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Ins Licht gerückt von Östergren, Klas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2015
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Ins Licht gerückt

Klas Östergren lässt seinen Erzähler auf drei sehr verschiedene Persönlichkeiten treffen. Da ist ein Autor für Soap Operas, ein zynischer und unglücklicher junger Mann, der sein Leben und seine Werte von Grund auf infrage stellen muss. Da ist eine Politikerin in Brüssel, die sich in einem Netz aus Lügen und Erpressung verwickelt sieht, weil sie bei einem Banküberfall die falschen Worte ausgesprochen hat. Und da ist der schweigsame Einzelgänger, der plötzlich als jovialer Mensch auftreten möchte. Gekonnt vermag der Erzähler, zugleich Freund und distanzierter Beobachter, in die Seele eines jeden zu blicken. Klar wird: nichts und niemand ist, wie es scheint, und genau mit dieser Erkenntnis und Vielschichtigkeit seiner Figuren spielt der begnadete Autor Klas Östergren. Klas Östergren wurde 1955 in Stockholm geboren und gehört zu den beliebtesten und meistgelesenen Autoren Schwedens. Sein Roman "Gentlemen" machte ihn 1981 schlagartig berühmt und wurde ebenso wie die Fortsetzung "Gangster" (2005) zum Bestseller. Beide wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Für sein literarisches Schaffen erhielt Östergren zahlreiche Auszeichnungen, außerdem ist er als Drehbuch- und Bühnenautor tätig und machte sich als Übersetzer von J. D. Salinger, Henrik Ibsen und Harold Pinter einen Namen. 2014 wurde er ins Komitee für den Literaturnobelpreis berufen. Bei Kein & Aber erschien bereits der Roman "Porträt eines Dandys" (2011). Er lebt mit seiner Familie an der Küste Südschwedens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 30.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036993003
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 2617 kBytes
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Ins Licht gerückt

D IE KELLNERIN NAHM EIN GLAS VOM REGAL und hielt es in den Schein einer Lampe, um zu sehen, ob es sauber gespült war, da warf plötzlich eine Reflexion vom Rand des Glasfußes einen Strahl scharfen Lichts in mein Auge. Das kam wie ein Vorbote, wie die Ankündigung eines anderen, größeren Lichts, der Schärfe, Klarheit und zufälligen Leichtigkeit der Gedanken, die sich bald einfinden sollten.

"Bordeaux?" Noch bevor ich antworten konnte, hatte sie mir eingeschenkt und das Glas auf den Tresen gestellt. Sie blieb noch einen Moment bei mir stehen, lächelte, obwohl noch andere Gäste darauf warteten, bestellen zu können. Vermutlich erwartete sie, dass ich etwas sagen würde, erklären, warum ich ihre Bar so lange nicht mehr besucht hatte. Es gab einen Grund, aber der hatte sich abgekühlt - glaubte ich; die meisten Dinge, die einen sehr stark berühren, werden einen früher oder später weniger stark berühren und schließlich, wenn man nur lange genug lebt, überhaupt nicht mehr. Ich schwieg also. Mit einem Achselzucken ging sie zu den anderen, mehr zum Plaudern aufgelegten Gästen. Ich kam mir ein klein wenig unhöflich vor. Sie wäre ja mit so wenig zufrieden gewesen. Sogar eine harmlose Notlüge hätte ausgereicht.

Falls es sie überhaupt interessierte. Eine so routinierte Kellnerin wie sie sieht natürlich ganz genau, wann es angezeigt ist, mit einem Gast ein Gespräch zu beginnen. Vielleicht schien ihr das schweigende Betrachten eines Weinglases andachtsvoll genug, als sei dieses Sakrament mit der Ehrfurcht empfangen worden, die es verdiente. Das erhabene Lebensgefühl, das sich bald bei mir einstellen sollte, ist eine Gnade, die zu gleichen Teilen der Verdichtung und der Auflösung entspringt: der eigenartigen Begegnung zwischen den veredelten Kenntnissen von Generationen und dem momentanen Bedürfnis nach Vergessen. Denn genau so wirkt diese Droge: Statt sich mit qualvollen Erinnerungen zu beschäftigen, öffnet sich das Bewusstsein für neue Wahrnehmungen, begleitet von Gedanken, die sich ungehindert von einem Thema zum nächsten bewegen - nur um diesem Moment eine Chance zu geben, sich zu behaupten, diesem Hier und Jetzt eine Größe zu verleihen, die man einem regnerischen Nachmittag nur selten zugesteht, einer sinnlosen Pause zwischen zwei sinnlosen Terminen in Stockholm.

Aber das Glas blieb unberührt stehen, bis diese leichte Arroganz sich gelegt hatte. Sie beanspruchte Platz, stand im Weg. Das hing zusammen mit einer Idee oder einer Vorstellung, die bei meinem letzten Besuch aufgetaucht war. Es irritierte mich und machte mich abwesend, wenig mitteilsam. Also unhöflich. Wenn ich der Kellnerin gegenüber irgendetwas in dieser Richtung angedeutet hätte, dann hätte sie es geleugnet, und das so erfolgreich, mit ihrem überzeugenden Lächeln, dass ich an meiner Fähigkeit zum Austausch von Blicken, Gebärden oder kaum sichtbaren Signalen, die zum regen Verkehr an einer Bartheke gehören, gezweifelt hätte. Sie hätte mich noch mehr verunsichert. Ich wich also ihrem Blick aus, wenn sie vorbeiging, das Gefühl wollte nicht weichen, und das Glas blieb unberührt.

"Hat er Kork?" Sie blieb stehen, beugte sich vor und inspizierte die Oberfläche der blauvioletten Flüssigkeit.

"Da nicht, aber vielleicht hier ..." Ich zeigte mit einem Finger auf meine Schläfe. Sie schaute mich an, lächelte wieder und sagte:

"Du wirst allmählich grau."

Wenn man eine ehemals lieb gewonnene Gewohnheit, mit der man gebrochen hat, wieder aufnimmt, dann bekommt der Abbruch als solcher ein Gewicht, das man anerkennen und beachten muss. Einfacher ist es mit einer Gewohnheit, mit der man für immer gebrochen hat, dieses Verhalten gehört der Vergangenheit an, es wird sich nicht mehr wiederholen, weil die Zeiten und man selbst sich verändert hat. Wenn die Gewohnheit jedoch wieder aufgenommen wird, nachdem sie jahrelang geruht hat, dann gibt es oft einen aufmerksamen Beobachter im Umfeld, der diese Kl

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