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In Liebe, Layla Roman von Barrows, Annie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2016
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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In Liebe, Layla

Sommer 1938: Layla Beck, Senatorentochter aus Washington, wird nach einer geplatzten Verlobung von ihrem Vater enterbt und in das verschlafene Örtchen Macedonia in West Virginia geschickt, wo sie als Stadtschreiberin fungieren soll. Layla tobt vor Wut, in ihren Augen kann sie dort nur völlig verrückt werden vor Langeweile. Und so erreicht sie die Stadt mit nur einem Ziel: so schnell wie möglich wieder von dort zu verschwinden. Die Geschichte des kleinen Ortes scheint für dieses Vorhaben auch bestens geeignet zu sein, denn sie ist äußerst kurz und ereignislos. Doch als Layla ihr Zimmer im Haus der Romeyns bezogen hat und die Bewohner näher kennenlernt, wird ihr schnell bewusst, dass das Leben dort einige Überraschungen für sie bereithält. Auch hinter der Fassade der altehrwürdigen Strumpfwarenfabrik scheint mehr zu stecken, als man ihr anfangs sagen will. Und am Ende wird Layla nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch die von manchen Bewohnern kräftig durcheinanderwirbeln und völlig neu schreiben.

Annie Barrows, geboren 1962 in San Diego, Kalifornien, schrieb gemeinsam mit ihrer Tante den Überraschungserfolg "Deine Juliet". Der charmante Roman über den Briefwechsel der temperamentvollen jungen Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf entwickelte sich zum Longseller. Annie Barrows lebt in Berkeley, Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 11.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641175825
    Verlag: btb
    Originaltitel: The Truth According to Us
    Größe: 1179kBytes
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In Liebe, Layla

1

I m Jahr 1938, dem Jahr, als ich zwölf wurde, feierte meine Heimatstadt Macedonia in West Virginia ihr hundertfünfzigstes Jubiläum. In der Schule ehrten wir den Anlass entsprechend, so wie wir die meisten Anlässe ehren: mit lebenden Bildern, die wir auf der Bühne darstellen sollten, eines für jedes große Ereignis in der Geschichte Macedonias. Viele Ereignisse gab es nicht, kaum genügend, um sie über acht Klassenstufen aufzuteilen. Doch die Lehrkräfte ergänzten sie, so gut es eben ging. Hätte es den Sezessionskrieg nicht gegeben, ich weiß nicht, was sie getan hätten. Denn als sich Virginia von der Union lossagte, spielte das westliche Virginia verrückt, spaltete sich vom übrigen Virginia ab und kehrte sogleich wieder in die Union zurück, alle Bezirke - bis auf vier kleine, einer davon unserer, die West Virginia die Zunge herausstreckten und sich als Teil der Konföderierten Staaten von Amerika verstanden, eine Dreistigkeit, die noch jahrelange Auswirkungen auf unsere Straßenpflaster und Schulbänke nach sich ziehen sollte.

In einem Tal zwischen den beiden Flüssen Potomac und Shenandoah gelegen, war Macedonia gleichermaßen ein Knotenpunkt für Generäle wie auch für Eisenbahnschienen, und bis General Robert E. Lee in Appomattox kapitulierte, war die Stadt siebenundvierzig Mal in andere Hände übergegangen, sechs Mal davon innerhalb eines einzigen Tages. Unsere Lehrkräfte malten uns nur allzu gern bildlich aus, wie die Einwohner beim Einmarsch der Unionstruppen ihre Konföderiertenflaggen in den Kamin stopften und sie beim Abzug der Soldaten wieder herauszerrten. Die Viert-, Fünft- und Sechstklässler bekamen die Kriegsszenen, und die Siebt- und Achtklässler zogen den Kürzeren, weil nach 1865 rein gar nichts in Macedonia passiert war, außer, dass der Lokschuppen in die Luft geflogen war und die American Everlasting Strumpfwarenfabrik ihre Tore geöffnet hatte. Die halbe Stadt arbeitete in der Strumpfwarenfabrik, und die andere Hälfte wünschte es sich, aber es gab kaum etwas an der Fabrik, das sich für eins unserer lebenden Bilder eignete. Manchmal gaben die Lehrkräfte auf und schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe, indem sie die Siebtklässler mit Strümpfen wedelnd über die Bühne marschieren ließen, während die Achtklässler hinter ihnen "The Star-Spangled Banner" sangen. 1938 zog die achte Klasse das große Los, weil Mrs. Roosevelt durch die Stadt fuhr. Sie hielt auf dem Marktplatz an, trank von dem aus einer Schwefelquelle gespeisten Brunnen, schnitt eine Grimasse und brauste davon. Das reichte völlig für ein Bild, bloß dass die Mrs. Roosevelt der achten Klasse keine Grimasse schnitt, sondern sagte: "Die Einwohner von Macedonia können sich glücklich schätzen, die Vorzüge von gesundem Mineralwasser zu genießen." Meine Schwester Bird und ich lachten so heftig, dass wir aus dem Saal geschickt wurden.

Sobald der Vorhang nach dem letzten Bild gefallen war und man uns zurück in die Klassenzimmer getrieben hatte, ging ich davon aus, dass die Feierlichkeiten zu Macedonias Hundertfünfzigjahrfeier zu Ende waren. Hatten wir nicht eben einhundertfünfzig Jahre Geschichte in gerade einmal dreiundzwanzig Minuten abgehandelt? Jawohl. Aber nicht einmal eine Woche später folgte die Parade am Decoration Day, und das war der eigentliche Beginn der Hundertfünfzigjahrfeier, wie mir später bewusst wurde. Noch später wurde mir klar, dass alles an diesem Tag begann. Alles, was sich im Laufe des Sommers aus seinen Fundamenten lösen würde, fing am Morgen der Parade leicht zu wackeln an. Damals hörte ich zum ersten Mal von Layla Beck, ich begann, meinen Vater infrage zu stellen, und als ich bemerkte, welche Lügen man mir auftischte, entschied ich, meine Kindheit hinter mir zu lassen. Natürlich habe ich mich seitdem gefragt, inwiefern mein Leben - und auch das meines Vaters und meiner Tante Jottie - anders verlaufen wäre, hätte ich an jenem Morgen beschlossen, zu Hause zu bleiben. Das b

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