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Harriet Wolfs siebtes Buch der Wunder Roman von Baggott, Julianna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Harriet Wolfs siebtes Buch der Wunder

Harriet Wolf, eine gefeierte Bestsellerautorin, veröffentlichte einst sechs Bücher, die die Welt verschlang. Nach ihrem Tod wird gemunkelt, dass ein geheimes siebtes Manuskript existiert, das die in den sechs Romanen erzählte Liebesgeschichte zu einem romantischen Ende bringe. Erzählt von Enkelin Tilton, ihrer ungleichen Schwester Ruth sowie Eleanor, der Mutter der Mädchen, eröffnet sich dem Leser eine außergewöhnliche Familiengeschichte dreier Generationen von Frauen. Das Herz ist die Lebensgeschichte der Großmutter Harriet, die in den Romanen ihre eigene große tragische Liebe verarbeitete. Wird Tilton das Manuskript des verschollenen letzten Romans aufzuspüren und damit das Geheimnis um ihren unbekannten Großvater lösen?

Julianna Baggot ist Autorin verschiedener Romane, viele davon "New York Times"-Bestseller. Ihre Essays wurden unter anderem in der "New York Times", der "Washington Post" und dem "Boston Globe" veröffentlicht. Sie unterrichtet an der Filmhochschule in Florida.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641180966
    Verlag: btb
    Serie: btb .71672
    Originaltitel: Harriet Wolf's Seventh Book of Wonders
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Harriet Wolfs siebtes Buch der Wunder

3

Und das Haus versucht, die Mutter zu verschlingen

Tilton

Meine Mutter steckte in dem unteren Erkerfenster fest, in dem ganz viel heiße, helle Sommersonne war. Das Haus hat versucht, meine Mutter aufzuessen. Man muss dem Haus zugutehalten, dass sich meine Mutter in seinen Mund hineingezwängt hat. Das Haus trifft keine Schuld.

Falls mich jemand danach fragt, werde ich genau das sagen, denn Ruthie wird es wissen wollen. Sie mag unsere Mutter nicht. Wenn sie über sie redet, klingt es, als würde sie über eine andere Mutter sprechen. Ruthie wird wissen, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, und anrufen. Sie sollte eigentlich bei mir sein, so wie sie es versprochen hat. Wir haben einen Pakt, der jetzt gebrochen ist. Es wäre grausam, sie daran zu erinnern. Meine Mutter sagt, in meinen genetischen Code ist Grausamkeit nicht eingeschrieben. Als Ruthie wusste, dass sie ihren Pakt, mich niemals zu verlassen, brechen würde, haben wir einen neuen geschlossen. Wir sind auf den Dachboden gegangen, haben unsere Hände erneut aneinandergelegt und, so wie Wee-ette es mir gezeigt hat, mit einem Faden umwickelt, bis unsere Hände ganz rot und angeschwollen waren. Das war kein Kokon - oh nein. Das war ein Bund. Ruthie hat versprochen, dass sie zurückkommt und mich rettet. Ich habe den Faden losgemacht, ein kleines Klebeschildchen angebracht, und darauf habe ich geschrieben: "R. T. und T. T. 1986. Rückkehr & Rettung."

Es ist Zeit für die Rückkehr! Das würde ich Ruthie wirklich gerne sagen. Doch muss ich überhaupt gerettet werden? Oder sie?

Mrs Gottleib hat gesagt, dass meine Mutter einen Herzanfall hatte, als sie im Mund des Hauses feststeckte. Andere würden sicher sagen, dass die Vordertür der Mund ist, aber für mich ist das ein Grübchen, und die Erkerfenster sind das breite Grinsen. Die Fenster im ersten Stock sind die Augen, die über alles wachen.

Hat ihr Herz sie angefallen? Oder sie ihr Herz?

Mrs Gottleib hat gesagt, dass sie für solche albernen Fragen keine Zeit hat.

Ich weiß, dass das Haus keine Münder hat. Und doch bin ich in seinem Kopf. Ich bin ein Gedanke.

Ich weiß nicht viel über menschliche Herzen, wohl aber über Vogelherzen. Zum Beispiel über die Herzschlagfrequenz: beim Haushuhn 245, der Krähe 345, dem Hausspatz 460, dem Rubinkehlkolibri 615 Schläge pro Minute!

Große, schwere, flügellose Menschen? Nur sechzig bis achtzig Schläge pro Minute. Ich habe neulich erst etwas über das menschliche Herz gelesen, in unserem Lexikon, dessen Bände drei Regalbretter füllen.

Heute fühle ich mich wie ein Hausspatz: 460 Schläge pro Minute.

Ich habe mich verletzt. Schwer verletzt. Ich habe versucht, das Fenster zu öffnen, damit das Haus meine Mutter entweder ausspucken oder ganz verschlingen konnte - egal was, ehrlich, denn ich war ja im Kopf des Hauses - und habe mir den Daumen aufgerissen. Da war Blut.

Wee-ette war auch dabei, weil sie immer bei uns ist, auch wenn sie tot ist. Wee-ette ist die Mutter meiner Mutter. Sie ist gestorben, da war ich zehn, doch ich liebe sie noch immer. Wee-ette! Das flüstere ich manches Mal. Wee-ette! Wie der Ruf eines Gleitaars oder eines Rotkardinals am frühen Morgen. Als ich noch klein war, habe ich versucht, ihren Namen auszusprechen, Harriet, denn so hat meine Mutter ihre Mutter genannt. Aber aus meinem Kindermund ist nur Wee-ette gekommen. Sie hatte ein Pult und eine eifrig klappernde Schreibmaschine. Bei ihr durfte ich sogar mit Schere und Kleber spielen. Wee-ette und ich, wir haben Geheimnisse. Wir sind verbunden. Wir haben ein ähnliches Innenleben - das hat sie oft zu mir gesagt. Nur, dass Wee-ettes Innenleben jetzt wüsste, was zu tun ist. Doch obwohl sie bei mir ist, spricht sie nicht.

Ich hatte darauf gewartet, dass meine Mutter nach Hause kommt. Wenn sie weggeht, verschließe ich alle Türen und Fenster. Die hintere Veranda ist immer verschlossen, das ist unser Lager, e

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