text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Herr Blunagalli auf großer Kreuzfahrt von Colagrossi, Angelo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.03.2017
  • Verlag: Lago
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Herr Blunagalli auf großer Kreuzfahrt

Angelo Colagrossi - in Comedykreisen auch bekannt als Herr Blunagalli - hat ein typisches Autorenproblem: sein Verlag wartet ungeduldig auf das längst überfällige Manuskript, aber Herrn Colagrossi hemmt eine Schreibblockade. Liegt es an der Trennung von seinem langjährigen Lebensgefährten? Oder an einer heißen Affäre? Der Verleger weiß jedoch Rat und schickt seinen Autor auf eine Kreuzfahrt entlang der italienischen Mittelmeerküste, auf der er Lesungen für sein letztes Buch geben und gleichzeitig konzentriert das neue Manuskript - ein autobiografisches Kochbuch - fertig schreiben soll. Aber so einfach funktioniert das nicht, denn die Ablenkungen sind vielfältig: Wie soll einer sich auf Tante Antonias großartige Kompositionen aus eingelegten Kapern, Pancetta, Schwertfischcarpaccio und Pecorino konzentrieren, wenn Reinhard und Silvio, die vorwitzigen inneren Stimmen der deutschen und italienischen Seele von Angelo Colagrossi, unablässig ihre vorwitzigen Kommentare hinausposaunen? Angelo Colagrossi hat mit seinem neuen Roman einen temporeichen Ritt durch Dialekte, Charaktere und Nationalitäten geschrieben, der unterhält, Spaß macht und ein Feuerwerk an Situationskomik bietet. Bellissimo! Angelo Colagrossi, geboren 1960 in Rom, ist Autor und Regisseur. Zusammen mit Hape Kerkeling und Achim Hagemann hat er u.a. die mehrfach ausgezeichnete TV-Serie Total normal konzipiert, als Regisseur drehte er den Kino-Film Samba in Mettmann und zusammen mit Hape Kerkeling und Angelina Maccarone ist er Co-Autor des Hörspiels Ein Mann, ein Fjord. 2009 kam der Film Horst Schlämmer - Isch kandidiere! in die deutschen Kinos, bei dem Colagrossi Regie führte und an dessen Drehbuch er mitgeschrieben hatte. 2012 erhielt er als Co-Produzent den Deutschen Comedypreis für Türkisch für Anfänger. Er hat bereits zwei erfolgreiche Romane geschrieben und lebt in Berlin und auf Sardinien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 20.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957620866
    Verlag: Lago
    Größe: 466 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Herr Blunagalli auf großer Kreuzfahrt

Kapitel 1

Eines habe ich noch nie verstanden: Warum eigentlich sieht man einen Wald vor lauter Bäumen nicht? Den Wald hinter lauter Hochhäusern nicht zu sehen, wie in Neapel-Fuorigrotta oder in Berlin-Marzahn, das leuchtet mir ein. Aber Bäume? Oder Türen. Ich suche jedenfalls die Tür zum Zimmer 5454, genauer gesagt, das Büro "Bordentertainment". Und wenn es hier etwas gibt, dann sind es Türen. Dieses Schiff besteht hauptsächlich aus Türen, und die sehen nicht nur alle gleich aus, ihre Nummerierung folgt einem System, das nur Eingeweihte verstehen können. Oder sollen. Ich kenne aus Berlin die Hufeisennummerierung (auf der einen Seite beginnt man zu zählen und am Ende der Straße zählt man auf der anderen Seite wieder bis zum Anfang zurück). Zudem gibt es die bekannte wechselseitige Zickzacknummerierung (auf der einen Seite die geraden Nummern, auf der anderen die ungeraden). Aber hier komme ich nicht klar. Ich laufe einfach weiter.

Die Frauen mit Motto-T-Shirt: "Die fröhlichen Klabauterinnen, seit 1988. Eine Seefahrt, die ist lustig." Sie blockieren den Gang, ich quetsche mich an ihnen vorbei. Sektgeruch. Überall Sektgeruch. Es ist erst elf und mir schlecht. Schnell weiter.

"5454?", rufe ich einer Putzfrau zu, die, grob geschätzt, einhundertzwanzig Türen weiter hinten im Gang ihr Wägelchen um die Ecke schiebt. Sie hört mich nicht. Die Rezeptionistin sagte: "Ganz einfach, Herr Colagrossi, Sie fahren rauf in die fünfte Etage. Wenn Sie aus dem Lift kommen, laufen Sie immer geradeaus. Richtung Heck. Sie wissen, was und wo das Heck ist?"

"Heck heißt hinten, stimmt's?"

"Hinten heißt 'achtern', das Heck ist der hintere Teil des Schiffs."

Achtern? Ich fragte noch einmal nach.

" Signora, mi scusi , also zur Sicherheit: Ich fahre in den fünften Stock und achtere einfach immer geradeaus?"

"Nein. Also ja. Fünfter Stock und dann geradeaus Richtung... ?" Fragend sah sie mich an.

"Heck!", platzte ich heraus.

Die Gäste, die sich mittlerweile hinter mir gestaut hatten, klatschten so begeistert, als hätte ich bei Günther Jauch die Millionenfrage richtig beantwortet. Madonna, wie peinlich.

"Herzlich willkommen an Bord der 'Mare Bello II'!" Mit diesen Worten überreichte mir die Rezeptionsdame meine Papiere, ich griff nach meinem Trolley, steckte meinen Pass und das Ticket ein und drückte die "5" am Aufzug. Es erstaunt mich auch nach fast dreißig Jahren, dass die Aufzüge in Deutschland immer funktionieren. So wie hier, an Bord der "Mare Bello II", die trotz ihres Namens fest in der Hand einer deutschen Reederei ist. Man drückt, und es tut sich was. Und wenn man fährt, bleibt man nicht stecken.

Anders in Italien. Man kann froh sein, wenn man die "5" drückt und nicht in der Tiefgarage herauskommt. Oder zu Fuß gehen muss. Der Reinhard in mir meint: "Allerdings. Das reinste Chaos. Dauerbaustellen, wo man hinschaut. Nichts wird fertig." Silvio erwidert: "Du redest von Deutschland, mein Lieber!" Reinhard: "Wie bitte?" Silvio: "BER. Das ist eine Dauerbaustelle, schlimmer als alle in Italien zusammen. Also, wenn du mich fragst, lieber ein kleines italienisches Chaos als kalte Gürkchen zum Abendessen."

Reinhard und Silvio. Die beiden tauchten zum ersten Mal auf, als ich ein Kind war, und zwar in meinem von vier Geschwistern plus Eltern besetzten Wohnzimmer meiner Familie in Rom. Damals waren sie sich auch schon nie einig, hatten allerdings noch keine Namen, sondern nannten sich schlicht A und B. Ich habe sie Reinhard und Silvio getauft, als ich nach Deutschland kam, und damit begann der Kampf zwischen meiner deutschen und meiner italienischen Seele.

Natürlich hatte ich damals keinen Schimmer davon, dass sie mein Leben derart verkomplizieren würden. Sie nerven. Sie quatschen. Sie streiten sich. Ich habe mich schon oft gefragt, wer von beiden im echten Leben wohl mein Freund sein würde. Das ist jedoch sehr schwer zu sagen, wenn auch Reinhard e

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen