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Im Liede wehet ihr Geist Hölderlins späte Hymnen von Horn, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.12.2014
  • Verlag: Athena Verlag
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Im Liede wehet ihr Geist

Schon früh hat man bei Hölderlin den Zug zu einer mehr und mehr esoterischen und hermetischen Sprache bemerkt. Hölderlins Bestreben, in der Poesie Dinge auszusagen, die nie vorher in der Poesie ausgesprochen worden waren, trug dazu bei, ihn immer näher an jenen Abgrund des Schweigens heranzuführen, in dem das Ungesagte und Unsagbare ruht. Wenn Hölderlin philosophische Begriffe zu poetisieren suchte, dann weil ihm die Ansätze Spinozas, Rousseaus, Kants und bis zu einem gewissen Grade auch die Fichtes und vor allem die philosophischen Gedankengänge seiner Freunde Schelling und Hegel wesentliche Kategorien in die Hand gaben, mit deren Hilfe er sich die Welt deutete. Aber auch Hölderlins Krankheit (eine Psychose) - zunächst latent aber in einigen Symptomen wahrnehmbar, dann mit deutlichem psychotischen Schub und schließlich mit einer destruktiven Endphase - hat seinen Sprachgebrauch und seine Denkgewohnheiten ohne Zweifel sowohl positiv (im Sinne einer Steigerung seiner Kreativität) als auch negativ (im Sinne einer gelegentlichen Inkohärenz und Dunkelheit der Aussage) geprägt.

Peter Horn, 1957 bis 1960 Studium der Germanistik und Anglistik an der University of the Witwatersrand. 1971 Promotion über Rhythmus und Struktur in der Lyrik Paul Celans. 1974 bis 1999 Professor und Head of Department of German an der University of Cape Town. Honorary Fellowship auf Lebenszeit der University of Cape Town. Seit 2005 Honorary Professorial Research Associate University of the Witwatersrand. Weltweite Lehrtätigkeit, Auszeichnungen, Preise und zahlreiche Veröffentlichungen u. a. zu Heinrich von Kleist, Paul Celan, Rainer Maria Rilke, Max Frisch, Georg Büchner, Franz Kafka, Bertolt Brecht und zu südafrikanischer Literatur. Vielfach ausgezeichneter südafrikanischer Lyriker.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 311
    Erscheinungsdatum: 12.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783898967082
    Verlag: Athena Verlag
    Größe: 1393kBytes
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Im Liede wehet ihr Geist

Abendphantasie

Hölderlin hat seine Dichtung als zeitgebunden betrachtet: ihr Inhalt soll nach einer späten brieflichen Äußerung "unmittelbar das Vaterland angehen [...] oder die Zeit". (Br. 345; StA VI, 435) Damit ist aber nicht gesagt, dass Hölderlins Dichtung verschlüsselte tagespolitische Anspielungen enthält. Gerade weil er in der französischen Revolution eine Zeitenwende erblickte, die alles - auch die Dichtung - mit erfassen musste, kam es ihm weniger darauf an, kleine politische Änderungen in seiner unmittelbaren Umgebung in seiner Dichtung wiederzugeben, als den Horizont des gesamten Wandels abzubilden, der alles in seinen Strudel zog: die Politik, das menschlich soziale Zusammenleben, die Ökonomie, die Kultur, den Geist und die Religion. Hölderlin hatte daher ein "geradezu religiöses Verhältnis zur Revolution, in dem chiliastische Elemente der pietistischen Frömmigkeit deutlich mitschwingen." Schon in der Zeit im Stift hat Hölderlin diese Einstellung zur Revolution entwickelt: "Die Stiftler versammelten sich in revolutionär gestimmten Bünden und Kränzchen, wo sie den Jahrestag des Bastillesturms feierten." Das erscheint bei Lukács fälschlich als unpolitisch-verzweifelte Mystik. (Wackwitz 1985, 14 & 34)

Für Hölderlin galt eine wesentliche Einheit von Dichtung, Religion und gesellschaftlicher Veränderung. In der dichterischen Sprache emanzipiert sich der neue Mensch: Die dichterische Sprache bildet die republikanische Verfassung vor, die es in der politischen Welt noch zu verwirklichen gilt. Ein bewusster und begeisterter Sohn seiner Zeit, stand Hölderlin ganz auf der Seite der "Franzosen, der Verfechter der menschlichen Rechte" und war zumindest als Mitwisser an dem Plan, den Herzog von Württemberg zu stürzen und eine Republik in Schwaben zu gründen, beteiligt. Pierre Bertaux hat in seinen Analysen des Werks von Hölderlin nachgewiesen, dass Hölderlin dieser "jakobinischen" Gesinnung treu geblieben ist (auch wenn der Ausdruck "jakobinisch" zu Missverständnissen Anlass gibt) und vertritt den Standpunkt, dass Hölderlins ganzes Werk eine durchgehende Metapher der Revolution ist. Diese Auffassung wird zwar nicht von allen Hölderlinforschern geteilt, sie ist aber nach langer Ablehnung und nach dem Versuch, sie einfach zu ignorieren, heute jedenfalls diskutabel geworden. Auch Joachim Rosteutscher (1966, 15) sieht Hölderlins Schaffen von seinem Tübinger Aufenthalt bis zu den späten Hymnen "zu einem Großen Teil im Zusammenhang mit den welterschütternden Ereignissen der französischen Revolution und ihrer Folgen." (Vgl. auch Delorme 1959) [1]

Im 2. Akt, 4. Auftritt der 1. Fassung des Dramas Empedokles von Hölderlin stehen Worte, die nicht nur das politische Vermächtnis des Empedokles, sondern auch das politische Programm Hölderlins zusammenfassen: "Schämet euch / Daß ihr noch einen König wollt. [...] / Euch ist nicht / Zu helfen, wenn ihr selber euch nicht helft". (FHA 13, 742) Die völlige Veränderung ist ein Wagnis, aber nötig, wenn eine gerechte Gesellschaft erreicht werden soll: "So wagts! was ihr geerbt, was ihr erworben, / Was euch der Väter Mund erzählt, gelehrt, / Gesez und Brauch, der alten Götter Nahmen, / Vergeßt es kühn". Die neue Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Gleichen: "dann reicht die Händ' / Euch wieder, gebt das Wort und theilt das Gut, / O dann ihr Lieben theilet That und Ruhm / Wie treue Dioskuren, jeder sei / Wie alle". (FHA 13, 745)

Alles dies scheint zunächst ohne Beziehung zu diesem Gedicht. Die Abendphantasie spricht von genügsamen, gastfreundlichen, friedlichen Dorfbewohnern, geschäftigen Häfen und Städten mit der Geselligkeit des städtischen Wesens. Gesprochen wird über "Gesetze der wahren Menschlichkeit, zu denen auch die Gastfreundschaft als Prinzip des Friedens gehört." (Keller-Loibl 1995, 175) Im Gegensatz dazu sieht sich der Dichter, der nie zur Ruhe kommt, der nie sich selbst in geselliger Freundscha

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