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Joe Roman von Brown, Larry (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.10.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
17,99 €
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Joe

Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation.
Mit einem exklusivem Nachwort von Marcus Müntefering

Larry Brown, geboren 1951 in Oxford, Mississippi, begann seine Schriftstellerkarriere als schreibender Feuerwehrmann. Nachdem er jahrelang erfolglos versucht hatte, seine Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht zu bekommen, erschien 1988 unter dem Titel Facing The Music seine erste Kurzgeschichtensammlung. Weitere Short Storys und fünf Romane komplettieren das Werk des Mannes aus Mississippi, der auch außerhalb der Südstaaten Kultstatus besaß und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk beeinflusste er viele Songwriter, von denen einige ihm nach seinem Tod infolge eines Herzinfarkts im November 2004 mit dem Tribute-Album Just One More die Ehre erwiesen. Fay war 2017 der erste ins Deutsche übersetzte Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 29.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227616
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Joe
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Joe

Joe erwachte früh aus einem Schlaf voller Albträume von feuernden Waffen und niedersausenden Queues, die sein Gesicht trafen, von verstohlenen Schwarzen mit Messern, die mit weißen Augen im Dunkeln um Ecken schlichen oder auf leisen Sohlen hinter ihm auftauchten, um ihn wegen Geld umzubringen. Um halb fünf machte er Instantkaffee und trank ungefähr eine halbe Tasse. Er steckte eine Ladung Wäsche in die Waschmaschine und durchquerte die hell erleuchteten Zimmer, während ringsum draußen die ganze Gemeinde schlief. Er schaltete den Fernseher ein, um zu sehen, ob irgendwas lief, doch auf dem Bildschirm war nur Schneegestöber.

Als er die Tür aufstieß, stand der Hund mit erhobenem Kopf im Garten.

"Hier, Hund", sagte er. "Hallo, Hund."

Er bückte sich mit zwei geöffneten Dosen Futter in den Händen und löffelte das Fleisch auf einen Betonblock am Fuß der Treppe. Als der Hund herankam, machte Joe Platz und trat in die offene Tür zurück, um ihm beim Fressen zuzusehen. Nur ein kurzes Knurren, und ein Rucken seines narbenbedeckten Kopfes.

Als er sich wieder an den Tisch setzte, war der Kaffee in der Tasse kalt. Er kippte ihn ins Spülbecken und machte neuen, saß dann da und trank ihn in langsamen Schlucken, den Arm auf den billigen Metalltisch gelegt, eine qualmende Winston zwischen den Fingern. Inzwischen war es fünf Uhr. Er hatte ein paar Nummern auf ein Stück Notizbuchpapier geschrieben, das zusammengefaltet war und Regen abgekriegt hatte, breitete es vor sich auf dem Tisch aus, strich es glatt und wiederholte die Nummern lautlos mit den Lippen. Das Telefon stand vor ihm auf dem Tisch. Er nahm den Hörer und wählte.

"Arbeitest du heute früh?", fragte er. Dann hörte er zu. "Was ist mit Junior? Hat er sich letzte Nacht besoffen?" Er hörte zu, grinste, hustete dann ins Telefon. "In Ordnung", sagte er. "Ich bin in 'ner halben Stunde da. Dann müsst ihr fertig sein, hörst du?"

Er legte auf, während die Stimme noch weiterschwafelte. Er lauschte dem Surren der Waschmaschine und lauschte der Stille, in der er jetzt lebte, zumeist nur vom Winseln des Hundes auf der Hintertreppe unterbrochen. Dann stand er auf, ging zum Kühlschrank und brachte die Flasche Whiskey, die darin stand, zum Tisch. Er hielt sie einen Augenblick in der Hand und betrachtete sie, las das Etikett, wo er hergestellt wurde, wie lang er ausgebaut worden war. Schraubte die Flasche auf und trank einen großen Schluck. Auf dem Tisch stand eine Dose Cola, halb leer, schal und warm. Er vergewisserte sich, dass niemand Zigarettenasche hineingeschnippt hatte, bevor er einen Schluck nahm. Cola, dann Whiskey, Cola und dann wieder Whiskey. Er wischte sich den Mund ab, schraubte die Flasche zu und zündete sich eine weitere Zigarette an.

Um Viertel nach fünf schaltete er das Licht aus, stieg die Stufen hinab und ging durchs feuchte Gras des winzigen Gartens, ohne dass ihn jemand aufbrechen sah. Die Sterne waren verschwunden, doch die Morgendämmerung hatte den Himmel noch nicht bleich gemacht. Der Hund winselte und drückte sich an seine Füße, als wollte er mitfahren, aber Joe schob ihn behutsam mit dem Fuß weg, forderte ihn auf, aus dem Weg zu gehen, und stieg dann in den Pick-up.

"Bleib hier", sagte er. Der Hund verschwand wieder unterm Haus. Joe schob den Whiskey unter den Sitz. Er ließ den Wagen bei offener Tür an, drückte auf den Scheibenwischerschalter und beobachtete, wie die Wischerblätter den Tau auf der Windschutzscheibe wegstreiften. Der Pick-up war alt und verrostet, und auf der Pritsche war ein lädierter Camperaufsatz befestigt, in dem die Giftspritzen und Kannen in Staubkränzen lagen und die vom vergangenen Winter noch übrig gebliebenen Kiefernschösslinge sich in dürres Feuerholz verwandelt hatten. Reserveräder und platte Reifen, leere Bierdosen und Whiskeyflaschen. Er ließ den Motor aufheulen, bis er i

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