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Judasfrauen Zehn Fallgeschichten weiblicher Denunziation im Dritten Reich von Schubert, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Judasfrauen

Dies ist Helga Schuberts bisher wichtigstes Buch. Noch in der DDR fertig gestellt, wurde es zuerst 1990 im Westen im Luchterhand-Verlag veröffentlicht und erlebte Neuauflagen im Aufbau-Verlag, in der Büchergilde Gutenberg und im dtv. Es erschien in Japan, Italien und Frankreich. Die US-amerikanische Purdue-Uni verlieh der Autorin dafür den Doctor of humane letters. Nach dem umfangreichen Studium von Gerichtsakten westdeutscher Nachkriegsgerichte erzählt die Autorin mit literarischen Mitteln die tödliche Beziehung der Verräterinnen zu ihren Opfern (dem Ehemann, dem Sohn der Freundin, dem zunächst unbekannten Mitreisenden, dem früher verehrten Bürgermeister und nun steckbrieflich gesuchten Mitverschworenen gegen Hitler, Dr. Goerdeler).Einmal schreibt sie den Monolog einer Täterin. Der Text 'Die Vertrauensperson' ist auch im Theater aufgeführt worden. Helga Schubert zeigt, wie die Diktatur diese Frauen verführt, zu Täterinnen zu werden. 'Die Diktatur ist die Täterin', betitelte die TAZ das Interview mit der Autorin, die das alles nur schreiben konnte, weil sie als ausgebildete klinische Psychologin insgesamt 23 Jahre in der Psychotherapie arbeitete. Inhalt: Spitzel und Verräter Judasfrauen Gesucht: Goerdeler Das vierte Kind Ein Gespräch in der Kleinbahn Der unerreichbare Mann Eine Frage ohne Antwort Das Ende der Geborgenheit Die "Vertrauensperson" Die Kameradenfrau Das verschwundene Grab Illusion Helga Schubert Geboren 1940 in Berlin-Kreuzberg. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität. Nach Diplom 1963 bis 1987 Arbeit in der Erwachsenen-Psychotherapie in Berlin-Weißensee und -Mitte. Seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin. Helga Schubert lebt mit ihrem Mann, dem Psychologie-Professor, Schriftsteller und Maler Johannes Helm, nach Jahrzehnten in Berlin seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie eine Galerie mit seinen Bildern eröffneten. 1975: Beginn ihrer Veröffentlichungen (Erzählungen, Märchen für Kinder und Erwachsene, Hörspiele, Theaterstücke, Filmszenarien). 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich und Wahl in den PEN. Dezember 1989 bis März 1990 parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. Seit 1992 Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik. Buch-Veröffentlichungen: Lauter Leben, Aufbauverlag Berlin, ab 1975 fünf Auflagen Vier Bücher über das Mädchen Bimmi, Kinderbuchverlag Berlin, ab 1980. 1992 zu einem Buch zusammengefaßt und neu illustriert, auch bei Middelhauve. Die Beunruhigung (Szenarium zum gleichnamigen Film, der 1982 zur Biennale in Venedig lief), Henschel-Verlag Berlin, 1982 Das verbotene Zimmer, Luchterhand Darmstadt, 1982 (in der DDR keine Druckerlaubnis) Blickwinkel, Aufbau-Verlag Berlin, 1984 Anna kann Deutsch, Luchterhand, 1985 Schöne Reise, Aufbau-Verlag Berlin, 1987 Über Gefühle reden? Berliner Verlag, 1988 Judasfrauen (Denunziantinnen), Luchterhandverlag 1990, dann Aufbauverlag, Büchergilde Gutenberg, dtv, Übersetzungen erschienen in Italien, Frankreich und Japan Gespräch mit Helga Schubert und Rita Süssmuth: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung, Piper München, 1992 Die Andersdenkende, dtv München, 1994 Das gesprungene Herz, dtv München, 1995 Die Welt da drinnen (Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom unwerten Leben), S.Fischer Frankfurt/Main, 2003 Beteiligung an vielen Anthologien Auszeichnungen: Heinrich-Mann-Preis Heinrich-Greif-Preis Hans-Fallada-Preis Doctor of humane letters/USA der Purdue-University Autorenstipendium des Landes M-V.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 187
    Erscheinungsdatum: 04.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949945
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1396 kBytes
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Judasfrauen

