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Jetzt sind wir jung von Mars, Julian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.11.2015
  • Verlag: Albino Verlag
eBook (ePUB)
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Jetzt sind wir jung

Als ob die Sache mit dem Erwachsenwerden nicht schon kompliziert genug wäre! Felix fragt sich, warum es ihm manche Menschen besonders schwer machen müssen. Seine Mutter will ihn einfach nicht loslassen, seine Freunde gehen ihm die meiste Zeit auf die Nerven - und dann ist auch noch sein Ex-Freund Martin plötzlich zurück in der Stadt. Felix weiß, dass die beiden eher früher als später aufeinandertreffen werden. Und er hat gute Gründe, sich vor der überfälligen Aussprache zu fürchten. Irgendwann fängt das Leben an, ernst zu werden. Und Felix hat das Gefühl, dass dieser Moment unmittelbar bevorsteht. Unverschämt, witzig und berührend - das beeindruckende Romandebüt von Julian Mars. Julian Mars hatte als Kind einen Lieblingsbaum, auf den er immer kletterte, um sich in Ruhe Geschichten auszudenken. Prägende Jahre verbrachte er in Hamburg und Köln, wo ihm an einem frühen Samstagmorgen in der Linie 4 die Idee zu seinem Debütroman Jetzt sind wir jung kam. Inzwischen lebt er in Berlin und hat ein Bild seines Lieblingsbaums auf dem Schreibtisch stehen. Er wird immer wieder gefragt, wie viel er mit seiner Hauptfigur Felix gemeinsam hat. Bisher hat aber noch niemand eine ehrliche Antwort bekommen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 27.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959850551
    Verlag: Albino Verlag
    Größe: 1387 kBytes
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Jetzt sind wir jung

G abriel hat gesagt, ich soll ein Buch schreiben.

Ich saß bei ihm auf seiner roten Sperrmüll-Couch, und im Fernsehen war mal wieder mein Vater zu sehen.

"'Klaus Lipfels, Publizist'", las ich die Einblendung vor, während er die erste Frage des Moderators beantwortete. Am Arsch.

Homosexuelle sollen heiraten dürfen und Kinder großziehen und überhaupt die glücklichsten Menschen auf der Erde sein, das ist seit über zwei Jahren eines seiner Lieblingsthemen, mit dem er sich durch die Talkshows und Kommentarspalten der Republik schmarotzt. Ist mir echt egal, was er macht. Aber muss er da jedes Mal mich mit reinziehen? Das Coming-out seines einzigen Sohnes hätte ihn erst so richtig für dieses Thema sensibilisiert. Herzlichen Glückwunsch.

"Noch schöner wäre es gewesen, wenn dich mein Coming-out auch etwas mehr für mich sensibilisiert hätte", murmelte ich.

"Hast du was gesagt, Prinzessin?" Gabriel blickte von seinem Fachbuch hoch, über dem er schon die ganze Zeit brütete.

"'Klaus Lipfels, Arschloch'", sagte ich. "Wenn er wirklich so besorgt um mich gewesen wäre, wie er jetzt behauptet, wär ich vielleicht gar nicht schwul geworden."

"Da wäre ihm aber ein großes Thema durch die Lappen gegangen", sagte Gabriel und wandte sich wieder seinem Aufsatz zu.

"Gabriel, du brauchst 'nen Freund", sagte ich. "Damit du mal was anderes markieren kannst als Textstellen."

"Mhm", sagte er ohne aufzublicken. "Sehr witzig. Hab ja bei dir gesehen, wie glücklich so was macht."

Mein Vater saß zwischen einem Boygroup-Sänger und einem Fernsehmoderator, mit denen er zusammen den bunten Block bildete, der gegen eine fiese Alte von der CDU und einen schmallippigen Priester kämpfte.

"Fühlst du dich von den zwei Schwulen da repräsentiert, Gabriel? Die Leute, die das anschauen, denken doch nachher, wir sind alle so wie die."

Gabriel zuckte nur mit den Schultern.

"Immer die gleichen Gesichter im Fernsehen, inklusive meines bescheuerten Vaters, die für unsere Rechte kämpfen", sagte ich. "Sind die mal von uns gewählt worden? Von mir nicht."

"Der weiße Mann kann nun mal besser mit Minderheiten umgehen, wenn die ein paar telegene Vertreter haben", antwortete er gleichmütig.

"Zu einer Minderheit zu gehören, ist doch Scheißdreck!"

"Kannst ja jederzeit kündigen. Musst nur aufhören, Schwänze zu lutschen."

Ich resignierte. Seit Gabriel über Heraklit'sche Semiotik promovierte, konnte man über nichts mehr ernsthaft mit ihm diskutieren. Alles fließt. Alles vergeht. Also ist im Endeffekt auch alles egal. Na ja, geht so.

Ich schaltete um, weil ich mir das nicht mehr anschauen konnte. Dabei bemerkte ich, wie Gabriel mich angestrengt beobachtete. Wie die meisten Hochbegabten leidet er an einer leichten Form von Asperger. Zumindest sage ich das gern, um ihn zu ärgern, weil er manchmal sehr schwer von Begriff ist, wenn es darum geht, menschliche Emotionen zu deuten. Offensichtlich war er nun nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass er mich irgendwie beschwichtigen sollte.

"Na, sei doch froh", sagte er. "Wir sind die Könige der Minderheiten. Weil wir Kaufkraft haben. Nicht auszudenken, wenn wir Zigeuner wären."

"Die haben wenigstens 'nen Zentralrat, den sie wählen können. Und Zigeuner soll man nicht mehr sagen."

" Schwule Sau soll man auch nicht mehr sagen. Hat mir aber heute Mittag einer hinterhergebrüllt, als ich im Park in die Büsche wollte."

Ich verschluckte mich fast an meiner Cola vor Lachen. Aber dann ärgerte ich mich über mich selbst.

"Siehst du, das ist das Problem!", sagte ich. "Die beschimpfen uns, und wir finden das noch lustig!"

"Ich fand's ja gar nicht lustig", sagte Gabriel.

"Ist auch besser so."

Er hob den Zeigefinger: "Heraklit sagt: - "

Ich warf die Fernbedienung nach ihm, und weil Gabriel nicht nur

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