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Herr Mozart feiert Weihnachten Roman von Baronsky, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2017
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Herr Mozart feiert Weihnachten

Herr Mozart und der Zauber der Weihnacht. Der Mann erinnert sich nur, als Wolfgang Amadé Mozart auf dem Sterbebett gelegen zu haben. Am nächsten Morgen wachte er - 200 Jahre später, wie sich herausstellt - im modernen Wien auf. Zwar hat er begonnen, sich dort zurechtzufinden, aber er ist einsam. Heiligabend muss er sich am Stephansdom mit der Geige ein paar Cent erspielen. Als ihn ein kleines Mädchen für den Weihnachtsmann hält und mit nach Hause nimmt, wird er in ein neues verwirrendes Abenteuer verwickelt. Eine wunderliche Begegnung mit dem charmanten Zeitreisenden Herrn Mozart.

Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren überraschenden und sehr erfolgreichen Debütroman 'Herr Mozart wacht auf' (2009) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe. Nach 'Magnolienschlaf' (2011) erschien 2015 ihr dritter Roman 'Manchmal rot'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 15.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214270
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Serie: Aufbau Taschenbücher Bd.3378
    Größe: 3616 kBytes
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Herr Mozart feiert Weihnachten

KAPITEL EINS

"Schweig still!", rief Wolfgang erbost hinüber, doch das Gehämmer wollte partout nicht verstummen. Beharrlich stapfte es durch das frühlingshafte Flötenquintett in G-Dur, mit dessen Komposition er seit dem zeitigen Morgen beschäftigt war. Und dorten passte es nun wahrlich nicht hinein! Entschlossen hob er den Kopf, um Beistand beim hellen Sonnenlicht zu suchen, das ins Zimmer fiel, doch das Gedumpfe, körperlosen Schlägen gleich, ließ sich nicht verjagen. Es rührte aus der Mansarde nebenan, das wusste er, seit er ein paar Täge zuvor dem Geräusch auf den Grund hatte gehen wollen. Das Ohr am benachbarten Türblatt, hatte er feststellen müssen, dass es ein Basso zu einer Art überschnellem Sprechgesang war. Eine seltsame Verstörung war über ihn gekommen, und er hatte nicht gewagt, an die Tür zu klopfen, sondern war unverrichteter Dinge in Piotrs Behausung zurückgekehrt.

Die Sonne stand tief, bald würde sie hinter den Dächern versinken. Und dann würde, binnen weniger Stunden, die Christnacht hereinbrechen. Mit einem Seufzer schloss er die Augen und überließ sich den Erinnerungen an das festliche Halbdunkel der Domkirche (der Pfarrer hatte wie immer an den Wachslichtern gespart), sah die andächtigen Gesichter und schließlich die Ergriffenheit, die alle überkam, als Orgel und Chor zum Halleluja ansetzten. Er hörte das gedämpfte Stimmengewirr vor der Kirche, das Getrappel und Geholper der vor- und abfahrenden Kutschen und schließlich die Stille, die sich wieder über alles legte, während er Constanze den Arm bot, um den kurzen Heimweg zu Fuß anzutreten.

Ihm schien, als sei es gestern gewesen. Und wenn er es recht betrachtete, lag es ja nicht viel länger zurück. Was waren schon zweihundert Jahre für einen, dem sie fehlten wie ein vergessener Traum? Das Gedumpfe nebenan erstarb für eine kurze Weile, ehe es sich aufs Neue erhob, mit etwas schnellerem Schlag.

Beim Gedanken an die Mette spürte er, wie sich sein Gewissen regte. Oblag es nicht doch seiner Verpflichtung als Christenmensch, der Geburt des Herrn in der Weihenacht zu huldigen? Hatte er sich nicht aufzumachen und die Kirche zu besuchen, gleich an welchem Ort und in welcher Zeit er sich befand? Doch wer versicherte ihn, dass ein Gottesdienst überhaupt stattfand? Nahezu alles, was ihm in den letzten - er zählte nach - zwanzig Tägen begegnet war, war an Absonderlichkeit nicht zu überbieten; ihm Vertrautes dagegen war abgeschafft, vergessen oder zu etwas gemacht worden, das er nicht verstand.

Wäre es also verwunderlich, wenn St. Stephan in der Christnacht dunkel bliebe? Oder unter Abertausenden buntverpackter Geschenkpakete versänke, so dass keine Maus mehr hineinfände? Wohin er auch gegangen war seit seiner unfassbaren Strandung in dieser neuen Zeit - überall sah er Geschenke: kleine, große, eckige, runde, mit Schleifen oder Kugeln verziert, und obschon es der Menschen derarten viele gab in dieser Stadt, dass er zuweilen an einen Ameisenberg erinnert war, so war er doch von jedem Zweifel frei, dass es der Geschenke ungleich mehr sein mussten. Sie türmten sich zwischen den Auslagen der Warenhäuser, hingen in den Schaufenstern, lagen in Bäckereien und Wirtshäusern und im Foyer der Oper gar. Für wen mochten sie bestimmt sein? Piotr hatte auf seine Frage hiezu nur wieder sein gequältes Grinsen gezeigt, woraus er schloss, dass die Frage - nach Piotrs Dafürhalten - eine Torheit war.

Dabei hätte er noch weitaus mehr zu fragen gehabt. Zum Beispiel nach all der Eile und Betriebsamkeit, die sich ihm in den Straßen und Geschäften darbot. Sie schien auf die Christnacht hinzustreben, und er war ratlos, von welcher Art das Mirakel sein würde, das all diese Unrast rechtfertigte. Etwas wahrhaft Großes musste es sein, etwas, das unter all den Mysterien, die er in den vergangenen Tägen bereits erlebt hatte, das allergrößte sein würde. Und nahm es denn wunder, dass seine Phantasie darob zuweil

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