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Im Dunkeln sieht man weniger Erzählungen von Ortega Coto, Gregorio (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.04.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Im Dunkeln sieht man weniger

Wer nicht draufgehen will, braucht einen Traum. Gregorio Ortega Coto, in Berlin lebender Spanier, erzählt aufregende Geschichten, von Menschen, die für ihr Glück kämpfen. Seine Erzählungen leben von außerordentlichen Momenten, in denen sich auf einen Schlag alles ändert. Berlin, Madrid, Barcelona, New York sind die Schauplätze der Erzählungen. Ortega Cotos Protagonisten sind keine Helden, oder doch? Das macht sie liebenswert und diesen Erzählband lesenswert. Der Autor versieht seine Schilderung mit einem gekonnten Augenzwinkern. Die Geschichten packen die Leser sofort und lassen sie nicht mehr los. Man ist fast enttäuscht, dass es nur Kurzgeschichten sind - man würde die Hauptfiguren noch eine Weile länger begleiten wollen. Es gibt einen wunderbaren Geschichtenerzähler zu entdecken, einen Autor, der nur wenige Seiten braucht, um Menschen und Welten lebendig werden zu lassen. Über Begegnungen, unfassbaren Erlebnissen und enttäuschten Erwartungen liegt oft ein Hauch Humor und Hoffnung. Gregorio Ortega Coto, geb. 1946, wuchs in Marokko auf und kam mit zwölf Jahren nach Spanien. Er emigrierte Anfang der siebziger Jahre nach Deutschland und lebt seitdem in Berlin. Hier machte er eine Ausbildung als Erzieher und studierte später Sozialarbeit. Er veröffentlichte Kurzgeschichten in diversen Anthologien. 2005 erschien sein Erzählband "Untaugliche Indianer", 2013 sein Roman "Marokkanische Minze". Er verfasst seine Geschichten auf Deutsch. Zahlreiche Lesungen, meist zweisprachig, in Buchhandlungen, Kulturvereinen und multikulturellen Salons in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 04.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744857345
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1016 kBytes
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Im Dunkeln sieht man weniger

Auf der Bank am Chuecaplatz

Obwohl Pepe Galindo nicht in Hundescheiße trat, die Vögel ihre wiederholten und altertümlichen Melodien mit der üblichen Inbrunst an diesem Morgen sangen und die Sonne seit frühen Stunden die Passanten entzückte, konnte er sich dennoch des Eindrucks nicht erwehren, er sei mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden, noch mehr: in seiner Magengegend habe sich das faule Gefühl vergangener Tage einquartiert.

Pepe Galindo verbrachte den ganzen Vormittag mit der Sondierung des Madrider Kleinanzeigenblatts, telefonierte pausenlos aus einer Kabine des Chuecaplatzes herum und studierte zusätzlich die mehr oder weniger anziehenden Wohnungsangebote, die am Schaufenster einer benachbarten schwulen Buchhandlung hingen.

Danach durchquerte er mit der U-Bahn Madrid von A bis Z, guckte sich unzählige Zimmer an, die meisten von ihnen dunkel, feucht und fensterlos. Sie alle in den entferntesten Gegenden der Stadt gelegen, dort wo die Bürgersteige schon am Mittag hochgeklappt werden, weit weg von Chueca, von dem Viertel, das er stark bevorzugte, wo das schwule Leben tobte, überhaupt das Leben, und gerade das war es, was er augenblicklich brauchte.

"Für nichts und wieder nichts habe ich mich den ganzen Tag bemüht. Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Diese Sucherei geht mir langsam auf den Sack", dachte Pepe Galindo erschöpft und verzweifelt zu sich selbst am Ende des Tages.

Seit Wochen machte er nichts anderes: frühstücken, Zeitung kaufen, anrufen, sich mit den Zimmeranbietern verabreden, sich Räume anschauen, sich tierisch ärgern über das Gehörte und Gesehene, sich gut verkaufen, unannehmbare Bedingungen verhandeln, dabei lächeln, immer lächeln, die plappernden Mäuler mancher Vermieter erdulden und so tun, als würden sie höchst Interessantes erzählen, die Absagen mit Haltung ertragen, um schließlich spätabends todmüde auf eine zerbeulte und quietschende Matratze zu fallen, in einem Loch in der Nähe des Atocha-Bahnhofs, dessen Name Pensión Amor de Dios von einer Leuchtreklametafel mit dem Zusatz ohne Dusche, kollektives WC auf dem Flur angeberisch herunterflimmerte.

Vom ersten Tag an bemerkte er bestürzt, dass die Bedürftigkeit dieses Unterschlupfs in irgendeiner Weise zu seiner wirtschaftlichen Notlage passte und, dass die Kakerlaken so prächtig waren, dass sie gute Chancen hatten, ins nahe 21. Jahrhundert übernommen zu werden. Außerdem war ohne Ohropax an Ausruhen überhaupt nicht zu denken, zumal rechts und links von Pepes Zimmer altgediente Dauergäste, die wie "Horrorkabinettfiguren" aussahen, ununterbrochen schnarchten, und zwar lauter als ihre prähistorischen Urahnen.

Der Chuecaplatz war für Pepe Galindo eine Art Hauptquartier, in dem er im Schatten einer Birke auf der oberen Kante der Rücklehne einer Bank saß, Kräfte bis zur nächsten Offensive sammelte, neue Strategien plante und Telefonnummern aussortierte.

Dort auf der klapprigen Bank machte er sich aber auch schreckliche Vorwürfe wegen seiner erfolglosen Suche, erfuhr Augenblicke voller Entmutigung und klagte über die Aussichtslosigkeit des Ganzen. Angesichts seiner Pechsträhne gab sich Pepe Galindo die Schuld, denn er war der Überzeugung, dass seine Vorgehensweise falsch war, er musste unbedingt eine effektivere Taktik entwickeln, noch freundlicher sein, eine andere Art die Lage zu ...

"Hast du etwas dagegen, wenn ich mich neben dich setze?", fragte ein Mann im mittleren Alter und unterbrach so Pepes leidige Überlegungen mit einem Mal. Pepe nickte mit vollem Mund und der Ankömmling fügte einfach hinzu: "Guten Appetit."

Pepe verzog das Gesicht zu irgendeiner Miene, die an ein Lächeln erinnerte, und vertiefte sich weiter in seine Gedanken und das mit Käse, Tomaten und Salat belegte Brot, ohne im Entferntesten zu ahnen, dass der Guten-Appetit-Wunsch des Fremden, der es sich auf der Bank schon längst bequem gemacht hatte, als ob es sich um einen Fernsehsessel hand

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