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Haschisch Erzählungen von Schmitz, Oscar A. H. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2014
  • Verlag: Null Papier Verlag
eBook (ePUB)
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Haschisch

Oscar Adolf Hermann Schmitz war ein erfolgreicher, aber auch umstrittener deutscher Schriftsteller und Gesellschaftskritiker des frühen 20. Jahrhunderts. Als Mitglied der 'Münchner Bohème' brach er so manches Tabu des wilhelminischen Standesdünkel auf und entlarvte nur zu gerne die Bigotterie der damaligen Zeit. Neben seinen kritischen Schriften veröffentlichte er ebenso zahlreiche Reise- und Ratgeberbücher. Zu den populärsten Werken ist die Geschichtensammlung 'Haschisch' zu zählen. In dessen gleichnamiger Titelgeschichte berichtet er - offensichtlich im Drogenrausch - aus verschiedenen Perspektiven von verrückten Liebensabenteuern, ketzerischen Priestern und anderen bizarren Situationen, die sich nur zu leicht der Realität entziehen. Was ist echt, was nicht? Was passiert wirklich? Dabei wanderte Schmitz auf den im Deutschen noch wenig beschrittenen Pfaden der phantastischen Literatur. In 'Haschisch' spielt er mit damals unerhörten und ungehörten Themen wie Erotik, Sadismus, Religion, Tod und Drogen. Obwohl Thomas Mann ihn für einen 'hervorragenden gescheiten Schriftsteller' hielt, ist er heute in Vergessenheit geraten. Bringen wir ihn wieder zurück in den Lichtkegel der Literaturwahrnehmung. 1. Auflage (Überarbeitete Fassung) Null Papier Verlag Oscar Adolf Hermann Schmitz war ein erfolgreicher, aber auch umstrittener deutscher Schriftsteller und Gesellschaftskritiker des frühen 20. Jahrhunderts. Als Mitglied der 'Münchner Bohème' brach er so manches Tabu des wilhelminischen Standesdünkel auf und entlarvte nur zu gerne die Bigotterie der damaligen Zeit. Neben seinen kritischen Schriften veröffentlichte er ebenso zahlreiche Reise- und Ratgeberbücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 111
    Erscheinungsdatum: 23.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954184811
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 1279 kBytes
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Haschisch

Der Haschischklub

A n einem Abend des Winters 189 befand ich mich in einem wenig besuchten Pariser Speisehaus. Während ich, ohne meiner Umgebung zu achten, ausschließlich mit der Mahlzeit beschäftigt war, hörte ich neben mir eine halblaute Stimme, die sich an den Kellner wendete. Die trotz des fremdländischen Akzents gewandte Ausdrucksweise, welche Vertrautheit mit den Boulevards verriet, fesselte meine Aufmerksamkeit, und ich erkannte in dem schlanken, diskret blonden, schon etwas alternden Dandy den Grafen Vittorio Alta-Carrara. Ich beobachtete, während er, ohne mich zu sehen, sein Menü zusammenstellte, daß sich die vertikale Tendenz seiner Linien seit unserem letzten Zusammentreffen noch verstärkt hatte und eine unübertreffliche Kunst des Anzugs dieser Veranlagung durchaus gerecht wurde. Die schmalen langen Beine ließ er in die schlanksten Stiefel auslaufen, während die fast entfleischten Finger in spitzbogigen Nägeln endigten. Seine dünnen Lippen, die keine Sinnlichkeit merken ließen, hatten neben dem ennui eine gewisse Bitterkeit angenommen, die seine kühle Persönlichkeit fast menschlicher und etwas nahbarer erscheinen ließ.

"Ah, Sie sind in Paris", sagte der Graf und zeigte sich nur aus Liebenswürdigkeit erstaunt, obgleich zwischen unserem letzten Zusammentreffen und diesem Abend in Paris mehrere Jahre und Länder lagen.

Wir hatten uns einmal in einem römischen Salon kennengelernt, wo wir eines Abends nach dem Brauch des Landes, jeder mit einer Teetasse in der Hand, zwischen seltenen Statuen eine Stunde lang nebeneinander standen. Später erfuhr ich, daß er einen kalabrischen Vater hatte, der ihn in einer geheimnisvollen Schwärmerei für die großen, blondhaarigen Frauen des Nordens mit einer ziemlich untergeordneten Norwegerin gezeugt hatte, die immerhin blond und schlank genug war, um dem phantastischen Südländer den Duft der Freiaäpfel wenigstens von weitem wittern zu lassen.

Ein anderes Mal sah ich den Grafen in einem abgelegenen niederländischen Museum, wo er nach den Fragmenten eines unbekannten Kupferstechers, Allaert van Assen, suchte. Dieser Meister - so versicherte er - hatte in Höllenszenen sehr sinnreiche Foltern dargestellt, die beweisen sollten, daß der Schmerz eine gesteigerte Lust sei, daß nur törichte Menschen nicht nach den Genüssen einer ewigen Verdammnis lechzen könnten. Die Inquisition hat diesen Satanisten, der sich nach Spanien verirrte, mit Schneeumschlägen auf Herz und Hirn, wohlweislich und langsam verbrannt und seine Werke vernichtet oder entstellt. Zum letzten Male hatte ich den Grafen im Handschriftenkabinet einer kleinen deutschen Stadt gesehen, wo er einen arabischen Kodex auszog, der, wie er schwur, die ganze erotische Literatur der Europäer überflüssig machte.

Heute abend war Alta-Carrara wenig mitteilsam. Seine Aufmerksamkeit schien von den Speisen gefesselt zu sein, die ihn, nach seiner besonderen Anweisung zubereitet, durchaus zu befriedigen schienen. Plötzlich unterbrach er sich bei einer Kastaniensuppe, als ob sie in ihm eine Erinnerung wachrufe: "Haben Sie nicht einmal einen Vers gemacht - so etwas wie...

... und eine Lust, gepflückt in tausend Lenzen,
der sich die Seele wie aus früherem Sein
entsinnt, verklärt mit gelbem Morgenschein
die Tiefen, die das Leben schwarz umgrenzen...?

Sehen Sie, diese Lust aus tausend Lenzen, dieses Haschischparadies darstellen, das wäre große Kunst, aber wir alle reden nur davon, wir schaffen es nicht. Die neue Kunst müßte den Haschisch, das Opium entthronen!"

Ich war überrascht. Niemals hatte ich diesen blassen Menschen so eindringlich mit dem Ton unverkennbarer Aufrichtigkeit reden hören. Und das geschah wegen einer Strophe, die ihn unbefriedigt ließ. Ich war bisher geneigt gewesen, ihn nur für einen gebildeten ästhetischen Dandy zu halten. Nun aber kam es mir fast vor, von ihm einen Schrei nach der Unendlichkeit zu hören aus jenem seltsam

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