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Geworfen von Howley, Kerry (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Geworfen

'Das bizarrste und faszinierendste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Die Genauigkeit ihrer Prosa erinnert an Joan Didion oder David Foster Wallace.' Time
Auf den ersten Blick gibt es zwischen der Philosophin Kit und den Käfigkämpfern der Mixed Martial Arts keinerlei Verbindung. Doch dann verirrt sich Kit am Rande eines sterbenslangweiligen Phänomenologie-Kongresses zufällig in eine Arena. Die Beobachtung des Kampfes versetzt sie in einen Zustand geistiger Ekstase - Erkenntnis unter Umgehung des Denkapparats -, wie sie ihn bis dahin nur aus den Texten antiker Mystiker kannte. Sie ist fasziniert und beschließt, alles über diesen merkwürdigen, misstrauisch beäugten Sport zu erfahren. Sie taucht tief in die Szene ein und begleitet über drei Jahre lang die Kämpfer Sean Huffman und Erik 'New Breed' Koch - der eine auf der Suche nach seinem letzten großen Kampf, der andere hungrig auf den Durchbruch. Entstanden ist das vielschichtige Bild einer sonderbaren Welt und ein Text von großem Scharfsinn, umwerfender Komik und existenzieller Tiefe. Ein Buch, wuchtig wie ein Handkantenschlag. ' Geworfen ist unwiderstehlich lesbar, informativ, urkomisch.' The New York Times Book Review 'Eine große amerikanische Geschichte über verkannte Helden, das Wesen der Gewalt, Hoffnung, Liebe und nahezu alles andere von Bedeutung.' Hanna Rosin, Das Ende der Männer 'Howleys brillante Prosa ist so geschmeidig und kraftvoll wie die Kämpfer, denen sie nachspürt, während sie sich zwischen Philosophie, Parodie und schweißgetränkter Poesie bewegt.' Publishers Weekly 'Woran Geworfen mich schließlich erinnert hat, waren weniger die gonzo-haften Artikel aus Amerikas besten Mainstream-Magazinen, sondern einige der kühnsten Stimmen der Literatur des 20. Jahrhunderts.' Salon Kerry Howleys Texte sind in der Paris Review , dem New York Times Magazine , dem Atlantic Monthly , dem Wall Street Journal und Slate erschienen. Sie hat an der University of Iowa studiert, an der sie Arts Fellow und Provost's Visiting Writer war.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 15.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843713214
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1693 kBytes
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Geworfen

Manchmal sieht man leibhaftige, lebende Legenden der MMA -Überlieferung und manchmal halb betrunkene, hinterwäldlerische Schlägertypen aus dem mittleren Westen, aber immer gibt es ein Octagon, immer einen Käfig, immer einen Weg, den nur die Kämpfer benutzen. Es gibt Musik bei ihrem Einzug. Es gibt durchtrainierte Fans und fette Ansager, Rollwagen mit gekühltem Bier, Laserlichter an der Decke. Und immer gibt es Nummerngirls. Lassen Sie uns über die Nummerngirls reden, die Art, wie sie nie irgendwo anzukommen scheinen, wie sie sich, ganz Zahnpastalächeln und bebende Schenkel, auf den Weg machen, nur um am Ende wieder am selben käfignahen Platz anzukommen, von dem sie aufgebrochen sind. Runde eins kommt . Runde zwei kommt . Nummerngirls drehen sich auf der Stelle. Früher dachte ich, es wäre ihre Aufgabe, die Idee Nummerngirl zu verkörpern, das heißt, sich bequem einzunisten in der Erinnerung an alle Nummerngirls, die die Zuschauer je gesehen haben, die Aufmerksamkeit nicht auf sich, sondern auf das Konzept "Nummerngirl" zu lenken, mit dem ihre Myriaden persönlichen Eigenschaften - wie etwa synästhetische Neigungen, eine tiefe Wertschätzung für das Spätwerk Schopenhauers oder ein Ingenieurdiplom der Iowa State University - zweifellos kollidieren würden. Doch bei einem großen Kampf im Osten waren die Kämpfer unglaublich scharf auf ein Nummerngirl namens "Britney", die, um der Wahrheit die Ehre zu geben, überaus augenfreundlich war, wie sie durch den Käfig schritt. Die Zuschauer begehrten Britney namentlich, und diese Bereitschaft zur Individuation zwang mich, meine Position bezüglich Nummerngirls und ihrer Funktion zu revidieren.

Im Sommer 2010 (Sean hatte damals mehr als dreißig Pfund Übergewicht, und ich war bereits sein hartnäckigster und ergebenster Platzfüller) war ich überzeugt, dass ein erfolgreicher Kampf abhing von - nein, nicht von einem speziellen Nummerngirl, das wäre absurd - sondern von der chemischen Reaktion, die durch das Nummerngirl, den Ansager, den Bierwagen und wer weiß, was sonst noch, in Gang gesetzt wird. Dass das Schauspiel den Raum auf gewisse Art transformierte; dass wir Zeuge eines Theaters der Grausamkeit wurden, so, wie Artaud es prophezeit hatte, und das, wie Artaud es ebenso prophezeit hatte, oftmals eher niederschmetternd war als erhebend.

Ich selbst bin weder eine Kämpferin noch ein Fan noch ein Schatten noch ein Groupie und auch keine besorgte Ehefrau. Ich gehöre zu jener Spezies kämpferischer Appendizes, die als "Platzfüller" bezeichnet werden; das heißt, wenn die Kämpfer den Käfig verlassen, in dem sie autark sind, und auf die Straße hinausgehen, auf der sie es nicht sind, ich das bin, was den gestandenen Kämpfer vom gemeinen Schläger unterscheidet. So wie Hipster ihre Brillen, Priester ihre Kragen und Cops ihre Schnurrbärte, so haben die Kämpfer uns. Und so, wie der Schnurrbart dem Cop auch nach Ende der Schicht erhalten bleibt, gehören wir zum Kämpfer, nicht zum Kampf. Die meisten Dinge, die Kämpfer tun, finden schließlich nicht im Wirkungsbereich des Octagons statt, und sie brauchen ihre Entourage ebenso sehr an quälend eintönigen Sonntagnachmittagen, wenn die Stille unerträglich wird - wenn nicht noch mehr. Einige von ihnen haben dasselbe Bedürfnis wie die Fratboys in Cargoshorts, die, sobald sie das Haus verlassen, in Rudeln unterwegs sind, in dem verzweifelten Bemühen, das geistige Verkehrsrauschen ihrer Gedanken mit künstlicher Aufgekratztheit und dem Geschlurfe und Geschrei anderer Männer zu übertönen.

Die Geschichte ist die: Ich stieß als Zuschauerin zu einem Kampf in Des Moines. Kurz zuvor hatte ich noch eine Konferenz über Phänomenologie besucht, auf der ein Professor mit zurückweichendem Haaransatz und spektakulär unkorrekten Ansichten über die Husserl'sche Intentionalität die post-konferenzielle Cocktailstunde dominierte.

"Hat jemand eine Zigarette?", fragte ich eine Gruppe welker Fraue

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