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Julias Geheimnis / Emilys Sehnsucht von Hall, Juliet (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.05.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Julias Geheimnis / Emilys Sehnsucht

Zwei Romane rund um den Zauber der Vergangenheit, dem Geheimnis zweier Familien und dem Beginn eines großartigen Neuanfangs! Julias Geheimnis: Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern entdeckt Ruby ein Foto, das sie auf dem Arm einer fremden Frau zeigt. Als sie dann auch noch auf einen Brief stößt, in der ihrer Mutter Unfruchtbarkeit attestiert wird, überschlagen sich in ihr die Fragen. Ist sie vielleicht nicht das leibliche Kind ihrer Eltern? Ruby forscht nach und erfährt von einer alten Freundin, was einst geschah. Eines aber kann ihr auch diese nicht beantworten: wer ihre leiblichen Eltern sind. Nur eine Frau könnte ihr helfen: Julia, eine Krankenschwester, die im Spanischen Bürgerkrieg Buch über die Verbrechen Francos führte und ihr Wissen nun, am Abend ihres Lebens, weitergeben will ... Emilys Sehnsucht: Berührende Liebesbriefe, die Joanna in ihrem Elternhaus fand, verändern ihr Leben: Aufgewühlt von den tiefen Gefühlen, die daraus sprechen, gesteht die Londoner Journalistin sich ein, dass sie schon lange nicht mehr so liebt und geliebt wird wie Emily, die unbekannte Verfasserin der Briefe. Joanna erkennt plötzlich, dass ihre Ehe nur noch Gewohnheit ist. Aber wird sie den Mut finden, einen Neuanfang zu wagen? Die Antworten findet Joanna, während sie Emilys Spuren folgt. Sie taucht ein in die malerischen Gassen von Venedig, Lissabon und Prag und entdeckt Orte, die eine ganz eigene Magie entfalten...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1060
    Erscheinungsdatum: 03.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732520091
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1794 kBytes
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Julias Geheimnis / Emilys Sehnsucht

2. Kapitel

20. MÄRZ 2012

S ollte sie - oder sollte sie nicht? In letzter Zeit hatte Vivien immer öfter darüber nachgedacht - öfter, als sie es eigentlich wollte. Es störte ihr inneres Gleichgewicht und gefährdete ihren Seelenfrieden. Es war lange her. Also: Sollte sie die Wahrheit sagen oder nicht?

Um sich abzulenken, betrachtete sie die Blumen, die sie in ihrem verwilderten Garten gepflückt hatte, mit kritischem Blick. Ein dorniger, knallgelber Forsythienzweig, ein paar Zweige weichblättriger Salbei, der noch Knospen trug, eine einzige, frühe, cremefarbene Rose. Sie steckte sie so um, dass der duftende Salbei über den Rand des Terrakotta-Topfes hing. Von Gelb zu Grün zu Cremeweiß und zurück zu Gelb: Farben, die sich mischten, so hatte Vivien es gern. Malen, was man sieht, und nicht, was man zu sehen glaubt.

Ein berühmter Künstler hatte das gesagt - Monet oder vielleicht Van Gogh. Wahrscheinlich war es beim Impressionismus darum gegangen. Man sträubte sich dagegen, so zu malen, wie es das Hirn von einem verlangte: ein flaches Meer zum Beispiel, mit weißen Wellen. Stattdessen malte man es so, wie die eigenen Sinne es wahrnahmen: bewegte, gekräuselte, wogende Linien, gesprenkelt mit Lichtpunkten und Schattenflecken, alle Farben - Grau, Grün, Weiß, Blau, Dunkelviolett -, getrennt und ineinanderlaufend, sich mit der Brise und der Strömung verschiebend und auf Sandstränden oder grauen Felsen zu Kringeln auslaufend. Bei ihren Blumenaquarellen ging Vivien gern noch einen Schritt weiter und mischte die Farben so, dass sie verschwammen und ineinanderflossen. Nass in Nass, sodass alles im Fluss blieb und eins wurde.

Sollte sie - sollte sie nicht? Auf ganz ähnliche Art gab es bei dieser Entscheidung - die nichts mit Kunst zu tun hatte - keine klare Linie, die Grenzen waren verschwommen. Manche Wahrheiten waren so. Zuerst einmal würde sie sehr tapfer sein müssen.

Vivien kramte in ihren Farben herum. Sie zog Aquarellfarben hervor, weil sie die Transparenz, das opake Finish und das Fließvermögen besaßen, die sie anstrebte. War sie tapfer? Eigentlich nicht. Sie war allerdings dankbar. Gott, war sie dankbar!

Die Frage war nicht, ob sie es hätte tun sollen oder nicht. Wenigstens diese Entscheidung war eindeutig gewesen. Sie hatte gespürt, dass ihr nichts anderes übrig blieb - ihnen beiden . Jemand anderer hätte danach vielleicht einen anderen Weg beschritten. Aber nicht Vivien. Um sie war es geschehen gewesen. Widerstand zu leisten, lag nicht in ihrer Natur. Sie hatte schon immer mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf entschieden. Und so ...

Nein, die Frage war, ob sie ihr Geheimnis dem einen Menschen verraten sollte, der es vielleicht zu erfahren verdiente, oder nicht. Die schwierige Frage war, ob sie die Wahrheit sagen sollte. Denn manchmal war es schwer, die Wahrheit zu erzählen, und noch schwerer, sie anzuhören.

Für den Hintergrund wählte sie eine blasse, minzgrüne Lasur, so schwach, dass sie fast gar nicht vorhanden war, nur ein Hauch von Farbe, so leicht wie das Gefühl einer Gazestola auf ihren Schultern. Sie begann, die Farben zu mischen, und summte dabei leise einen Song von Joni Mitchell. "Little Green." Er erinnerte sie an jenen Tag und würde es immer tun.

Das Dilemma, vermutete sie, war ein moralisches und bestand in der Frage, ob jeder ein Recht auf die Wahrheit hatte.

Im Allgemeinen sagte Vivien die Wahrheit und betrachtete sich als ehrlich, offen und geradeheraus. Und sie hatte auch dieses Geheimnis nie für sich behalten wollen - zumindest am Anfang nicht. Aber man musste an die Folgen denken. Schließlich gab es so etwas wie Notlügen - Unwahrheiten, die die Gefühle anderer schützten und verhinderten, dass sie verletzt wurden.

Schützte sie jemandes Gefühle? Verhinderte sie, dass jemand verletzt wurde? Vielleicht. Was würde

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