text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Jahre der Jugend von Federn, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
1,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Jahre der Jugend

Karl Federn ( 2. Februar 1868 in Wien, 22. März 1943 in London) war ein österreichischer Jurist, Übersetzer und Schriftsteller. Er emigrierte 1933 nach Dänemark und ging 1938 nach London, wo er sich einen Namen als Kritiker des Marxismus machte. Sein Buch "Hauptmann Latour" wurde in Deutschland von den Nationalsozialisten verboten. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 287
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956765032
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 387kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Jahre der Jugend

I

Die Glocke auf dem kleinen Dampfer läutete. Auf der Landungsbrücke und auf den Kieswegen vor dem Hotel standen plaudernde Menschen, meist Damen in hellen Sommerkleidern. Drei Personen, die bereits einige Zeit in Gespräch vertieft auf dem Verdeck gesessen, zwei Herren und eine Dame, standen jetzt auf und nahmen mit Dank und Lächeln und Reisewünschen von einander Abschied.

"Meine liebe Helene," sagte der eine Herr, - der nicht in Reisekleidung war, - indem er die Hand der Dame herzlich in beiden Händen festhielt, "euer Besuch ist mir wirklich eine große Freude gewesen ... Und zu Weihnachten schickt ihr mir euren Jungen ..."

"Zu Neujahr, Richard. Zu Weihnachten will ich ihn noch für mich haben." Sie blickte suchend durch das Gedränge der Passagiere, die auf das Verdeck strömten. "Du weißt, ich bin eine bescheidene Mutter ...", fuhr sie fort.

"Aber ich hege die größte Meinung von meinen Kindern ...", ergänzte der andre Herr lächelnd.

"O Carl, wenn ich dich verraten wollte! - Lux!", rief sie, "Lux!" Sie hatte ihn eben erblickt. Ein schöner dunkelblonder Knabe, der bisher eifrig in den Maschinenraum gespäht hatte, drängte sich durch die Leute.

"Herr Professor, wir fahren sofort," sagte einer der Schiffsleute im Vorübergehen.

Nochmaliges Händeschütteln, und der Professor ging ans Land zurück, wo zwei kleine Mädchen eifrig mit den Taschentüchern winkten. Man machte ihm höflich Platz, und viele Leute grüßten ihn. Er lüftete dankend den Strohhut, gleichgültig, wie jemand, der an solche Höflichkeit gewöhnt ist.

Die Schaufelräder begannen sich zu drehen, und pfeifend wendete das Schiff vom Ufer fort. Die Dame winkte und grüßte mit dem Sonnenschirm. Sie sah in ihrem grauen Reisekleid ziemlich stark aus; sie hatte dichtes blondes Haar und ein gerötetes Gesicht, aus dem eine große Freudigkeit gleichsam unter tausend Sorgen hervorleuchtete.

"Es muß ihm doch sehr einsam sein", sagte sie zu ihrem Mann.

"Er wird wieder heiraten!", antwortete der Gatte.

"Carl", sagte sie vorwurfsvoll, "wen sollte er nach Magda heiraten? Wie kannst du das nur denken!"

"Du idealisierst das immer. Wir wissen nichts über Magda und ihn."

"O, ich weiß genug!"

"Nun?!" sagte er mit scharfer Betonung.

Die Dame schwieg.

"Die Kinder entbehren die Mutter", sagte sie dann.

"Er wird wieder heiraten", wiederholte ihr Mann, "schon deshalb."

Sie dachte: Wie gut er immer die Wege der andern kennt, und ist doch solch ein Phantast auf seinen eigenen! Sie wollte an das Schicksal der verstorbenen Cousine denken, aber ihr eigenes drängte sich vor.

"Sinnierst du, Leni?"

Sie nickte. Er blickte lächelnd auf sie und dann in die Ferne. Nun mußte sie ihn ansehen. Er sah ungemein elegant und aristokratisch aus: eine energische Nase und ein dunkler Schnurrbart über seinen Lippen; - das Gesicht war sonnengebräunt, die Augen lebhaft und funkelnd.

"Immer entzückt von deinem Wesen ..." "Immer enttäuscht durch meine Mängel ...", nicht sie, er hatte den zweiten Teil einmal halb scherzend hinzugefügt. Warum fielen ihr diese Worte jetzt ein? Sie stützte sich auf das Geländer und blickte in das weiß-grün unter den Rädern hervorschäumende Wasser. Sie sah nur trübe Bilder.

Er sprach mit dem Knaben, lebhaft und freundlich, wie zu einem völlig gleichaltrigen. Die Jahre hatten ihn nicht verändert - genau so hatte er ausgesehen, als sie ihn zum letztenmal im Parlament sprechen gehört ... "Eines der sympathischesten Mitglieder des Hauses", hatte der eine Vizepräsident bei einem Diner zu ihr gesagt. Das war acht Jahre her, und wie lange schien es vorbei! Mit welchen Enttäuschungen und Bitternissen hatte es geendet!

"Du, Carl! Wirst du in Wien mit Bauer sprechen?"

"Wir bleiben nur zwei Stunden in Wien."

"Also nicht? ..."

"Dachtest du's?"

"Carl ... ich möchte etwas fragen" ...

"Immer zu, Lene!"

"

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen