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Hilfe, ich date eine Familie! Roman von Reich, Maximilian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Hilfe, ich date eine Familie!

Fischstäbchen gegen Bauchweh Als Kind hatte ich eine Schildkröte. Angeblich sollen diese Tiere über hundert Jahre alt werden. Meine hat nicht einmal bis Silvester durchgehalten. Der Ficus in meiner ersten Wohnung? Bis Donnerstag. Und ausgerechnet ich bin nun Vater. Sogar zweifacher Vater, seit meine Freundin Sonja und ihre beiden Söhne Dante und Paul zu mir nach München gezogen sind. Wie soll ich das bloß hinkriegen? Die Geschichte eines Chaoten, der am Samstag noch Junggeselle war und am Sonntag plötzlich eine vierköpfige Familie hatte. Wenn eine Patchwork-Familie der Preis für die Frau der Träume ist ... Das Buch zur beliebten Kolumne bei jetzt.de.

Maximilian Reich, geboren 1984, wurde vom Arbeitsamt empfohlen, Geburtshelfer zu werden. Er entschied sich lieber für eine Karriere als Journalist und schreibt heute für Focus, Freundin, Neon, Playboy, Jetzt.de u. a. Er lebt mit seiner Familie in München.

Mehr Informationen zum Autor unter www.maximilianreich.de.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 09.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841216199
    Verlag: Aufbau Verlag
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Hilfe, ich date eine Familie!

Kapitel 2

Der Blick des Todes von Kleinkindern

Ein kleines Mädchen tapst unbeholfen durch das Zugabteil. Direkt neben meinem Platz plumpst es zu Boden.

"Hoppla." Ich lächle es aufmunternd an.

Das Mädchen greift seinen Schnuller vom Boden und rappelt sich wieder auf. Mit großen Augen guckt es mich an.

"Na du?" Ich grinse immer noch wie ein Glücksbärchen nach dem Koitus, aber das Kind zeigt keine Reaktion.

"Kuckuck." Ich winke.

Nichts. Es starrt mich nach wie vor an, als wolle es mein Gehirn zum Schmelzen bringen. High Noon im "Bahn Comfort"-Bereich.

Hmm.

Also entweder ist das kleine Mädchen schwer depressiv, oder ich komme bei Kindern so gut an wie ein Schalker im Dortmund-Fanblock. Was nicht so toll wäre, wenn man bedenkt, dass ich gerade auf dem Weg zu meiner Freundin bin, um ihre beiden Söhne kennenzulernen. Wir wollen vorfühlen, ob die beiden mich als Freund an der Seite ihrer Mutter akzeptieren würden. Andernfalls müssten wir uns leider trennen, nicht weil wir es wollen, sondern zum Wohlbefinden der Kinder, das über allem steht. Und das darf nicht passieren. Ich liebe Sonja. Also bitte, lieber Gott, lass diesen dreijährigen Goldschatz einfach bloß hochgradig depressiv sein.

"Mausi, flirtest du wieder mit fremden Männern?"

Eine rundliche Dame mit blondem Pferdeschwanz hebt das kleine Mädchen auf den Arm.

Na, wenn das Mausis Flirttechnik ist, wachsen Mausi in den nächsten Jahren hoffentlich Riesenbrüste. Andernfalls befürchte ich, dass Mausi später einmal sehr einsam sterben wird.

"Komm, wir lassen den Herrn jetzt wieder in Ruhe." Die Dame zwinkert mir zu und trägt das kleine Mädchen zurück zu ihrem Sitzplatz.

Ich drehe meinen Kopf wieder zum Fenster und blicke auf die schneebedeckten Felder, die an uns vorbeiziehen.

Bin ich schon bereit für Kinder? Die Frage schießt mir heute wohl zum hundertsten Mal durch den Kopf.

Ich bin zweiunddreißig Jahre alt. Ich habe ein monatliches Einkommen und mache meine Steuererklärung. Ich hab sogar einmal eine Darmspiegelung zur Vorsorge gemacht. Kann man noch reifer sein? Als meine Eltern so alt waren wie ich, hatten sie immerhin schon drei Kinder.

"Wir erreichen in wenigen Minuten den Bahnhof Hamburg-Altona. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts", bremst der Zugführer mit einer Durchsage meine Gedanken aus.

Ich hieve meinen Trolley von der Ablage über mir und stelle mich an den Ausgang. Meine Beine sind wacklig. Aber neben der Nervosität schwappt noch ein anderes Gefühl durch meinen Körper: Vorfreude. Ich freue mich darauf, Dante und Paul kennenzulernen und Sonja wieder in die Arme zu schließen. Zwei Wochen ist es her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.

Das erste Mal habe ich Sonja vor zwei Monaten getroffen, als ich beruflich in Hamburg war. Ein Taschendieb hatte ihr vor einem Einkaufszentrum gerade die Handtasche entrissen, und ich bin ihm hinterhergerannt. Er ist mir leider entwischt, aber Sonja lud mich trotzdem als Dankeschön für meinen heldenhaften Einsatz auf einen Kaffee ein. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem wir nicht miteinander gesprochen haben. Sie hat mich gesehen und sich auf den ersten Blick sofort in mich verliebt. Ich bin eben wie Crystal Meth. Einmal probiert, kannst du danach nur schwer ohne leben.

...

Na gut, ich gebe zu: Das ist gelogen. Ich hätte viel zu viel Angst, einen Verbrecher zu verfolgen. Am Ende hole ich ihn tatsächlich noch ein. Und dann? Er würde sich bestimmt wehren - aber ich habe mich doch noch nie geprügelt. Diese Geschichte habe ich mir bloß ausgedacht, weil die Wahrheit nicht besonders romantisch ist. Ich saß am Abend an meinem Laptop und habe meinen Lebenslauf auf der Internetseite XING aktualisiert, als mir irgendein hochprofessioneller Algorithmus Sonja als Geschäftskontakt vorschlug. Sie ist Fotografin und arbeitet viel mit Medien zusammen. Weil ich Journalis

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