Das Ende der Geborgenheit Der Pianist Karlrobert Kreiten wurde am 7. September 1943 in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee im Alter von 27 Jahren erhängt. In dieser Nacht vom 7. auf den 8. September 1943 töteten die schließlich völlig erschöpften Henker einhundertsechsundachtzig zum Tode Verurteilte in Gruppen zu acht so schnell, dass keine Zeit für einen Abschiedsbrief blieb und dem Gefängnisgeistlichen kaum Zeit für ein tröstliches Wort. Aber weil Karlrobert Kreiten den Geistlichen von sich aus ansprach, nahm sich dieser des jungen Mannes besonders an. Er notierte die "letzten Grüße an die Seinigen, Eltern, Grand'maman und Schwester und erweckte mit ihm Reue und Leid", wie er später in einem Brief an die Angehörigen schrieb. Karlrobert Kreiten war erst vier Tage davor, am 3. September 1943, wegen Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung vom Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt worden. Weder die Angehörigen noch die Rechtsanwälte wussten vorher von dem Gerichtstermin. Nur durch einen anonymen Anruf in der gemeinsamen Berliner Wohnung hatte seine Schwester Rosemarie vom Todesurteil erfahren und die Eltern in Düsseldorf alarmieren können, die sofort ein Gnadengesuch an Hitler richteten, denn sie wussten, solange dort ein Gnadengesuch angenommen und noch nicht abgelehnt war, musste die Hinrichtung aufgeschoben werden. Wie in einem Kafka-Roman irrten vom 3. bis zum 8. September, also noch am Tag nach der Hinrichtung, die Freunde, die Eltern und die Schwestern mit einem Gnadengesuch in Düsseldorf und in Berlin von Behörde zu Behörde; in Düsseldorf vom Gaukulturreferenten zum Gaupropagandaleiter und schließlich zum Gauleiter. Dort verzögerte man die Annahme, war vielseitig beansprucht, hatte eine Sitzung, ließ den Tatbestand im Vorzimmer in die Maschine diktieren, verzögerte die Weitergabe, indem man das Gnadengesuch nach Berlin 24 Stunden im Fernschreibzimmer des Reichspropagandaamtes Düsseldorf unerledigt liegen ließ. Am 8. September waren Mutter und Schwester zur Berliner Reichskanzlei vorgedrungen, wo man ihr Gnadengesuch entgegennahm und versprach, das Justizministerium über die vorgeschriebene vorläufige Aussetzung der Urteilsvollstreckung zu informieren. Um sicher zu gehen, dass nicht kostbare Zeit verstrich, liefen die beiden, Mutter und Schwester, selbst zum Justizministerium, alles lag nah beieinander. Doch die Beamten, an die sie sich wenden wollten, ließen sich bis auf einen verleugnen. Nur dieser zuletzt Angesprochene, ein Staatsanwalt im Justizministerium, verriet, was er eigentlich nicht mitteilen durfte: Karlrobert Kreiten war bereits seit dem Vortag tot. Ein Exempel unter den jungen Künstlern sollte statuiert werden. Eine Woche später konnten es alle in der Zeitung und an der Litfaßsäule lesen: "Am 7. September 1943 ist der 27 Jahre alte Pianist Karlrobert Kreiten aus Düsseldorf hingerichtet worden, den der Volksgerichtshof wegen Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt hat. Kreiten hat durch übelste Hetzereien, Verleumdungen und Übertreibungen eine Volksgenossin in ihrer treuen und zuversichtlichen Haltung zu beeinflussen gesucht und dabei eine Gesinnung an den Tag gelegt, die ihn aus der deutschen Volksgemeinschaft ausschließt." Wer war die Volksgenossin mit der treuen und zuversichtlichen Haltung? Eine Schulfreundin seiner Mutter. Sie hieß Ellen X., war zusammen mit seiner Mutter Gesangsschülerin am Saarbrücker Konservatorium gewesen und lebte nun in Berlin. Den Musik- und Übungsraum in ihrer Wohnung hatte sie Karlrobert Kreiten für ein paar Tage angeboten, da sie wusste, vielleicht sogar durch seine Mutter, dass er sich auf sein nächstes Konzert, am 23. März 1943 im Berliner Beethovensaal, vorbereitete, gleichzeitig aber mit Schwester und Großmutter innerhalb Berlins umziehen musste und deshalb keinen Raum zum Üben hatte.

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