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Jutt und Jula Geschichte einer jungen Liebe von Brust, Alfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Jutt und Jula

Dieses eBook: 'Jutt und Jula' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. In dem Roman 'Jutt und Jula' widmet sich Brust der dichterischen Vergegenwärtigung der vorchristlichen Bewohner Ostpreußens, der Prußen. In diesem Werk ist Brusts poetisch überhöhte Rolle die eines letzten Priesters der untergegangenen preußischen Urbevölkerung seiner Heimat. Alfred Brust (1891-1934) war ein deutscher Schriftsteller. Brust schrieb Dramen, Romane und war auch als Lyriker tätig. Seine dramatischen Einakter werden dem literarischen Expressionismus zugerechnet, von denen die ersten noch im Jugendalter erstellten Werke von seinem Förderer Francesco Sioli aufgeführt wurden. In seinem Prosawerk wendet er sich religiösen Themen zu und beschäftigt sich mit dem Volk der Pruzzen in seiner ostpreußischen Heimat..

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 102
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026868712
    Verlag: e-artnow
    Größe: 471 kBytes
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Jutt und Jula

2

Inhaltsverzeichnis

In der Provinzstadt gab es eine "Grüne Apotheke". Sie lag genau an einer Straßenecke, so daß man von den hohen Fenstern des pharmazeutischen Geschäfts aus über den breiten Strom und weiterhin über saftige Wiesen sah, auf denen in diesem Frühling die ersten Rinderherden grasten. Und an den hohen Fenstern, deren grüne Vorhänge zurückgeschoben waren, stand dann auch der junge Apothekergehilfe und ließ seine Blicke hinausschweifen. Er war schon seit drei Wochen Tag und Nacht im Dienst und hatte während dieser Zeit auch noch nicht einmal die Räume verlassen. Denn der Apotheker war krank, und er war recht sparsam in bezug auf die Aushilfe.

Der Wunsch des jungen Mannes, dort hinauszulaufen in die Wiesen, war zur brennenden Leidenschaft geworden und verließ ihn auch nicht einen Augenblick, während er einem Jungen für zehn Pfennig Sennesblätter abwog.

Dann kam eine blasse Jungfrau mit einem Rezept:

Camphorae rasae 5,0 Extr. Opii aq. 1,0 Mucilag. gummi arab. q. suff. ut f. boli N. 20. Consp. pulo. Lycopod. S. abends beim Schlafengehen 2-3 Pillen für Frl. Abendgern.

Doktor Hecht.

Diese Ärzte! Anstatt den Leuten fertige Schlafmittel zu geben, machen sie einem diese Arbeit! Der Jüngling sah die kümmerliche Pflanze an.

"Wissen Sie was? - Machen Sie mal eine Stunde vor dem Schlafengehen zweitausend Meter Laufschritt, dort über die grünen Wiesen. Dann brauchen Sie keinen Arzt und keine Pillen aus der Grünen Apotheke. - Also - na - in einer halben Stunde ist die Sache fertig . . ."

Das Mädchen wurde rot vor Ärger und verschwand. Eine große, magere Arbeitsfrau trat ein - die Hand verbunden.

"Nun - zeigen Sie mal -" sagte der Gehilfe.

Sie folgte ihm rasch in den Nebenraum und löste die Binde.

"Fein," sagte der Jüngling. "Jetzt hat sich über die ganze Handfläche eine neue dünne Haut gebildet, die Sie aber noch schonen müssen."

"Aber ich muß doch waschen gehen!" jammerte die Frau. "Die Kinder - die Kinder . . ."

Der Jüngling zuckte die Schulter. "Sie müssen die Hand noch schonen, sonst wird es schlimmer als es war. Ich gebe Ihnen hier ein Puder und einen Gummihandschuh. Da pudern Sie die Hand tüchtig ein und ziehen den Handschuh drauf. Dann können Sie auch waschen. Aber vorsichtig - vorsichtig! Und nun sind wir fertig. Halten Sie aber gefälligst reinen Mund. Es darf kein Mensch wissen, daß ich Ihnen geholfen habe."

"Nein, nein, junger Herr!" beteuerte die arme Frau. "Und - und wieviel soll ich Ihnen bezahlen?"

Da wurde der Jüngling rot vor Scham und versuchte diese Scham noch hinter einer geheuchelten Wut zu verbergen. "Wie!" rief er aus. "Was fällt Ihnen ein?! Machen Sie gefälligst, daß Sie fortkommen! - Ja - und wegen der Kinder, die gewiß hungrig sind: hier haben Sie drei Mark. Kaufen Sie ihnen Brot und Milch! Und nun halten Sie den Mund! Und jetzt raus hier!!"

Als er die Tür hinter der armen Frau zugedonnert hatte, blies er mit vollen Backen Luft aus und riß sich mit den Händen an den Haaren. Das war schrecklich gewesen. Zum gütigen Helfer war er nicht geeignet! Aber daß die Frau sich auch bedanken wollte! Dank annehmen zu müssen war gewiß das Schlimmste, das es gab. -

Und er rollte die Pillen, verkaufte dazwischen Kalkwasser und für fünf Pfennig Kaugummi. Einem laborierenden Dichter verabfolgte er eine Pipette und zehn Gramm Jod. Und er sah wieder hinaus über die Wiesen und blickte auf das drängende Laub der Bäume.

"Was hilft uns - ach - daß der Abend die Wipfel umsponn - singend und tief mit dem Netz von Gold" - hatte er in der vorigen Nacht gelesen.

"Heut nacht muß es von allen Sternen rieseln," hatte er auch heut nacht gelesen. "An blassen Fäden muß es niedergleiten, und alle Bäume schütteln schweren Tau ab!"

Das war schön. Das konnte ein junger Dichter schreiben - und ging hin und schoß sich einfa

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