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In 11 Tagen zur perfekten Story Roman von Herrschaft, Lutz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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In 11 Tagen zur perfekten Story

Fünf Menschen sind verschwunden, doch dem Kommissar fällt dazu nichts ein; statt weiter zu ermitteln, tut er das, was er wirklich kann: Texte schreiben und sich in Frauen verrennen. Zwei Frauen haben sich gefunden und wieder verloren. Die eine verweht, die andere zieht es durch, bis zur totalen Auslöschung. Elf Tage in drei Jahrzehnten und parallelen Welten. Aber der Kommissar ist nicht blöd; er klärt uns darüber auf, wie man Menschen rückstandsfrei löscht. Allerdings tut er das viele Jahre, bevor die Verbrechen geschehen. Außer Stories gibt's nix.

Geboren 1962, 1991 Promotion in Philosophie, arbeitet als TV-Journalist in Mainz. 2007 Martha-Saalfeld-Förderpreis Veröffentlichungen: Böse Vögel. Eine Räuberpistole, 2004 (unter Pseudonym) Texte im Jahrbuch für Literatur 2007 und 2008 Gegenstand der Erkenntnis, 2011 Text in: Gegend Entwürfe, 2015

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 148
    Erscheinungsdatum: 11.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741219757
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 522kBytes
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In 11 Tagen zur perfekten Story

3. Mai 1991

Because you're young

Nachrichtenwelt

Die thüringische Gemeinde Werderoda und das oberfränkische Töglitz gründen einen gemeinsamen Schützenverein. Schirmherr ist der Staatssekretär des bayerischen Kultusministeriums.

Lebenswelt

Vor der Immatrikulationsanstalt findet Irina Platz auf einem Mäuerchen, dreht sich eine Zigarette und zündet sie an. Genau genommen hat Irina zwei Plätze gefunden, es jedoch versäumt, daraus einen zu machen. Da sie ihren Hintern zu nah an eine unbekannte Kommilitonin plaziert hat, setzt sich ein zotteliger Jungmann neben Irina. Er macht keine großen Umstände und gibt sich durch Akzent und Begehr sofort als Ami zu erkennen. Wanna talk? I wanna talk about Jesus! Jesus? What a disgrace, the man's name is Brian, you oughta know that, for fuck's sake, sagt Irina und rennt weg von der Anstalt, über eine rote Ampel, es ist ziemlich knapp und wird von Gehupe und dem unvermeidlichen "Du ... " aus offenen Autofenstern begleitet (in Autos ist man mit jedem per Du, hat mal einer geschrieben), sie setzt sich auf eine Grünanlagenbank, raucht weiter und schreibt auf einen Zettel Wörter, die in den anstehenden Jahren vermutlich mehrfach ihre Bedeutung ändern werden. Seele (ach du Scheiße), Bewußtsein (trübungsanfällig), Störung (Konstrukt), Familie (Geburt der Gewohnheit aus dem Geist des Gemetzels).

Gesellschaft, wie wäre es damit, sagt eine Frauenstimme, und schon wieder hat Irina einen fremden Hintern neben sich. Hi, ich bin Cleo, stellt sich die Frau vor. Hab dich eben vor der Uni gesehen, hast dich gerade eingeschrieben, oder?

Nee, ich hab meine Stütze abgeholt, und meine Ration Doppelkorn; den hab ich aber schon auf dem Klo gesoffen. Kann dir nicht weiterhelfen, Schwester.

Ich kauf uns zwei neue. Geiler Iro übrigens, sieht man ja heute kaum noch. Wie heißt du eigentlich?

Brunhild, sagt Irina. Zweitname Chloe - oder Chole? Ach nee, Cholera, irgendso ein Parfumdings halt.

Machst du auch Psycho, fragt Cleo.

Du nervst, Schwester. Es heißt Psy-cho-lo-gie, der logos von der psyche, das ist nix, wofür man sich schämen und wovon man sich durch einen zwanghaft gelassenen Jargon distanzieren müßte.

Jetzt hält sie die Schnauze, mal sehen, wie lange, denkt Irina, die bislang in die Grünanlage geschaut hat. Nun scannt sie Cleo aus dem Augenwinkel. Kein böses Gesicht, gute Augen. Geht fürs erste als arglose Natur durch.

Ich schäme mich überhaupt nicht für mein Studienfach, das wäre ja komplett blöd, ein Fach unter zig verschiedenen frei zu wählen, obwohl oder am Ende noch weil man sich dafür schämt. Wenn mir nichts anderes übrig bliebe als Klos zu reinigen, könnte ich mich eventuell schämen, aber selbst das wäre doch blöd, weil es muß ja einer tun und viel eher sollten sich die schämen, die so eine Klofrau von oben herab ...

Ist ja gut, Schwester. War nicht so gemeint, war gar nicht gemeint. Wir reden einfach, oder?

Cleo erkundigt sich nach Irinas Alter; zwar habe sie, Brunhild, sich heute immatrikuliert, wirke aber nicht wie Achtzehn oder Neunzehn. Sie habe sicher ein paar Jahre gejobbt. Na, ich kann mich beherrschen, sagt Irina. Jobben, was ne Scheiße. Nee, man kann seine Zeit auch anders totschlagen. Mit Zeug zum Beispiel, ist ein Philosophenwort.

In der öffentlichen Grünanklage (geiler Kalauer, denkt Irina) wird es lebendig. Zwei ältliche Frauen, Hautlappen unter dem Kinn, verhauene Figur (Körpermittenfett zwischen ausgelaufenen Titten und Fladenarsch), böse Augen unter Brillen Marke Scheißegal, führen ihre Rudel zusammen. Jede beaufsichtigt sieben oder acht Köter, je mehr von den Viechern, desto artgerechter, das trägt man seit einiger Zeit, das haben die aus der Glotze, denkt Irina, seid gut zu euren Kötern, sonst hauen die euch auch noch ab, obwohl ihr sie gerade erst aus Kreta oder Teneriffa befreit habt (früher habt ihr eure Stecher a

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