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Graf Udo Bodo von Baudissin, Wolf E. H. E. Graf von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Graf Udo Bodo

Wolf Graf von Baudissin Freiherr v. Schlicht wurde am 30. Januar 1867 auf Gut Schierensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) geboren. Er war verheiratet mit der Schriftstellerin Eva von Baudissin. Der Autor wird oft mit Wolf Heinrich Graf von Baudissin verwechselt. Wolf Graf von Baudissin starb am 4. Oktober 1926 in Weimar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 181
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958640566
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 403kBytes
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Graf Udo Bodo

I.

Als Graf Udo Bodo das Licht der Welt erblickte, waren in dem Schloß seines Vaters, des Majoratsherrn Graf Kuno von Adlershorst, fast sämtliche weibliche Mitglieder der Familie versammelt und alle umstanden bewundernd das neugeborene Kind, das in seiner Wiege gar jämmerlich schrie und weinte. Alle hatten gehofft, daß das Kind, das erwartet wurde, ein Mädchen sein würde; denn wenn Graf Kuno ohne männlichen Erben starb, fiel der Besitz an eine der Nebenlinien. Nun war das Kind, allen stillen und frommen Gebeten zum Trotz, doch ein Knabe geworden. Das war bitter, aber es ließ sich nun nicht mehr ändern. So machten denn die Tanten und Basen gute Miene zum bösen Spiel und gratulierten dem glückseligen Vater mit einer Herzlichkeit, als hätte auch ihnen kein größeres Glück zuteil werden können.

Alle umringten den Grafen, nur eine nicht, das war die Gräfin Cäcilie von Adlershorst, die kniete unbeweglich in stiller Verzückung vor der Wiege; sie tat, als sähen ihre Augen endlich das Heil, das sie so lange vergeblich gesucht hatte, und dabei war ihr im tiefsten Herzen nichts unsympathischer als ein kleines Kind, das nach ihrer gewissenhaften Überzeugung eher einem kleinen Affen oder einem kleinen Meerschweinchen glich als einem Menschen. Aber sie mußte das Kind bewundern, denn sie war arm und bezog von dem Grafen Kuno eine jährliche Unterstützung, die es ihr zwar nicht erlaubte, standesgemäß zu leben, die sie aber wenigstens vor der äußersten Not schützte.

Seit vielen Monaten hatte sie schon darüber nachgedacht, wie es ihr möglich sein würde, eine Erhöhung dieser Zulage zu erzielen. Mit einer einfachen Bitte war da nichts getan, das wußte sie ganz genau, denn Graf Kuno war trotz seiner großen Einnahmen immer selbst in Geldverlegenheit, sie mußte es schon sehr schlau anfangen, wenn sie sein Herz erweichen und seine Börse öffnen wollte.

Da kam ihr, während sie anscheinend immer noch in stummer Bewunderung das Neugeborene betrachtete, ein rettender Gedanke. "Kuno ist ja dumm," dachte sie sich, "und heute in seiner übergroßen Vaterfreude noch leichter zu täuschen als sonst. Versuchen will ich es auf alle Fälle."

Und mitten in das Gerede der anderen Tanten hinein erklangen plötzlich von der Wiege her mit geheimnisvoller, prophetischer Stimme die Worte: "Ein Heil ist unserem Hause widerfahren, dies Kind wird ein langes Leben und eine große, glänzende Zukunft haben; seltene Ehren und seltene Auszeichnungen stehen ihm bevor."

Und da Tante Cäcilie bei dem ersten Mal mit ihrer Prophezeiung nicht gleich den Effekt erzielte, den sie erwartet hatte, sprach sie diese Worte, gleichsam wie von einer höheren Macht hierzu angetrieben, beständig vor sich hin, erst leise, dann lauter und immer lauter.

Endlich vernahm Graf Kuno sie, schnell befreite er sich aus dem Kreis der Damen und eilte auf die Wiege zu. Krampfhaft faßte er mit seiner Rechten die Schulter der Knienden und schweratmend und in tiefster Erregung fragte er: "Cäcilie, ist es wahr, was Du da sprichst?"

Sie hob die Lider und sah den Grafen mit den unschuldigsten und ehrlichsten Augen von der Welt an. "Es ist wahr!" sagte sie mit einer Stimme, die auch den leisesten Zweifel an ihren Worten in ihm verjagte.

Er faltete in namenloser Freude die Hände. "Gott lohne Dir die Worte," sagte er, "ich kann es nicht."

"Du kannst es nicht nur, Du mußt es sogar." dachte sie, "aber noch ist der Augenblick nicht gekommen, wir sprechen schon noch über den Punkt." Dann sagte sie, als hätte sie seine Worte gar nicht gehört, noch einmal vor sich hin: "Dies Kind wird ein langes Leben und eine große, glänzende Zukunft haben, seltene Ehren und seltene Auszeichnungen stehen ihm bevor."

"Und woran siehst Du das?" fragte er mit bebender Stimme.

"An den Linien der kleinen Hand und hier an den Adern, die so deutlich zutage treten."

Sie hatte sich vor vielen Jahren einmal die Karten legen und sich aus ihrer Hand die Z

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