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In einer Bar unter dem Meer Erzählungen von Bauer, Christoph W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2013
  • Verlag: Haymon
eBook (ePUB)
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In einer Bar unter dem Meer

Der Dichter mit dem Schlapphut, der Professor mit dem pissgelben Fahrrad, der Künstler in der pikanten Pose, die Schauspielerin und ihr Traum vom Meer - die Figuren in Christoph W. Bauers Erzählungen mögen auf den ersten Blick verschroben wirken. Dabei sind sie vertrauter, als einem lieb ist: Sie trauern verpassten Chancen nach, verrennen sich in Träume, sind unglücklich in ihren Berufen, sprechen von Treue und wandern von einem Bett ins andere, geben sich kühl und erfahren, im nächsten Moment innig und schmachtend. In den unterschiedlichsten Tonarten sprechen sie an, was wir alle kennen: Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und Verlust. Temporeich und direkt sind Bauers Geschichten, manchmal kurz und energisch wie ein Punksong, manchmal eigenbrötlerisch und elegisch wie ein Blick aufs Meer. Dabei oft von einer bestechenden Komik und voll plötzlicher Wendungen, die unversehens den Blick öffnen auf eine Wirklichkeit, die uns alle betrifft.

Christoph W. Bauer, geboren 1968 in Kärnten, aufgewachsen in Lienz/Osttirol und Kirchberg/Tirol, lebt derzeit als Autor in Innsbruck. Lyrik, Prosa, Essay, Hörspiel ('Und immer wieder Cordoba', ORF 2006, zuletzt: 'Franzens Feste', ORF 2010), Übersetzungen. Bei Haymon: wege verzweigt. Gedichte (1999), die mobilität des wassers müsste man mieten können. Gedichte (2001), fontanalia.fragmente. Gedichte und Prosa (2003), Aufstummen. Roman (2004), AHOI! Gedichte aus 25 Jahren Haymon Verlag (Hrsg., 2007), Im Alphabet der Häuser (2007), Graubart Boulevard (2008), Als Kind war ich weise (Hrsg., 2009), Der Buchdrucker der Medici (2009), gemeinsam mit Anton Christian schweben im kopf (2010) sowie zuletzt die Gedichtbände mein lieben mein hassen mein mittendrin du (2011) und getaktet in herzstärkender fremde (2011) und der Porträtband Die zweite Fremde. Zehn Jüdische Lebensbilder (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 03.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709973066
    Verlag: Haymon
    Größe: 1834kBytes
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In einer Bar unter dem Meer

Zwei plus eins

Der Tag, an dem ich für verrückt erklärt wurde, war der zweitglücklichste Tag meines Lebens. Dabei begann er alles andere als verheißungsvoll. Ich erwachte mit schwerem Schädel, quälte mich aus dem Bett und hinaus auf den Gang, wo ich über ein Fahrrad stolperte. "Schau an", sagte ich, "schau an, ein Fahrrad, ja, wem mag wohl dieses Fahrrad gehören", war mittlerweile im Bad und vorm Spiegel, aus dem ein Gesicht mir auf den Kopf zu sagte: "So weit hast du es also gebracht." Die mir seit Jugendtagen vertraute Anrede hatte mich nicht schrecken können, dennoch war ich nahe daran, die Kontrolle über meinen Schließmuskel zu verlieren. "Was ist los", fuhr mein Gegenüber fort, "hat es dir die Rede verschlagen? Wäre es dazu nicht schon viel früher an der Zeit gewesen? Nun beginnt es zu arbeiten hinter deiner Stirn, ich sehe es dir an."

Zu arbeiten begann es vor allem in meinen Oberschenkeln, sie leiteten ein Zittern ein, das bald den ganzen Körper erfasste. Ich ging etwas in die Knie, Hände am Beckenrand, Kinn zunächst nach unten, dann in Gegenbewegung –

"Gut, ich will dir auf die Sprünge helfen", hatte mein Vis-à-vis mich wieder unter Kontrolle. "Du hast es gestern Abend erneut verabsäumt, dich zu überraschen, was deinem Dasein vielleicht keinen Halt gegeben, ihm aber zumindest die Haltlosigkeit genommen hätte."

Mich schwindelte, ich tastete nach dem Kaltwasser-hahn, hielt die Hände unter den Strahl. Nur bedingt wurde mir klarer, mutmaßlich jedoch aufgrund der Frage:

"Blond, schwarzhaarig?"

Ich stürmte aus dem Bad, sie war brünett, doch das spielte nun wirklich keine Rolle, ich stieß mich abermals am Fahrrad, wichtiger war, ob sie – fluchend trat ich ins Schlafzimmer, sie schrak auf, sah mich verstört an, was mich kurz aufatmen ließ. Hätte sie mich dann nicht angelächelt, wäre mein Problem zwar nicht gelöst, aber immerhin vereinfacht gewesen, so jedoch hatte ich ein doppeltes, denn nun war ich augenscheinlich zwei. "Du kennst mich also", keuchte ich, ihr Lächeln fror ein, sie schlug die Bettdecke zurück. Sie stand auf, sammelte ihre auf dem Fußboden verstreuten Kleidungsstücke ein.

"Versteh mich bitte nicht falsch", stockte ich, "ich kenne dich ja auch, aber –"

"Was du nicht sagst", unterbrach sie mich, schloss ihren BH . Mir war zum Schreien, sie kapierte einfach nicht, linkes Hosenbein, rechtes, sie zog das T-Shirt verkehrt herum an. "Mona", sagte ich – "Ach, meinen Namen kennt er auch" – "Mona, hör auf mit dem Unsinn, schau mich doch an: Das bin nicht ich."

"Das wünschst du dir nur", erwiderte sie, maß mich mit spöttischem Blick. Um mich irgendwie zu bedecken, griff ich zum Polster, warf ihn zurück aufs Bett, hatte andere Sorgen. "Jetzt pass mal auf, Johannes Strammer", fuhr sie fort, "wir wollen kein Drama aus der Sache machen. Warum nicht, das haben wir uns gestern Nacht in der Bar gefragt und sind dann in deinem Bett gelandet. Ein gemeinsames Frühstück hätte ich mir noch erwartet, mehr nicht. Also komm mir nicht mit Sprüchen, es entspräche nicht deiner Art, gleich mit jeder und so weiter, denn eigentlich wärst du ja ganz anders."

"Dein T-Shirt", sagte ich und sie, "fick dich selbst", ich konnte kaum mit ihr Schritt halten, folgte ihr auf den Flur, brüllte: "Dann nimm wenigstens dein beschissenes Fahrrad mit." Es gehöre nicht ihr, entgegnete sie, die Wohnungstür fiel ins

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