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Interview Erzählung von Bungert, Klauspeter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2016
  • Verlag: Verlag 28 Eichen
eBook (ePUB)
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Interview

Daß Fredi nicht mehr spielt, finde ich jammerschade. Fredi war oder ist ein begnadeter Begleiter von Sängern. Der spielt fantastisch vom Blatt und begreift sehr schnell. Als Sänger willst du getragen werden. Du bist ein Boot und unter dir trägt dich der Ozean. Schmiegt sich jeder deiner Biegungen an, aber umhüllt dich und trägt dich. Und so ein Pianist war oder ist Fredi. Ein netter Mensch. Ich lernte ihn in meiner Anfängerzeit kennen. Gott, zwanzig Jahre ist das schon her. Fredi lebte damals mit einer sehr zierlichen mageren Frau zusammen. Sie war fast stumm, älter als er. Sie umschwebte ihn wie ein guter Geist. Vielleicht hat sein Verstummen damit zu tun, daß diese Beziehung auseinanderging und er keine gleichwertige Beziehung wieder fand. Ich glaube, Fredi wurde mit der Einsamkeit nicht mehr fertig.

Klauspeter Bungert hat einen Namen als Konzertbegleiter, Pianist und Organist in Trier, widmet sich daneben aber schon lange der Literatur. Veröffentlichungen über Conrad Ferdinand Meyer und César Franck in den 1990er Jahren. Herausgabe der Hörbuchedition 'Conrad Ferdinand Meyer - Das Gesamtwerk vollständig auf 5 MP3-CDs gelesen von Klauspeter Bungert' 2008. Aufführungen des Streichquartetts von César Franck in einer eigenen Klavierübertragung seit 2011, auf CD 2015.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 10.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960270102
    Verlag: Verlag 28 Eichen
    Größe: 243 kBytes
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Interview

Gerdbacher

He, Fred, he!

Er guckt nicht.

He, kennst du mich nicht mehr?

Er winkt jetzt rüber ... und geht weiter.

Nicht zu fassen. Dieser begnadete Mensch. Und jetzt, Hilfshausmeister, nicht einmal: Hilfshausmeistergehilfe. Leert und überwacht die Mülleimer im Haus, saugt das Laub im November auf. Hörte ich richtig?

He, Fred, ich habe Termine für dich. Mareike kommt. Eine kleine Adventsmuggentournee. Mareike freut sich so auf die Zusammenarbeit mit dir. Du kannst das Mareike und mir nicht antun. Enkirch, Idar Oberstein, Daun haben zugesagt. Ein, zwei Termine bei uns. Vielleicht Bad Kreuznach noch und Münster am Stein. Wir kriegen wieder ein halbes Dutzend Konzerte zusammen.

Sagen Sie, ist der taub geworden?

Der kommt nicht. Sie können sich den Mund fusselig reden. Er wird nicht reagieren.

Am Telefon nichts, Post nichts. Früher hat der sich nicht zweimal bitten lassen, wenn man ihn brauchte, er war immer zur Stelle. Eigentlich verwunderlich, bei der Klasse, die er hat. Andere sind über zwei, drei oder fünf Jahre im voraus ausgebucht. Nicht so er. Seltsam war das schon. Vorteilhaft freilich für uns kleine Veranstalter. Schauen Sie, Mareike habe ich herausgebracht, nicht ich persönlich, aber man hat so seinen kleinen Einfluß. Mareike singt jetzt an großen Häusern, Carmen und so. Mit meinem Kulturreiseunternehmen wird man für manche Häuser wichtiger Stammkunde. Und wenn man, bei manchem Verdi oder Puccini ist das so, drei, vier, manchmal, fünf, sechs, einmal waren's sogar sieben, Vorstellungen aufkauft, dann wird man zu einem Faktor, an dem kein Intendant vorbeikommt.

So habe ich dem Intendanten von Wittenberg von Mareike gesprochen. Die Mareike ist gut, hören Sie die Mareike an! Er hat sie angehört und sie wurde engagiert. Das war der Anfang. Inzwischen hat Mareike in Bayreuth vorgesungen und wurde auf die Warteliste gesetzt. Das heißt, sie ist dem Leiter der Bayreuther Festspiele aufgefallen und hat beste Chancen, einmal in die Fußstapfen bedeutender Bayreuth-Sängerinnen zu treten.

Aber doch nicht gleich die Brangäne.

Sie kennen sich aus?

Meine Freundin entführte mich jüngst zu meinem ersten Opernbesuch.

Natürlich nicht gleich das höchste. Wenn Sie in fünf Jahren eine der Rheintöchter bekommt, ist das ein großer Erfolg. Aber Sie waren vorher nie in der Oper?

Nie.

Das ist schade.

Und Fred Reichel hat Mareike am Flügel begleitet, wenn sie in der Gegend gastierte?

Am Flügel und an der Orgel.

Da muß ich Ihnen ein Ding erzählen. Vor Jahren, Fred war noch ein ganz junger Mann. Eine von mir veranstaltete kleine Eifel- und Hunsrück-Adventsmuggentournee.

Muggen?

Das sagen die Musiker zu Veranstaltungen an untergeordneten Plätzen und für kleinere Auftritte allgemein.

Das Brot des Künstlers.

So ungefähr. Dabei: Peter Miljitsch, Trompete, Fred Reichel, Orgel. Simmern. Konzertbeginn 18 Uhr. Wir kommen an, eine Stunde früher. Wir stimmen ein, Orgel und Trompete passen nicht zusammen. Was ist mit der Orgel los? Der Küster der Kirche wird gefragt. Cornettstimmung! Cornettstimmung sagt Ihnen nichts? Cornettstimmung bedeutet, die Orgel steht einen halben Ton höher. Wenn Sie die Taste C drücken, klingt ein Cis, wenn Sie die Taste D drücken, klingt ein Dis und so fort. Peter Miljitsch und ich brachen in Schweiß aus. Packungen von Taschentüchern verbrauchten wir. Gleich kommen schon die ersten Konzertbesucher. Müssen wir absagen?

Fred, du dummer Kerl. He, macht das Laubsaugen Spaß?

Fred unterdessen zieht und drückt in aller Gemütsruhe die Registerzüge, um die Klangfarben der Orgel zu probieren, und schwitzt kein bißchen. Auf einmal sagt er: Die Orgel steht einen halben Ton höher, also spiele ich die Noten einen halben Ton tiefer. - Aber müßt ihr das nicht erst probieren? - Wann denn? In einer halben Stunde kommen die Leute. Es wird gehen. Ich spiele

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