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Grün ist die Hoffnung von Boyle, T. C. (eBook)

  • Erschienen: 01.02.2016
  • Verlag: Hanser
eBook (ePUB)
11,99 €
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Grün ist die Hoffnung

Felix Nasmyth hat alles hingeschmissen: Er ist raus aus Kinderchor und Schulorchester, hat der Kirche den Rücken gekehrt, das Studium abgebrochen, geheiratet und sich scheiden lassen. Jetzt mühen er und seine Freunde sich in den abgelegenen Bergen von Kalifornien einen ganzen Sommer lang mit dem Anbau von Hanf ab. Danach wollen sie ernten und eine halbe Million Dollar einsacken. Doch sie haben nicht mit schnüffelnden Nachbarn, sintflutartigen Regenfällen, Felix' neuer Liebe und einem lästigen Drogenfahnder gerechnet ... Dreist, witzig und spannend: Die Neuübersetzung dieses Romans über drei schräge Typen und ihren Traum vom leichten Geld hat alles, was einen echten Boyle ausmacht.

T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren, unterrichtete an der University of Southern California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen zuletzt Willkommen in Wellville (Roman, 1993), América (Roman, 1996), Riven Rock (Roman, 1998), Fleischeslust (Erzählungen, 1999), Ein Freund der Erde (Roman, 2001), Schluß mit cool (Erzählungen, 2002), Drop City (Roman, 2003), Dr. Sex (Roman, 2005), Talk Talk (Roman, 2006), Zähne und Klauen (Erzählungen, 2008), Die Frauen (Roman, 2009), Das wilde Kind (Erzählung, 2010), Wenn das Schlachten vorbei ist (Roman, 2012), San Miguel (Roman, 2013), die Neuübersetzung von Wassermusik (Roman, 2014), Hart auf hart (Roman, 2015), die Neuübersetzung von Grün ist die Hoffnung (Roman, 2016) und Die Terranauten (Roman, 2017).

Produktinformationen

    Größe: 2641kBytes
    Herausgeber: Hanser
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 384
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783446251960
    Erschienen: 01.02.2016
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Grün ist die Hoffnung

Kapitel 1

Ich hab nie was zu Ende gebracht. Ich bin aus der Pfadfindergruppe, dem Chor und der Marschkapelle ausgetreten. Hab aufgehört, Zeitungen auszutragen und in die Kirche oder zum Basketballtraining zu gehen. Ich hab das College abgebrochen, bin mit einem 4-F aufgrund mangelnder mentaler Belastbarkeit dem Militär entgangen, hab das Studium wieder aufgenommen, einen Promotionsstudiengang (Englische Literatur des 19. Jahrhunderts) belegt, in der ersten Reihe gesessen, eifrig mitgeschrieben, mir eine Hornbrille angeschafft und am Vorabend der entscheidenden Prüfung beschlossen, nicht hinzugehen. Ich hab geheiratet, mich bald getrennt und wenig später scheiden lassen. Ich hab das Rauchen, das Joggen und den Verzehr von dunklem Fleisch aufgegeben und jede Menge Jobs hingeschmissen: Totengräber, Tankwart, Versicherungsvertreter, Filmvorführer in einem Pornokino in Boston. Als ich neunzehn war, vögelte ich wie verrückt mit einem spitznasigen, hängebusigen Mädchen, das ich noch von der Highschool kannte. Das Mädchen wurde schwanger. Ich verließ die Stadt. So ziemlich das Einzige, bei dem ich durchgehalten hab, war das Sommerlager.

Und davon will ich Ihnen jetzt erzählen.

Vor zwei Jahren lebte ich allein. Ich wachte allein auf, putzte mir allein die Zähne, machte irgendwelche Aushilfsjobs, aß Burritos aus einer Pappschachtel, las die Zeitung, zog mich aus und ging zu Bett, alles allein. Das Universum hatte sich für eine Weile zusammengezogen, und ich lernte, mich darauf einzustellen. Ich war einunddreißig. Ich saß mit Männern, die einundfünfzig, einundsechzig, einundachtzig waren, an der Theke eines Diners, schlürfte Tomatensuppe mit Reis und sah der Bedienung zu. Manchmal aß ich mit Freunden zu Abend, spielte Billard, tanzte in überfüllten dunklen Clubs zu flotten Latino-Rhythmen; manchmal kam ich mir vor wie ein bärtiger, in die Betrachtung einer Steinwüste versunkener Asket.

An diesem besonderen Abend - es war Ende Februar - blieb ich zu Hause und las. Eine japanische Seilschaft wagte den Aufstieg zum Gipfel des K2, meine Lungen brannten in der dünnen Luft, der tödlich kalte Wind jagte mir Eiskristalle ins Gesicht, als die Nadel des Plattenspielers hängen blieb und Le Sacre du Printemps mit knirschendem Kreischen auf der Stelle trat, als wäre die ganze Truppe aus Najaden und Dryaden und Satyrn in Elastananzügen unvermittelt erlahmt. Ich sah auf. Regen klopfte an die Fenster wie ein schmierig grinsender Voyeur, das Haus gab kleine Geräusche von sich - das Ächzen des Kühlschrankmotors, das Seufzen der Heizung -, das Feuer knisterte ominös um einen Nagel im brennenden Scheit. In diesem Augenblick, wie auf ein Stichwort, läutete es an der Tür. Es war nach zwölf. Ich warf einen reumütigen Blick auf den Fernseher - bleich geschminkte Zombies schlurften über den Bildschirm und kauten dabei bratwurstartige Eingeweide -, legte das Buch beiseite, verknotete den Gürtel meines Bademantels und ging zum Kopf der Treppe. Es läutete erneut, insistierend.

Ich wohnte in der Fair Oaks Street, drei Blocks westlich der Mission, in einer Wohnung mit eigenem Aufgang. Es war ein in sechs Farben gestrichenes viktorianisches Haus. Ich hatte vier Zimmer, eine Dachterrasse, einen Flur und eine schöne Aussicht. Bevor die Sprechanlage ihren Geist aufgegeben hatte, war das Signal so leise und verrauscht gewesen, dass ich nicht mal die Stimme meiner Mutter erkannt hätte - ebenso wenig übrigens wie Screamin' Jay Hawkins' "I Put a Spell On You". Ich stand am Kopf der Treppe, drückte, eher neugierig als besorgt, auf den Knopf für den Öffner und sah drei Schatten aus der Nässe dort draußen hereinschlüpfen.

Ein Blitz zuckte, Hörner und Geigen kreischten wie eine Alarmsirene ein ums andere Mal denselben gequälten slawischen Ton, und die drei Gestalten polterten bumm-bumm-bumm die Treppe herauf. Für einen bösen Augenblick wich ich zurück und verfluchte mich, weil ich sie so vertrauensselig re

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