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Inés meines Herzens Roman von Allende, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Inés meines Herzens

Als junge Frau verläßt Inés Suárez im 16. Jahrhundert ihr Heimatland Spanien, um auf dem wilden südamerikanischen Kontinent nach ihrem verschollenen Ehemann zu suchen. Ihn wird sie nicht mehr lebend finden, dafür aber ihre große Liebe: den Feldherrn Pedro de Valdivia, mit dem sie sich gegen alle Widerstände an die Eroberung Chiles macht. Mit viel Hingabe und Einfühlungsvermögen verleiht Isabel Allende in ihrem Weltbestseller der historischen Gestalt der Inés Suárez ein Gesicht und eine Stimme und nimmt ihre Leser mit auf eine packende Reise durch ein bewegtes und bewegendes Leben.

Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus . Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 394
    Erscheinungsdatum: 02.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518735251
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Inés del alma mía
    Größe: 2190kBytes
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Inés meines Herzens

Zweites Kapitel

Amerika, 1537 - 1540

Fünfunddreißig Jahre war Pedro de Valdivia alt, als er zusammen mit Jeró;nimo de Alderete nach Venezuela kam, in das "kleine Venedig", wie es die ersten Entdecker spöttisch genannt hatten, als sie der Sümpfe, Wasserläufe und Pfahlhütten ansichtig wurden. Von der zarten Marina Ortiz de Gaete hatte er sich mit dem Versprechen getrennt, er werde als reicher Mann heimkehren oder nach ihr schikken, sobald ihm das möglich wäre - ein schwacher Trost für die verlassene junge Frau - , und hatte, was er besaß, für die Reise ausgegeben, ja sich sogar dafür verschuldet. Wie jeder, der das Wagnis der Neuen Welt auf sich nahm, stellte auch er sein Vermögen, seine Ehre und sein Leben in den Dienst dieser Unternehmung, obwohl die eroberten Gebiete und der fünfte Teil ihres Reichtums - sofern es welchen gab - der spanischen Krone zustanden. Belalcázar hatte einmal gesagt, mit Ermächtigung des Königs heiße dieses Abenteuer Konquista, und ohne dieselbe bewaffneter Raubüberfall.

Die glitzernden Wasser, der puderige Sand und die schlanken Palmen der karibischen Strände empfingen die Reisenden in tiefem Frieden, doch der trog, denn kaum daß sie ins Landesinnere aufbrachen, umfing sie das Grün wie ein Albtraum. Mit Schwerthieben mußten sie sich einen Weg bahnen, Feuchtigkeit und Hitze raubten ihnen die Sinne, Mücken und nie gesehenes Geschmeiß gönnten ihnen keinen Moment Ruhe. Unter ihren Füßen gab der Boden nach, sie versanken bis über die Knie im schlickigen, fauligen Morast, kämpften sich schwerfällig und unbeholfen voran, waren übersät mit widerwärtigen Blutegeln, die sich an ihnen vollsogen. Sie wagten nicht, ihre Rüstungen abzulegen, aus Furcht vor den vergifteten Pfeilen der Eingeborenen, die ihnen lautlos und unsichtbar im Dickicht folgten.

"Wir dürfen diesen Wilden um keinen Preis lebend in die Hände fallen!" hatte Alderete gesagt und daran erinnert, daß der Eroberer Francisco Pizarro bei seinem ersten Vorstoß in den Süden des Kontinents mit einer kleinen Schar Männer in ein verlassenes Dorf eingedrungen war, in dem noch einige Lagerfeuer brannten. Hungrig hatten die Spanier die Deckel von den Töpfen gehoben und die Zutaten der Suppe gesehen: Köpfe, Hände, Füße und Eingeweide von Menschen.

"Das war weiter im Westen, als Pizarro Peru suchte", stellte Pedro de Valdivia klar, der über Entdeckungen und Eroberungen im Bilde zu sein glaubte.

"Die Cariben in dieser Gegend sind auch Kannibalen", beharrte Jeró;nimo.

Kein Anhaltspunkt bot sich im immergleichen Grün der Wildnis, die urtümlich war wie am ersten Tag, ein endlos im Kreis führendes Labyrinth ohne Zeit, ohne Vergangenheit. Sie mußten sich immer dicht am Ufer der Flüsse halten, wer sich nur wenige Schritte entfernte, den verschlang der Wald und gab ihn nicht mehr heraus, wie einen der Männer, der, von Angst und Albdruck um den Verstand gebracht, ins Farnkraut gewankt war und laut nach seiner Mutter gerufen hatte. Stumm quälten sie sich vorwärts, bezwungen schon fast von der abgrundtiefen Einsamkeit, dem elementaren Schrecken. Ins Wasser der Flüsse durfte man sich nicht wagen, der Blutgeruch lockte Massen von Piranhas an, die einem Christenmenschen binnen Minuten den Garaus machten; allein die weißen, säuberlich abgenagten Knochen blieben als Zeugnis, daß er je existiert hatte.

In dieser üppigen Vegetation gab es nichts zu essen. Es dauerte nicht lang, da waren ihre Vorräte aufgebraucht, und der Hunger wurde zur Qual. Zuweilen gelang es ihnen, einen Affen zu erlegen, und dann v

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