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Haus der Geister Roman von Boyne, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.10.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Haus der Geister

England 1867. Die junge Eliza Caine fährt in die englische Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace freudig begrüßt. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass außer den beiden Kindern niemand in dem alten viktorianischen Anwesen lebt - bis sie erkennen muss, dass sie dennoch nicht alleine sind. Etwas verfolgt sie und trachtet ihnen nach dem Leben. Eliza muss längst begrabene, tödliche Geheimnisse enträtseln, wenn sie nicht selbst den düsteren Mauern von Gaudlin Hall zum Opfer fallen will.

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama", der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als "ein kleines Wunder" (The Guardian) gefeiert wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 06.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492967792
    Verlag: Piper
    Größe: 994kBytes
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Haus der Geister

Zweites

Kapitel

Vater war immer ein leidenschaftlicher Leser gewesen. In seinem Arbeitszimmer im Erdgeschoss, in das er sich zurückzog, wenn er mit seinen Gedanken und Erinnerungen allein sein wollte, stand eine reich bestückte Bibliothek. Eine Wand beherbergte mehrere Reihen mit Bänden, die seinem Studienfach, der Insektenkunde, gewidmet waren, ein Gebiet, das ihn seit der Kindheit faszinierte. Als Junge, so hatte er mir erzählt, bewahrte er zum Entsetzen seiner Eltern in einem gläsernen Kasten in einer Ecke seines Zimmers Dutzende von lebenden Insekten auf. In der gegenüberliegenden Ecke stand ein zweiter Behälter, in dem er ihre Körper post mortem präsentierte. DasÜberwechseln der Insekten von einer Seite des Zimmers zur anderen bereitete ihm große Freude, auch wenn er es selbstverständlich nicht darauf anlegte, dass sie starben. Noch lieber studierte er sie lebend, und er führte gewissenhaft Buch über ihre Entwicklung, Geschlechtsreife und ihr Ableben. Natürlich protestierten die Dienstmädchen, wenn sie sein Zimmer putzen sollten – eine reichte sogar empört ihre Kündigung ein –, und seine Mutter weigerte sich standhaft, das Zimmer zu betreten. (Damals hatte seine Familie noch Geld und konnte sich Bedienstete leisten. Ein älterer Bruder, der nun schon viele Jahre tot ist, brachte das Erbe später durch, weshalb Vater und ich auf derartigen Luxus verzichten mussten.)

Neben Büchern, die vom Lebenszyklus von Termitenköniginnen, dem Darmtrakt von Bockkäfern und den Balzritualen der Fächerflügler handelten, standen mehrere Ordner, in denen er seine Korrespondenz mit Mr William Kirby aufbewahrte. Mr Kirby war sein Mentor und hatte ihm 1832, als Vater gerade volljährig geworden war, seine erste bezahlte Stellung besorgt, als Assistent des neuen Museums in Norwich. Später hatte Mr Kirby Vater dann mit nach London genommen, damit er ihm bei der Gründung der Insektenkundlichen Gesellschaft half, und dieser Weg hatte ihn geradewegs zu seiner jetzigen Beschäftigung als Kurator der Insektenkundlichen Abteilung des Britischen Museums geführt, eine Arbeit, die er sehr liebte. Ich teilte seine Leidenschaft nicht. Insekten stießen mich ab.

Mr Kirby war vor sechzehn Jahren gestorben, aber Vater las seine Briefe und Notizen immer noch mit großer Begeisterung. Auf diese Weise rief er sich die einzelnen Anschaffungen ins Gedächtnis, aus denen die beeindruckenden Sammlungen erst der Insektenkundlichen Gesellschaft und später des Museums entstanden waren.

Die "Insektenbücher", wie ich sie scherzhaft nannte, standen in Reih und Glied in dem Regal neben seinem Schreibtisch, wobei nur Vater die Ordnung durchschaute. An der gegenüberliegenden Wand, neben dem Lesesessel am Fenster, wo es mehr Licht gab, befand sich eine kleinere Sammlung von Romanen, beherrscht von Mr Dickens, dem Autor, der nach Vaters Meinung einzigartig war.

"Wenn er einen Roman über Zikaden oder Grashüpfer statt über Waisenkinder schreiben würde", sagte ich zu ihm, "würdest du im siebten Himmel schweben, nicht wahr?"

"Liebes, du vergisst Das Heimchen am Herde ", entgegnete Vater, der das Werk des Schriftstellers so gut kannte wie niemand sonst. "Und dann gibt es da noch die Spinnenfamilie in Große Erwartungen , die in Miss Havishams Hochzeitskuchen, den sie nicht angerührt hat, Quartier bezieht. Und Bitzers Wimpern in Harte Zeiten . Womit vergleicht Mr Dickens sie noch gleich? Mit den "Fühlern geschäftiger Insekten", wenn ich mich recht entsinne. Wie du siehst, spielen Insekten in vielen von Dickens' Werken eine herausragende Rol

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