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In unseren Herzen die Welt Die Van Pelt Protokolle von Kane, Virgil (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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In unseren Herzen die Welt

Am Samstag, den 23. März 2019, brach am späten Nachmittag in der van Pelt Klinik im schweizerischen Luzern ein Feuer aus. Die Klinik, ein früheres Luxushotel, hoch über der Stadt gelegen und mit einem traumhaften Blick über den Vierwaldstädter See, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Für Victor van Pelt, den Erben der gleichnamigen Tabak-Dynastie, der dort in einem Privatflügel behandelt wurde, kam jede Hilfe zu spät. Dies sind die wörtlichen Abschriften der Protokolle, die bei Gesprächen mit Personen aus dem Umfeld des Opfers angefertigt wurden. In den Texten werden zwar Theorien über Hergang und Auslöser der Katastrophe angeführt, diese schlussendlich zu beweisen, gelang den Ermittlungsbehörden jedoch bis heute nicht. Virgil Kane ist das Pseudonym eines Autors aus dem süddeutschen Raum. "In unseren Herzen die Welt" ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 688
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783749490332
    Verlag: Books on Demand
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In unseren Herzen die Welt

1. Phil

Mein Name ist Philipp Deckert. Freunde nennen mich Phil. Beides ist für mich ok, ich bin für jeden Strohhalm dankbar. Mein altes Ich heißt rückblickend Techno, wegen der Musik. Techno war der Boss bis vor ungefähr einem Jahr. Er war bei mir, seit ich denken konnte. Dann wurde er durch mein neues Ich abgelöst. Das neue Ich heißt Beethoven, auch wegen der Musik. Aber lasst mich der Reihe nach erzählen, ich komme sonst schnell durcheinander, es ist viel passiert.

Alles nahm seinen Anfang zum Jahreswechsel 2016/17. Ich weiß noch, dass ich Silvester zuerst überhaupt nicht feiern wollte. Es kam mir alles so verlogen und sinnlos vor. Wir teilen unsere Lebenszeit in Jahreshäppchen ein und vernaschen eines nach dem anderen. Ich weiß noch, wie wir als Kinder davon sprachen und prahlten und davon träumten, was wir wohl tun würden, wenn wir mal groß wären. Später wurde Großsein dann zu Erwachsensein und wir fantasierten uns in künftige Welten. Jeder von uns sein eigener Zukunftsforscher und Glaskugelblicker und Luftschlösserbauer und ständig mit den Gedanken anderswo, als im gegenwärtigen Augenblick. Das alles erschien uns völlig normal und den meisten geht es wohl heute noch so. Wir verlassen den Moment und erzählen davon, was wir im nächsten Sommer machen möchten, in den nächsten Ferien, nächstes Weihnachten. Die ganz Mutigen wagen sich an Fünf-Jahres-Pläne. In fünf Jahren bin ich Abteilungsleiter, in fünf Jahren haben wir zwei Kinder, steht unser Haus, kaufe ich den Porsche, reise ich zum Mars, heirate ich Helene Fischer. Und das sind noch die einfachen Sachen. Denn wir alle balancieren auf der schmalen Klinge zwischen Vorhaben und Traum, weit genug weg, um nicht ins Detail gehen zu müssen, vage genug, um keine konkreten Schritte zu planen. Ok, die Konzertkarten für Helene könnte man wohlwollend als ersten Step abhaken. Schon der nächste Schritt auf dem Weg zum Altar, zusammen mit der Schlagergöttin, läge allerdings bereits komplett im Dunkeln.

Noch schwieriger sind die naheliegenden Vorhaben. Was will ich heute mit meinem Leben machen? Wie kriege ich dieses Ich in mir für die nächsten fünf Minuten satt und zufrieden und welche Unterhose ziehe ich an? Klingt einfach, sagt ihr. Ja, stimmt, das dachte ich auch bis vor kurzem noch. Aber habt ihr mal ein wenig nachgebohrt wer dieser Troll eigentlich ist, den ihr da tief in euch drin füttert? Schon mal überlegt woher er kommt und ob er schon immer da war? Schon mal die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist, Bewusstsein analysiert oder euch zumindest darüber gewundert, wie das alles so zusammenpasst? Nein, oder? Ihr könnt es ruhig zugeben, ging mir genauso. Früher waren mir solche Dinge völlig klar: Mein Körper war ein Werkzeug, der Geist das mehr oder weniger helle Licht in der Birne und das Ich saß irgendwo dicht hinter den Augen und war der Chef im Ring. Meine Güte, warum sollte man sich darüber auch Gedanken machen? Da gab es tausend andere Dinge, die viel wichtiger waren und meine bescheidenen Kapazitäten voll ausgelastet hatten. Je mehr ich jetzt über diese Dinge lerne, desto gespenstischer wird alles.

Techno verließ mein Leben und meinen Körper während dieser Silvester-Elektro-Beat-Party drüben im Dungeon . Die Leute haben mir später erzählt, ich wäre auf der Tanzfläche umgekippt wie ein nasser Sack. Der Arzt sagte, sie hätten die gebrochene Nase wieder zurechtgebastelt und er murmelte etwas von einem Aneurysma im rechten Frontallappen und dass sie die Blutung rechtzeitig gestoppt hätten. Rechtzeitig ist allerdings so eine Sache. Für Techno war es wohl zu spät. Beethoven dagegen ist begeistert. Zuerst habe ich gar nicht bemerkt, dass er sich zu mir hereingeschlichen hatte wie der Erlkönig im Regen. Ich habe erst davon erfahren, als mich wildfremde Leute seltsam von der Seite ansprachen. Sie nannten sich meine Freunde und erzählten mir wirre Sachen, von denen ich noch nie gehört hatte. Ei

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