern auf mich. Das ist dumm. Es läuft auf eins hinaus, an was man seine Freude hat, an Leibern, Christusbildern, Blumen oder Kinderspielsachen; es ist das nämliche Gefühl; wer am meisten genießt, betet am meisten.

Danton : Warum kann ich deine Schönheit nicht ganz in mich fassen, sie nicht ganz umschließen?

Marion : Danton, deine Lippen haben Augen.

Danton : Ich möchte ein Teil des Äthers sein, um dich in meiner Flut zu baden, um mich auf jeder Welle deines schönen Leibes zu brechen.

(Lacroix, Adelaide, Rosalie treten ein.)

Lacroix (bleibt in der Tür stehn): Ich muß lachen, ich muß lachen.

Danton (unwillig): Nun?

Lacroix : Die Gasse fällt mir ein.

Danton : Und?

Lacroix : Auf der Gasse w

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