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Jeden Tag ein bisschen Zuversicht Roman von Pearse, Lesley (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Jeden Tag ein bisschen Zuversicht

England, 1960: Die Zwillinge Maisy und Duncan wachsen in dem Herrenhaus 'Nightingales' in der Nähe eines großen Waldgebietes auf. Dort lernt Duncan Grace Deville kennen, die wie eine Ausgestoßene auf einer Lichtung lebt. Eines Tages verschwindet er auf dem Weg von Grace zurück nach Hause spurlos. Jahre später hat die Polizei den Fall zu den Akten gelegt. Maisy aber kann den Verlust ihres Bruders nicht überwinden und macht sich zusammen mit Grace auf die Suche nach ihm. Denn Maisy weiß in ihrem Herzen, dass Duncan noch lebt. Lesley Pearse wurde in Rochester, Kent, geboren. Ihre Romane belegen in England und vielen anderen Ländern regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerlisten. Sie hat drei Töchter und drei Enkel und lebt mit ihrer Familie in Devon.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 414
    Erscheinungsdatum: 30.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572625
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Woman in the Wood
    Größe: 2206 kBytes
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Jeden Tag ein bisschen Zuversicht

KAPITEL 1

West London, 1960

Maisy wurde von einem durchdringenden Schrei geweckt. Erschrocken fuhr sie im Bett auf, saß lauschend da und horchte nach draußen. Von dort musste der Schrei gekommen sein. Doch beim zweiten Kreischen erkannte sie, dass das Geräusch aus dem Inneren ihres Hauses zu ihr drang. Es war ihre Mutter, die da so schrie.

Sie eilte zur Tür ihres Schlafzimmers, hinaus auf den Flur, hielt jedoch inne, als sie die Stimme ihres Vaters vom unteren Stockwerk heraufdringen hörte.

"Sei still, Lily. Sonst weckst du noch die Zwillinge und machst ihnen Angst. Es ist doch nur zu deinem Besten."

Maisys Zwillingsbruder Duncan erschien im Türrahmen seines Schlafzimmers und trat zu ihr an die oberste Stufe. "Was ist da los?", flüsterte er.

Maisy legte den Finger auf ihre Lippen und bedeutete ihm zu schweigen. Sie hielt ihn am Arm fest, um zu verhindern, dass er die Treppe hinunterrannte. Ihr Vater, Alastair Mitcham, war ein strenger Mann, der Einmischungen nur schwer tolerierte.

"Ich will da nicht hin! Ich will in meinem eigenen Haus gesund werden!", heulte Lily Mitcham. "Schick mich nicht fort, Alastair!"

Das jämmerliche Flehen trieb Maisy und Duncan die Tränen in die Augen, aber sie waren gerade einmal fünfzehn Jahre alt, hatten Angst vor ihrem Vater und keine Ahnung, was sie tun sollten.

"Wie oft habe ich es schon mit ärztlicher Hilfe für dich versucht? Und jedes Mal passiert das Gleiche", erwiderte Alastair, und die Kinder hörten Müdigkeit und Resignation in seiner Stimme und wechselten beunruhigte Blicke. "Dir geht's danach kein bisschen besser. Im Gegenteil, jedes Jahr geht es dir ein wenig schlechter. Wann warst du zuletzt vor der Haustür? Ich glaube, das ist jetzt zwei Sommer her. Selbst hier unten bist du seit über einem Jahr nicht mehr gewesen."

"Aber mein Rücken und meine Beine ...", protestierte sie.

Alastair schnitt ihr das Wort ab. "Weder dein Rücken noch deine Beine sind das Problem. Und das weißt du auch. Du kannst einen Reitunfall, der an die zwölf Jahre her ist, nicht mehr als Ausflucht benutzen. Ich habe es gründlich satt, Lily. Und die einzige Möglichkeit, die ich noch sehe, damit du dich endlich deinen wirklichen Problemen stellst, ist es, dich an diesen Ort zu schicken. Und jetzt beruhige dich, sonst hole ich die Krankenschwester, die draußen im Krankenwagen wartet, und bitte sie, dir irgendetwas zur Beruhigung zu spritzen."

Maisy hatte genug gehört. Obwohl sie Angst vor ihrem Vater hatte und ihrem Bruder keine Probleme bereiten wollte, nahm sie ihn an der Hand und zog ihn zur Treppe. Duncan, von ihrem Mut angesteckt, ließ sich willig mitziehen.

"Warum schickst du Mutter fort?", fragte Maisy, als sie die letzten Stufen der Treppe zum ersten Stock erreicht hatten.

Ihr Vater fuhr herum. Er war vollständig gekleidet, in Anzug und Krawatte, und hatte das leise Tappen ihrer nackten Sohlen offenbar nicht gehört.

"Das geht euch gar nichts an", schnauzte er. "Und jetzt Abmarsch, zurück ins Bett, sofort."

"Sie ist unsere Mutter. Und sie geht uns sehr wohl etwas an", erwiderte Maisy. "Wohin schickst du sie? Und warum mitten in der Nacht? Damit die Nachbarn nichts mitbekommen? Oder hast du gehofft, wir würden nicht aufwachen, damit du so tun kannst, als sei sie bei einer Verwandten in den Ferien?"

Es war das erste Mal, dass Maisy ihrem Vater die Stirn bot. Obwohl er kein gewalttätiger Mann war, strahlte er so viel Strenge und Grimmigkeit aus, dass Duncan und sie ihm stets aufs Wort gehorchten. Jetzt raste ihr Herz, sie zitterte am ganzen Leib, und dennoch war sie entschlossen, sich für ihre Mutter einzusetzen.

"Lasst nicht zu, dass er mich ins Irrenhaus schickt", wimmerte ihre Mutter. "Es ist grausam und hässlich. Ich will hierbleiben."

Der Plan ihres Vaters schockierte Maisy. Aber als sie ihre Mutter so vor sich

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