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Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt Roman von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2011
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt

Mit kühner Fantastik und Fabulierkunst verbindet Japans größter zeitgenössischer Romancier in seinem frühen und seit langem im Deutschen vergriffenen Roman zwei Welten, von denen die eine Hard-boiled Wonderland und die andere Das Ende der Welt heißt: 'Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt' erzählt im Wechsel der Kapitel und der Zeiten von zwei parallelen und wundersamen Reisen. In einem futuristisch brutalen Tokyo der fernen Gegenwart, tobt ein Datenkrieg zwischen dem 'System' der Kalkulatoren und einer Datenmafia, der 'Fabrik' der Semioten. Ein genialer und greiser Professor hat durch ein sicheres Codierverfahren im Unterbewusstsein allen Datendiebstahl unmöglich gemacht. Der Held und Ich-Erzähler in 'Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt' überlebt die Bearbeitung seines Gehirns, aber nach einem Überfall auf das unterirdische Geheimlabor des Professors ist der implantierte 'Psychokern' wie eine Bombe im Hirn nicht mehr beherrschbar. 'Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt' ist ein faszinierendes Leseabenteuer, rasant konstruiert zwischen den beiden Welten - einer realen an der Schwelle des Todes und einer anderen, zeitlos und zugleich seelenlos. Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 506
    Erscheinungsdatum: 27.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832186043
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Sekai No Owari To Hadoboirudo Wandarando
    Größe: 2580 kBytes
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Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt

1 HARD-BOILED WONDERLAND

DER AUFZUG, GERÄUSCHLOSIGKEIT, LEIBESFÜLLE

Der Aufzug fuhr ungemein träge aufwärts. Jedenfalls vermutete ich, dass er sich aufwärts bewegte, genau wusste ich es nicht. Er fuhr so langsam, dass ich mein Richtungsgefühl verlor. Möglicherweise war es auch abwärts gegangen, oder er hatte sich überhaupt nicht bewegt. Den Zustand des Davor und des Danach im Kopf, entschied ich, dass es aufwärts gegangen sein musste. Das war alles. Eine bloße Vermutung, die jeder Grundlage entbehrte. Möglicherweise war er auch zwölf Stockwerke auf- und drei abwärts gefahren oder hatte einmal die Erde umrundet. Ich wusste es nicht.

Der Aufzug unterschied sich in allen nur denkbaren Punkten von dem in meinem Mietshaus, einem billigen Fahrstuhl von der Schlichtheit eines weiterentwickelten Flaschenzuges. Er unterschied sich so sehr, dass man kaum glauben mochte, dass es sich hier um eine zum selben Zweck gebaute, den gleichen Mechanismus besitzende und denselben Namen tragende maschinelle Vorrichtung handelte. Die beiden Fahrstühle waren so weit voneinander entfernt, wie man sich überhaupt nur vorstellen kann.

Punkt Nr. 1 betraf die Geräumigkeit. Der Aufzug, in dem ich mich befand, hatte etwa die Größe eines gemütlichen Büros. Wenn man einen Schreibtisch hineinstellte, einen Spind, einen Schrank und dazu eine Kochnische installierte, bliebe immer noch Platz. Drei Kamele und eine mittelgroße Palme hätten natürlich auch hineingepasst. Punkt Nr. 2 betraf die Sauberkeit. Der Aufzug war sauber wie ein nagelneuer Sarg. Die Wände und die Decke bestanden aus makellos glänzendem Edelstahl, der Boden war mit einem langflorigen, moosgrünen Teppich ausgelegt. Punkt Nr. 3: Es war erschreckend still. Als ich eingestiegen war, glitt lautlos – im wahrsten Sinne des Wortes: ohne jeden Laut – die Tür zu, und danach war nicht mehr das geringste Geräusch zu hören, sodass ich nicht sagen konnte, ob der Aufzug nun stillstand oder ob er sich bewegte. Tiefe Flüsse rauschen nicht.

Zudem fehlte der größte Teil jener Armaturen, die gemeinhin zur Grundausstattung eines Aufzuges gehören. Zunächst einmal fehlte das Paneel mit den diversen Knöpfen und Schaltern. Es gab weder Knöpfe für die einzelnen Etagen noch für die Schließfunktion der Tür noch eine Notstoppvorrichtung. Überhaupt alles fehlte. Ich kam mir reichlich hilflos vor. Und nicht nur die Schalter: Die Etagenleuchtanzeige fehlte, es fehlten die Hinweise zur Benutzung und zur zugelassenen Personenzahl, sogar das Metallschildchen mit dem Namen des Herstellers war nirgends zu entdecken. Unklar war auch, wo sich der Notausstieg befand. Ein regelrechter Sarg, ohne Zweifel. Eine baupolizeiliche Zulassung könnte dieser Aufzug nie und nimmer bekommen. Ein Aufzug hat die Merkmale eines Aufzugs zu tragen.

Während ich die vier Edelstahlwände taxierte, die so gar keinen Angriffspunkt boten, fielen mir die Bravourstücke Houdinis ein, die ich als Kind in einem Film gesehen hatte. Er ließ sich mehrfach mit Ketten und Stricken fesseln, in einen großen Koffer stecken, um den wiederum schwere Ketten gewickelt wurden, und mitsamt Koffer die Niagarafälle hinabstoßen oder in der Arktis unter Eis begraben. Nachdem ich einmal tief durchgeatmet haue, verglich ich kühl meine Lage mit der Houdinis. Für mich sprach, dass ich nicht gefesselt war, gegen mich, dass ich den Trick nicht kannte.

Nein, genau genommen kannte ich nicht nur nicht den Trick: Ich wusste ja nicht einmal, ob der Aufzug sich bewegte oder ob er stand. Ich räusperte mich. Das Räuspern klang allerdings irgendwie selt

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