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Im Traum höre ich dich spielen Roman von Genova, Lisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Im Traum höre ich dich spielen

Virtuos, aufwühlend und zutiefst berührend - der neue Roman der Bestsellerautorin von STILL ALICE
Karinas Traum war eine glanzvolle Karriere als Pianistin. Für ihre große Liebe Richard verzichtete sie darauf. Als die Ehe scheitert, ist er ein gefeierter Star, und Karina fühlt sich um ihr Lebensglück betrogen. Jahre später erfährt sie, dass Richard unheilbar krank ist, und fasst einen Entschluss: Sie wird ihren Exmann zu sich holen. Doch was zunächst aus Pflichtgefühl geschieht, wird schon bald zu einer ungeahnten Chance. Karina begreift, dass Versöhnung so viel mehr sein kann als Frieden schließen, denn manchmal öffnet sie das Herz für einen lang ersehnten Neuanfang ...

'Genovas neuster Roman ist einer ihrer stärksten - ein sprachgewandtes und berührendes Porträt zweier Menschen, die im Angesicht einer verheerenden Diagnose ihren Frieden finden.' KIRKUS REVIEWS

'Lisa Genova gelingt es auf beeindruckende Weise, die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren lebendig werden zu lassen.' USA TODAY

Nach ihrem Psychologiestudium promovierte Lisa Genova an der Universität Harvard in Neurowissenschaft. Ihr Debütroman, Still Alice - Mein Leben ohne Gestern, entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller, stand lange auf der New-York-Times-Bestsellerliste und wurde mit Julianne Moore in der Hauptrolle fürs Kino verfilmt. Im Traum höre ich dich spielen ist Lisa Genovas fünfter Roman. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Massachusetts.

www.lisagenova.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560714
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Every Note Played
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Im Traum höre ich dich spielen

EINS

Wäre Karina fünfzehn Kilometer weiter westlich oder östlich aufgewachsen - in Gliwice oder in Bytom statt in Zabrze -, ihr ganzes Leben hätte einen vollkommen anderen Verlauf genommen. Schon als Kind hat sie daran nicht den geringsten Zweifel gehegt. Beim Schicksal zählt, wie bei Immobilien, auch die Lage.

In Gliwice hatte jedes Mädchen das angestammte Privileg, Ballettunterricht zu nehmen, und zwar bei Fräulein Gosia - eine bis zur Verhängung des Kriegsrechts gefeierte Primaballerina beim Polnischen Nationalballett. In dem ansonsten trostlosen Ort war es der Stolz eines jeden Mädchens, zu einer so herausragenden Lehrerin zu gehen. Diese Mädchen wuchsen gewissermaßen in ihren Trikots und mit dem tüllgesponnenen Traum auf, Gliwice eines Tages auf Spitzenschuhen trippelnd zu verlassen. Auch wenn Karina nicht weiß, was aus diesen Mädchen aus Gliwice im Einzelnen geworden ist, ist sie sich beinahe sicher, dass die meisten von ihnen - wenn nicht alle - dort hängen geblieben sind, als Lehrerinnen oder Bergarbeiterfrauen, und ihre unerfüllten Ballerina-Träume an ihre Töchter weitergegeben haben, Fräulein Gosias nächste Schülerinnengeneration.

Hätte Karina ihre Kindheit und Jugend in Gliwice verbracht, wäre sie mit größter Wahrscheinlichkeit nicht Ballerina geworden. Sie hat Plattfüße, fast ohne Wölbung und schrecklich breit; auch sonst ist sie eher stämmig gebaut, hat einen langen Oberkörper und kurze Beine, scheint eher fürs Kühemelken geschaffen als für pas de bourrées . Sie wäre nie der Star unter Fräulein Gosias Schülerinnen gewesen. Karinas Eltern hätten schon lange vor den ersten Spitzenschuhen aufgehört, für ihre Ballettstunden auf kostbare Eier und Kohle zu verzichten. Hätte ihr Leben in Gliwice begonnen, wäre sie immer noch in Gliwice.

Für die Kinder in Bytom, an derselben Straße weiter nach Osten, gab es keinen Ballettunterricht. Die Kinder von Bytom hatten die katholische Kirche. Die Jungen bereiteten sich auf das Priesterseminar vor, die Mädchen aufs Kloster. Nach einer Kindheit in Bytom wäre Karina vielleicht Nonne geworden. Ihre Eltern wären so stolz auf sie gewesen. Vielleicht wäre ihr ein genügsames, ehrwürdiges Leben beschieden, hätte sie Gott gewählt.

Doch was aus ihrem Leben wurde, hat nie wirklich in ihrer Hand gelegen. Sie ist in Zabrze aufgewachsen, und in Zabrze wohnte Herr Borowitz, der Klavierlehrer. Er blickte nicht wie Fräulein Gosia auf eine ruhmreiche Karriere zurück, und er hatte auch kein professionelles Studio. Vielmehr fand der Unterricht in seinem Wohnzimmer statt, das nach Katzenpisse, vergilbten Büchern und Zigaretten stank. Doch Herr Borowitz war ein guter Lehrer. Er war mit Leib und Seele bei der Sache, fordernd und fördernd, und vor allem lernte jeder Schüler bei ihm, Chopin zu spielen. In Polen wird Chopin genauso verehrt wie Papst Johannes Paul II und Gott. Polens heilige Dreifaltigkeit.

Karina ist zwar nicht mit dem geschmeidigen Körper einer Ballerina zur Welt gekommen, dafür aber mit den starken Armen und langen Fingern einer Pianistin. Sie kann sich noch an ihre erste Stunde bei Herrn Borowitz erinnern. Da war sie fünf. Die glänzenden Tasten, der augenblickliche Wohlklang, wenn man sie drückte. Es gefiel ihr sofort. Anders als die meisten Kinder, brauchte man sie nie zum Üben anzuhalten. Ganz im Gegenteil. Hör auf zu spielen, und mach deine Hausaufgaben. Hör auf zu spielen, und deck den Tisch. Hör auf zu spielen, du musst ins Bett. Der Lust zu spielen konnte sie nie widerstehen. Bis heute hat sich das nicht geändert.

Schließlich war das Klavierspiel ihr Freifahrschein aus dem repressiven Polen, nach Amerika, ans Curtis Conservatory und zu allem, was dann folgte. Diese eine Entscheidung - Klavier spielen zu lernen - hat wie der erste Dominostein alles Weitere in Gang gesetzt. Sie wäre in diesem Moment auch nicht zu Hannah Chus Abschlussparty unterwegs, hätte

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