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Griechische Einladung in die Politik Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte

  • Erscheinungsdatum: 22.01.2015
  • Verlag: Größenwahn Verlag
eBook (ePUB)
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Griechische Einladung in die Politik

In Griechenland ist die Politik in aller Munde. Jeder, der einmal im Kafeníon seinen Frappé getrunken hat, kennt dieses Phänomen von den Nachbartischen. Es wird temperamentvoll diskutiert, mit Händen und Füßen gestikuliert und jedes Handeln von Regierung sowie Abgeordneten lautstark kommentiert. Nicht selten werden markante Figuren der griechischen Geschichte in Erinnerung gebracht und mit den heutigen Politikern verglichen. Streitereien unter den versammelten Gästen sind vorprogrammiert: Ideologien, die wirtschaftliche Situation, nationale Angelegenheiten und mediterranes Klima sorgen dafür, dass es heiß und hoch hergeht. Der Wirt stellt Ouzo, Wasser und Mesédes auf den Tisch, und unsere Autoren reichen Geschichten, Erzählungen und Gedichte dazu. Von Alexander dem Großen, dem Beginn der Demokratie in Athen über Melina Mercouris Idee der Kulturhauptstädte Europas bis hin zur Finanzkrise - die Themen sind vielfältig, genau wie die köstlichen Gerichte, die dazwischen serviert werden. In diesem Sinne: Jámas und kali órexi. Autoren: Werner Weimar-Mazur, Antonia Pauly, Ute Altanis-Protzer, Fotini Tsalikoglou, Paul Gourgai, Petra Ewering, Andrea Dimitriadis, Thomas Pregel, Niki Eideneier, Judith Schiebel, Th. Chrysanthopoulos , Günter Lauke, Edit Engelmann, Annerose Scheidig, Heinz Zander, Melina Mercouri, L. Chrysanthopoulos, Vougar Aslanov, Elena Chouzouri, Wolfgang Schulze, Maria Galitsas, Steffen Marciniak, Andreas Deffner, William Mallinson, Kristina Edel, Martin Knapp, Marion Schneider, Sevastos P. Sampsounis

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 22.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957710260
    Verlag: Größenwahn Verlag
    Größe: 3088 kBytes
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Griechische Einladung in die Politik

DIE KYNIKER

Antonia Pauly

Komm, setz dich!" Der alte Vassilis deutet auf die Holzbank, die fast die ganze Länge der einen Wand in seiner Küche einnimmt. "Möchtest du ein Glas Wein?"

"Ja, gerne", stimmt Eleni zu. "Und ein Glas Wasser, bitte. Es ist schon ganz schön warm für Mai."

Vassilis stellt ein größeres Glas und eine Plastikflasche Wasser vor sie hin und ergreift dann zwei kleinere Gläser, die er aus einem Weinfass, das in einer Ecke des Raumes steht und nie zu versiegen scheint, füllt.

Eleni nimmt am oberen Ende der Bank Platz, der Sitzgelegenheit, die, seit sie bei dem alten Schreiner zur Miete wohnt, zu einer Art Stammplatz für sie geworden ist. Vassilis setzt sich wie üblich auf einen einfachen Stuhl mit geflochtener Sitzfläche am Kopfende des Tisches. Er stellt die gefüllten Weingläser ab, steht dann aber gleich noch einmal auf und verteilt Oliven, Sardellen und ein Stück Feta auf kleine Tellerchen.

Eleni Mylona lehnt sich zurück und krault mit der linken Hand den struppigen, grauen Nacken von Vassilis' Hund, der, wann immer sie auftaucht, sogleich ihre Nähe sucht.

"Wie alt ist Herakles eigentlich?", fragt sie ihren Vermieter.

"Wenn seine natürliche Fellfarbe nicht sowieso grau wäre, dann würde er mittlerweile sicherlich ergrauen." Vassilis lächelt milde. "Er ist jetzt fast zehn Jahre bei mir und war etwa ein halbes Jahr alt, als er hier auftauchte."

"Das ist für einen so großen Hund schon ein stolzes Alter, oder?" Der dicke Kopf des Tieres schmiegt sich an Elenis Bein.

"Kann man wohl sagen", bestätigt Vassilis und wirft Herakles einen zärtlichen Blick aus seinen klaren, blauen Augen zu. Sie wirken in dem ganzjährig gebräunten und wettergegerbten Gesicht des Alten auffällig hell. Auch sein schlohweißes Haar mit den lang getragenen Koteletten bildet einen aparten Kontrast zu seiner dunklen Hautfarbe.

Das Verhältnis, das der alte Mann zu seinem Hund hat, war Eleni von Anfang an aufgefallen und hat ihn ihr noch sympathischer gemacht. Tierliebe wird in Griechenland nicht gerade großgeschrieben und Menschen, die einen Hund nicht nur an der Kette halten und mit dürftigen Essensresten versorgen, bilden die Ausnahme. Eleni, die zwischen Griechenland und Deutschland aufgewachsen ist, hat sich mit der Art der griechischen Tierhaltung schon immer schwer getan und ist froh, in Vassilis eine der seltenen Ausnahmen von der Regel zu sehen.

"Als ich gestern mit Alekos telefoniert habe, hat er mir etwas Schreckliches über Hunde in amerikanischen Tierheimen erzählt, was ihm zu Ohren gekommen ist", berichtet Eleni.

"Ja, richtig, dein Sohn ist ja zurzeit in New York! Wie geht es ihm?", erkundigt sich der Alte.

"Gut geht es ihm. Er macht wohl in jeder Hinsicht recht intensive Erfahrungen." Eleni krault Herakles' dichtes Nackenfell, wobei dieser genießerisch die Augen schließt. "Was ich sagen wollte: Alekos hat gehört, dass in den Staaten alle Hunde - unabhängig von Alter, Rasse und Gesundheitszustand - nach exakt einer Woche Aufenthalt in einem Tierheim eingeschläfert werden."

Vassilis lässt ein missbilligendes "Ts" vernehmen, während er die Teller mit den Appetithäppchen am oberen Ende des Tisches platziert, noch ein paar Scheiben dunkles Brot dazulegt und seine hagere, sehnige Gestalt dann auf den Stuhl sinken lässt.

Die Gespräche bei einem Glas Wein sind den beiden schon lange zu einem Ritual geworden. Kommissarin Eleni Mylona ist nach wie vor überglücklich, dass sie damals, als sie vor knapp zweieinhalb Jahren die Stelle auf Zakynthos angenommen hatte, ausgerechnet die Wohnung im Dachgeschoss des Schreinerhauses fand, welche der alte Mann ursprünglich für seine Tochter hergerichtet hatte, die jedoch

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