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Häuser aus Sand Roman von Alyan, Hala (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Häuser aus Sand

Vor Jahren schon musste Salma ihre geliebte Heimat Jaffa verlassen. In Nablus hat sie mit ihrem Mann und ihren Kindern einen neuen Platz gefunden. Doch das Haus bleibt ihr stets fremd. Allein den Garten kann sie zu ihrem eigenen Reich machen, und unter ihren Händen wird er zu einem farbenfrohen Paradies. Ihre Tochter Alia dagegen fühlt sich mit dem Haus und Nablus so verbunden, wie Salma es mit Jaffa war. Doch der Kaffeesatz sagt auch Alia ein unruhiges und schwieriges Leben voraus. Salma verschweigt diesen Teil der Vorahnung und muss erleben, wie ihr Sohn ihr im Sechstagekrieg genommen wird und ihre Tochter nach Kuwait flieht. Alia hasst ihr neues, beengtes Leben und durchlebt, so wie ihre Mutter, nicht nur dieselbe Sehnsucht nach der Heimat, sondern auch den Widerstand ihrer Kinder gegen ihr Festhalten an den alten Regeln. Zwanzig Jahre später verlieren Alia und ihre Familie erneut ihr Zuhause und retten sich in alle Himmelsrichtungen: nach Boston, Paris, Beirut. Wieder einmal wird ihre Geschichte von anderen bestimmt und geschrieben. Erst als Alias Kinder in der Fremde auf einen Ort hoffen, der ihnen für immer bleibt, begreifen sie, dass die Überzeugungen ihrer Mutter deren einziger Halt in einer sich ständig ändernden Welt sind.

Hala Alyan ist eine palästinensisch-amerikanische Autorin und Lyrikerin. Zudem arbeitet sie als Psychologin. Häuser aus Sand

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832189938
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Salt Houses
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Häuser aus Sand

Mustafa

Nablus
Oktober 1965

"Brüder, wir sind an einem Scheideweg angelangt", murmelt Mustafa vor sich hin. "So können wir nicht weitermachen."

Er bleibt neben einem Fleckchen Gras am Straßenrand stehen und blinzelt in den Himmel. Es ist kühl an diesem Spätnachmittag, die Sonne versinkt hinter den Bergen. Jeden Morgen und jeden Abend legt er den Weg durch das Tal zwischen seinem Haus und der Schule zurück, lieber zu Fuß als mit dem Auto. Beim Gehen wird der Kopf wieder klar. Sein Job ist einfach; er erteilt Jugendlichen in einer nahe gelegenen Schule Unterricht in Arithmetik, und obwohl er es gern tut - die Eleganz der Mathematik, seine Befriedigung, wenn die Schüler die Gleichungen lösen -, ist es hin und wieder doch langweilig, reine Routine. Beim Gehen hat er Zeit, mit den Sandalen auf den Boden zu stampfen.

Vor ihm erhebt sich ein weiterer Hügel mit kleinen Häusern und Gemüsegärten. Dahinter sieht man schlichtere Hütten, deren Fensterscheiben zerbrochen sind und deren Heizung aus Töpfen mit kochendem Wasser besteht. In einer dieser Hütten wohnt Aya. Während Mustafa daran vorbeigeht, haftet sein Blick auf den Gipfeln, die in den blauen Himmel ragen.

"So können wir nicht weitermachen", sagt er noch einmal. Auf der Baustelle links von ihm herrscht reges Treiben. Die Arbeiter rauchen, während sie schuften. Im Vorbeigehen öffnet Mustafa die beiden obersten Knöpfe.

"Wir verlieren einen Kampf, Brüder." Zu sanft. "Wir verlieren einen Kampf , Brüder!" Er versucht es mit einer weit ausholenden Handbewegung, ist mit der Wirkung zufrieden und wiederholt das Ganze mit beiden Händen.

"Hast du jetzt endgültig den Verstand verloren?" Als Mustafa aufblickt, sieht er Omar, einen von der schabab aus der Moschee, auf sich zukommen. Der Kragen an Omars grüner Bauarbeiterkluft ist schweißdurchtränkt.

"Ist es schon so weit mit dir gekommen, Bruder?", sagt Omar grinsend. "Streunst durch die Straßen und führst Selbstgespräche!"

Mustafa hebt abwehrend die Hände und erwidert Omars Grinsen. "Wir sind nun mal eine faule Generation." Der schon etwas abgehangene, unter den Männern in der Moschee kursierende Scherz bezieht sich auf die israelischen Flugblätter, in denen die arabischen Männer als feig und arbeitsscheu bezeichnet werden. "Wie kommen die Bauarbeiten voran?"

"Wir müssen ständig unterbrechen. Die Dreckskerle knausern mit den Genehmigungen." Omar spuckt aus, ein bräunlicher Schwall. "Und wenn es doch mal klappt, schikanieren sie uns mit der Flächennutzung. Wenn uns die eine Seite in Ruhe lässt, kriegen wir es von der anderen."

Omar zieht eine Packung Zigaretten hervor und gibt Mustafa eine. Das Gesicht zum Tal gewendet rauchen sie eine Zeit lang schweigend, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Plötzlich durchschneidet ein Pfiff die Luft. Als sie sich umdrehen, sehen sie, dass der Vorarbeiter Omar zuwinkt.

"Beweg dich, Schätzchen!", ruft der Mann boshaft. "Du wirst nicht fürs Plaudern mit deinem Freund bezahlt!"

Omar lässt die Zigarette fallen und murmelt: "Scheißkerl." Dann nickt er Mustafa zu und macht sich auf den Weg. "Heute Abend bei dir, ja?"

Jetzt fällt es Mustafa wieder ein. Die Männer sollen heute nach der Moschee zum Kaffeetrinken und Schischa-Rauchen zu ihm kommen. Eigentlich müssten sie sich abwechseln, aber alle anderen haben Frau und Kinder.

"Ja", bestätigt Mustafa, und Omar geht zur Baustelle zurück.

Dass Mustafa heute Abend reden soll, ist Imam Bakris Idee. Er werde es schaffen, hat ihm der Imam versichert. Jedes Wort von ihm sei Gold, pures gesponnenes Gold .

"Wir erwarten Gäste aus Jerusalem", hatte Imam Bakri ihm mitgeteilt. "Ich möchte, dass sie unsere wunderbare Bruderschaft kennenlernen. Und du sollst eine Rede halten."

Als Mustafa nachfragte, meinte der Imam lächelnd: "Dir wird schon etwas einfallen. Du wirst ih

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