text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Hannelore Bahl oder der Eselsfurz von Hornbogen-Merkl, Angela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2013
  • Verlag: Der Kleine Buch Verlag
eBook (ePUB)

8,49 €

4,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Hannelore Bahl

'... wenn man lange genug zwischen diesen Gipfeln herumläuft, fällt alles Negative von einem ab. Man muss nur fest stehen und die Nase mutig in den Wind halten.' Bevor Hannelore Bahl ihrer Bergbekanntschaft Marga zustimmen kann, muss sie weit gehen. Ihr Weg führt sie ganz nach unten, und, nach dem Tod der Mutter, zu Fuß über die Alpen. Es ist keine Kleinigkeit, 140 kg Körpergewicht über Geröllhalden und schmale Pfade zu manövrieren. Besonders, wenn man gerade frisch genesen und so unsportlich wie Hannelore ist Im Gepäck trägt sie zusätzliche Lasten: ihre nicht alltägliche Kindheit, die Erinnerung an eine aussichtslose Liebe und ihr Gewissen, das sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Doch was Strafe und Sühne sein soll, wird zu einer überraschenden Wendung ihres Schicksals.

Angela Hornbogen-Merkl, am 2.6.1956 in Bretten/Baden geboren, hat sich schon als ABC-Schützin mit dem Schreibvirus und extremer Fabulierlust infiziert. Die gelernte Goldschmiedin, Zahntechnikerin und Therapeutin schreibt seit 2000 hauptberuflich als Mensch über Menschen. 2010 erhielt sie eine Ehrenurkunde bei einem Literaturbewerb des Landes Baden-Württemberg. 'Hannelore Bahl oder der Eselsfurz' ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 27.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942637367
    Verlag: Der Kleine Buch Verlag
    Größe: 642 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Hannelore Bahl

Frühjahr 1963

Sobald Hannelore sich unbeobachtet fühlte, hüpfte sie vor Freude. Sie hatte die zweite Klasse mit fast lauter Einsen abgeschlossen. Die Drei in Sport und die Zwei in Religion hatte der Lehrer lächelnd als "kleine Schönheitsfehler" bezeichnet. Sie war vor der ganzen Klasse gelobt worden.

Die gehässigen Bemerkungen der Schulkameraden störten ihr Glück wenig, denn für schlechte Noten hätte es auch keine freundlichere Reaktion gegeben. Seit David sie ab und zu begleitete, wurde sie in Ruhe gelassen. Sogar die größeren Jungen und Mädchen hatten Respekt vor ihm.

"Warum haben die Kinder Angst vor dir?", hatte Hannelore ihn gefragt.

"Die können weder denken noch kämpfen", hatte er lachend geantwortet.

Hannelore verstand nicht genau, was er damit meinte, verzichtete aber auf weitere Fragen. David sollte sie nicht für dumm halten. Aus den Augenwinkeln schaute sie sein Haar an. Es war dick, glänzend und hatte die gleiche Farbe wie das Holz des Wohnzimmerschranks.

David erzählte ihr, was er gelernt oder erlebt hatte. Seine Stimme und seine Gesten hatten eine hypnotisierende Wirkung auf Hannelore. Ab und zu stellte er ihr eine Frage. Oft dachte sie sehr lange nach, um nichts Verkehrtes zu sagen. David nickte, wenn ihre Antwort richtig war.

Die Haare, die ihm dabei ins Gesicht fielen, schüttelte er in einer fließenden Bewegung wieder nach hinten. Für dieses Nicken lernte sie. Sobald Hannelore ihre Pflichten im Haushalt erledigt hatte, saß sie mit einem ihrer Schulbücher im Garten oder am Küchentisch.

"Hat sie keine Arbeit, dass sie dauernd mit ihren Büchern herumsitzen muss?", hatte der Vater die Mutter gefragt.

Danach las sie an Sonntagen, Feiertagen, und immer wenn der Vater daheim war, nur noch in irgendwelchen Verstecken. Sie freute sich auf die Schultage. Vater kam dann erst zum Abendessen heim. Sobald am Nachmittag die aufgetragenen Arbeiten erledigt waren, durfte sie lernen. Die Mutter hatte sich anfangs nach den Schularbeiten erkundigt und ihr manchmal sogar dabei geholfen. Von dieser Hilfe mehr behindert als unterstützt, hatte Hannelore mit ihr am Küchentisch gesessen und ihre Aufgaben gemacht.

Obwohl die Mutter streng und wortkarg war, mochte Hannelore ihre Nähe. Sie genoss die Wärme des großen Körpers, niemand sonst kam ihr jemals so nahe.

Eine Klassenkameradin hatte einen kleinen Bruder bekommen und erzählte, dass Frauen von Zeit zu Zeit aus ihrem Bauch Kinder herauskommen lassen könnten.

Hannelore grübelte lange darüber nach, wie das gehen sollte. Dann, nach vielen Tagen, in denen sie für diese dringende Frage keine Antwort gefunden hatte, fasste sie sich ein Herz und fragte die Mutter.

"Kommt aus deinem Bauch auch mal ein kleiner Bruder heraus?"

Hannelore war von der Ohrfeige so überrascht, dass sie das übliche Ducken vergaß. Am Tag darauf waren die vier Striemen auf der dicken Wange kaum verblasst. Noch Monate später ermahnte sie das helle Pfeifen im linken Ohr, ihre Fragen für sich zu behalten.

"Na, habt ihr Zensuren gekriegt?", fragte die Mutter, als Hannelore in die Küche kam.

Voller Stolz hielt sie ihr das Zeugnisheft entgegen, die richtige Seite war schon aufgeschlagen. Doch Mutters Mundwinkel sanken nach unten. Der von roten Rüben verfärbte Finger schoss nach vorne, als ob er den Sport-Dreier durchbohren wollte.

"In Turnen eine Drei? In Religion eine Zwei? Na, da wird dein Vater sich nicht drüber freuen."

Hannelore bangte dem Abend entgegen. Die Mutter hatte das Zeugnisheft aufgeschlagen auf den Wohnzimmertisch gelegt. Anklagend starrten die Einser zur Zimmerlampe empor. Vorbei an der blamablen Zwei und der grauenvollen Drei.

Der Vater setzte sich seufzend an den Tisch. Er hatte noch das Jackett an. Mit gerunzelter Stirn besah er sich das Zeugnis und sagte lange Zeit nichts. Hannelore knetete nervös ihre Finger. Schwitzend wartete sie darauf,

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen