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Hinter dem Schein die Wahrheit von Breitsprecher, Claudia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2017
  • Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
eBook (ePUB)
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Hinter dem Schein die Wahrheit

Seit ihrer Kindheit verbindet sie eine enge Freundschaft: die eigenwillige Annette Vogl, die in Konventionen gefangene Karin Schmitz und den Außenseiter Holger Baumgartner. Annette entdeckt ihre Liebe zu Frauen, Karin strebt eine Karriere beim Ballett an und Holger möchte Pfarrer werden, aber die strengen Regeln der katholischen Provinz legen ihnen Hindernisse in den Weg, die sie in ihrer Jugend nicht überwinden können. Als viele Jahre später Karins 17-jähriger Sohn Jacob von Gleichaltrigen verprügelt wird und fürchtet, dass die Schläger ihn als schwul outen, taucht er unter, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Karin ruft Annette und Holger zu Hilfe, und die Suche nach dem Jungen wird für alle drei zum Anlass, sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Was lange verborgen blieb, drängt ans Licht und ruft Erinnerungen wach an verlorene Liebe, vergebene Chancen und die Suche nach einem Platz in der Welt. Die Gefühle wirbeln durcheinander, und mit jeder Stunde, die Jacob verschwunden bleibt, spitzt sich die Lage zu ... Claudia Breitsprecher, Jahrgang 1964, lebt mit ihrer Frau in Berlin und studierte Soziologie, Psychologie und Politik an der Freien Universität. Nach dem Abschluss als Diplom-Soziologin folgten berufliche Tätigkeiten im Bildungs- und Sozialbereich. Ende der 1990er Jahre erschienen ihre ersten Kurzgeschichten in Anthologien, seither schreibt sie sowohl Prosa als auch Sachbücher. 2002 debütierte sie auf diesem Gebiet mit 'Das hab ich von dir', einem Ratgeber über Mutter-Tochter-Beziehungen. 2007 folgte mit '?Bringen Sie doch Ihre Freundin mit?' ein auf Interviews basierendes Buch über lesbische Lehrerinnen. Mit 'Vor dem Morgen liegt die Nacht' erschien 2005 ihr erster Roman, ein weiterer schloss sich 2011 mit 'Auszeit' an. Für diesen wurde sie 2012 von der Autorinnenvereinigung e.V. als Autorin des Jahres ausgezeichnet. Sie ist außerdem Mitglied der Gruppe 'alphabettinen'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 22.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959172097
    Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
    Größe: 3327 kBytes
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Hinter dem Schein die Wahrheit

Freitag, 14. November 2014, 17.12 Uhr

Er hielt die Augen fest geschlossen, biss die Zähne zusammen und spannte die Muskeln an, so fest er konnte. Als es endlich vorbei war, hörte er, wie die Jungs johlend davonliefen, wie ihre Rufe sich entfernten, leiser wurden und immer leiser. Er lag gekrümmt auf der Seite und atmete in den kalten Boden hinein, hielt sich noch immer die Arme schützend um den Kopf und stöhnte vor Schmerz. So eine Scheiße! Langsam öffnete er die Augen, das Blut rann von der Braue zur Nasenwurzel hin, vermischte sich dort mit seinen Tränen, lief weiter, tropfte ins novembermatte Gras. Am liebsten wollte er zusammen mit der Flüssigkeit in der Erde versickern. O Mann, Jacob, was bist du für ein Idiot, beschimpfte er sich selbst und lauschte. Als die anderen nicht mehr zu hören waren, rappelte er sich auf, hockte auf dem Boden und wischte sich mit dem Halstuch das Gesicht trocken. Er spürte in seinen Körper hinein. Die Unterlippe tat höllisch weh, wo eine Faust sie getroffen hatte, aber die Zähne waren noch fest. Die Platzwunde über dem Auge pulsierte. Wenigstens schienen die Knochen heil geblieben zu sein, obwohl - was hatte dieses Stechen in seiner linken Seite zu bedeuten? Vielleicht war doch eine Rippe gebrochen? Ein Wunder wäre das ja nicht, so wie sie auf ihn eingetreten hatten, als er schon am Boden lag. Er betrachtete das blutige Halstuch. Warum bloß, warum? Wollten sie ihn einschüchtern, weil er von den Pillen wusste, mit denen sie dealten? Hatten sie selbst welche eingeschmissen oder waren sie einfach scharf darauf, einen wie ihn zu verprügeln? Die blöde Schwuchtel. Den Schwanzlutscher.

Er schloss die Augen wieder, spürte die Schwere im Herzen, wollte nicht denken, wollte sich nicht erinnern, aber die Bilder kamen und setzten ihm zu.

Die letzten Schulstunden der Woche waren geschafft, die feuchte Luft roch nach Schweiß, Duschgel und Deo. Er hatte getrödelt, weil auch Philipp nach dem Sportunterricht immer lange brauchte, und nun waren nur noch sie beide im Umkleideraum. Jacob musterte Philipp verstohlen, die schmalen Hüften in den engen Jeans, den nackten Oberkörper, das Spiel seiner Muskeln, als er sich die streichholzkurzen Haare trocken rieb. Plötzlich drehte Philipp sich um, als spürte er, dass er beobachtet wurde. Jacob wandte sich ab, aber es war zu spät. Philipp hatte ihn ertappt und baute sich dicht vor ihm auf.

"Na, was ist, willst du mich ficken?", fragte Philipp und sah ihn herausfordernd an.

Jacob sackten beinahe die Knie weg. Sprachlos stolperte er einen Schritt rückwärts.

Philipp grinste hämisch. "Ich kann das ja mal den anderen erzählen. Das wird sicher ein Spaß."

Jacob schüttelte den Kopf. Er musste sofort etwas erwidern, irgendetwas, damit sich diese Idee nicht in Philipps Kopf ausbreitete. Und er musste cool bleiben dabei, durfte sich bloß nicht anmerken lassen, wie erschrocken er war.

"Was geht denn bei dir ab?", brachte er mühsam hervor und merkte selbst, wie wenig überzeugend er klang. So ging das nicht, da musste er mächtig zulegen. "Du spinnst doch! Hast wohl selbst von den Dingern genascht, die du sonst auf dem Schulhof vertickst." Er deutete auf Philipps Lederjacke. "Meinst du, ich weiß nicht, was da drin ist? Wie wär's, wenn ich darüber mal rede."

Ja, das war schon besser. Nun verging Philipp das Lachen, es gefror förmlich auf seinem Gesicht. Jacob sah es erleichtert, er hatte einen Treffer gelandet. Eigentlich wollte er nicht drohen, er wollte auch keinen Stress mit Philipp, ganz im Gegenteil. Aber dass Philipp ihn outete, konnte er auf keinen Fall riskieren. Betont lässig schwang er sich den Rucksack über die Schulter, stieß Philipp im Vorbeigehen an und verließ den Umkleideraum in der Hoffnung, dass die Sache damit erledigt war.

Aber dann er

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