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Jahreszeiten Ostsee-Roman von Paech, Celia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Jahreszeiten

Ein Lottogewinn macht es möglich. Die betagte Ich-Erzählerin erfüllt sich einen Alterswunsch und gründet ein Seniorendorf an der Ostsee-Steilküste in Schleswig-Holstein. Ein Modellprojekt für respektvolles Miteinander von Alt und Jung in gesichertem Alter(n). Doch der Klimawandel mit heftigen Wetterwechseln und dem Verschwinden der Jahreszeiten zu ewigem Sommer stellt die Menschen vor extreme Herausforderungen. Hat die Natur nun der Menschheit den Krieg erklärt? Das Dorf als Siedlungsform wird Überlebensstätte. Ein Endzeitszenario mit Hoffnungsschimmer ... "Alles fließt. Ein Kreislauf des Flüssigen, das Leben hervorbringt, erhält und mit sich nimmt. Das Wasser bekam eine bedrohliche Bedeutung. Es war überall oder es war nirgends. Den einen fehlte das Nass schmerzlich. Die anderen ertranken im Zuviel. Wie einen Ausgleich schaffen? Eine der größten Stärken der Jugend ist ihre Zuversicht und der Glaube an sich selbst. ... Wir mussten ehrlich sein zu den Jungen. Selma erzählte, ich ergänzte. Was ging in den jungen Köpfen vor? Nichts Neues - ihre Erkenntnisse, ihre eigene Rebellion?! Und nur wenig, fast nichts hatte sich gebessert, manches war schlimmer geworden! Wir Alten schämten uns dieser Einsicht. ..." Dieser Roman spiegelt das innere Ringen alternder Menschen um Verantwortung und Schuld - im Spagatschritt zwischen Nähe und Ferne, zwischen Gestern und Heute für ein Morgen - der Anderen. Celia Paech ist Jahrgang 1945, Medienpädagogin im Ruhestand und lebt an der Ostsee-Steilküste in Schleswig-Holstein. Sie schreibt für ihre Kinder und Enkel und für die Menschen, die ihre Sinne schärfen wollen für Fragen und Probleme unserer Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 572
    Erscheinungsdatum: 30.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741257919
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 765kBytes
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Jahreszeiten

Winter

Dicht über dem Horizont hing eine Kette kleiner klumpiger Wolken, lichtweiß auf himmelblau. Ein Schwarm stromlinienförmiger schneeweißer Ostsee-Möwen flog auf. Vom Wasser her wehte eine linde Brise, fast wie im Sommer vergangener Zeit. Fast nur.

Der grünschillernde Wasserspiegel trug weiße Segel auf seinem leichten Wellenkamm, farbenfrohe Spinnaker plusterten sich bauchig auf, quer- oder längsgestreift, kariert oder unifarben, rot, blau, leuchtendgelb, regenbogenfarbig, unendlich viele. Wir konnten uns nicht satt sehen, Monika und ich. Der Küstenpfad schlängelte sich knapp am Abhang entlang, Abbruchkante der Steilküste. Manchmal nur einen Meter trennte uns von der Tiefe. Sturm, Regen, peitschende Meereswogen rissen mehr und mehr hinunter. Die See drängte nach. Schleswig-Holstein wurde immer schmaler. Vom Westen nagte die raue Nordsee an den flachen Küstenstreifen, fraß sich hinein in die saftigen Marschen, im Osten zerbröselten die Feuchtigkeit von oben, die Wassermassen aus der See die sandige Erdkruste, legten den felsigen Sockel frei, trugen die Klippen ab. Der Mensch trampelte sich stets einen neuen Pfad an den Rand des Abgrunds.

Die riesigen Vögel rauschten über unsere Köpfe hinweg, beschrieben einen wolkigen Halbkreis und ließen sich nieder auf einem frisch umbrochenen Feld. Weiße Tupfen auf krümeligem Braun. Sie fraßen sich satt, pickten Körner oder Würmer. Genug davon erhoben sie sich alle gleichzeitig, weiches Flügelschlagen über uns, Rufen, Locken und mit elegantem Schwung schwebten sie den Abhang hinunter, ließen sich auf die wartende Wasserfläche gleiten, schwammen wie eine Flotte gefalteter Papierschiffchen. Dunkle große Kormorane, ein paar kräftige Raubmöwen gesellten sich dazu. Fischmahlzeit oder nur Ruhen, Sich-Wiegen-lassen von sanften Wellen über seichtem sandigen Seegrund. Eine Möwe möchte ich wohl sein.

Unsere Kalender wiesen den Januar aus. 2024. Die Wetter wechselten rasant, ließen eine verwirrte Schöpfung zurück. Wir versuchten damit zu leben. Reste polaren Eises zeigten die Bilder von google earth im Internet, Satellitenaufnahmen des blauen Planeten, der einer sich steigernden Warmzeit entgegenging. Die Gletscher der höchsten Berggipfel schmolzen zu graugelblicher Masse. Die Menschen flüchteten vor dem Wasser, vor der Trockenheit, vor den Sturm- und Brandkatastrophen. Ich genoss die Idylle, die sich meinen Augen bot. Wie lange noch?

Monika half mir meinen Rollator die leichte Anhöhe hoch zu schieben. Sie war etwa zehn Jahre älter als ich und besser auf den Beinen. Groß, schlank, weißblondiertes dünnes Haar, das in einer weichen Welle über die Bürste geföhnt den ovalen Kopf bis zum Kinn leicht umwölkte. Ihre blauen Augen strahlten mich begeistert an. "Welch ein Panorama!" Wir gingen zurück zu dem kleinen runden Parkplatz für Elektromobile vor der Küste. Etwa einen Kilometer entfernt sahen wir die ersten Rundhäuser unseres Seniorendorfes. Es würde noch eine Weile brauchen bis auch uns der Boden unter den Füßen wegbrach. Dahinter die Linie des Waldes, früher Bauernwald mit krüppeligen Hainbuchen, Erlen, Gehölz verschiedener Arten, Brombeer- und Pfaffenhütchenbüschen, ein Paradies für Igel, Wildschweine, Rehe, buntem Kleintier-Mix und Vögeln. Heute ein undurchdringlicher Dschungel.

Wir setzten uns in unser Elektromobil, es steuerte selbst die Strecken, die auf unserem Gelände zu fahren waren, einprogrammiert, digitalisiert, mit dem Berühren symbolischer Felder auf einem Bildschirm zu bedienen, senioren- und behindertengerecht, vier Personen fanden Platz. "Die Sterblichkeit hat sich enorm beschleunigt bei alten Menschen." Monika kehrte gedanklich wieder zurück in ihren Wirkungsbereich. "Dem ständigen Wechsel der Temperaturen, der hohen Luftfeuchtigkeit ist der schwächelnde Organismus im Alter nicht gewachsen." Sie sorgte sich nicht nur um die Dörfler/innen, sondern sah bereits den demografischen Wandel Historie werde

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