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Kalter Check-out von Hlavin, Silvia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.01.2017
  • Verlag: Verlag Wortreich
eBook (ePUB)
9,99 €
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Kalter Check-out

'Eingeschneit - das gibt es höchstens in Filmen, nicht wahr?' Anna war es, als könne sie trotz des Wasserrauschens hören, wie sich die Tür der Sauna öffnete. Sie drehte das Wasser ab - es tropfte nach oder waren da Schritte? Max? Ein einsames Hotel in den Bergen, mitten im tiefsten Winter. Da ist Anna, die mit ihrem Mann Max und den beiden Söhnen ruhige Tage verbringen will. Möglichst viele Tage, denn ihre Kinder sind bereits erwachsen und stehen kurz davor, das elterliche Nest für immer zu verlassen. Da trifft es sich gut, dass der Wetterbericht starke Niederschläge voraussagt und die Straße zum Hotel unpassierbar werden könnte. Dann ist da noch der Mann, der inmitten von Pärchen und Familien immer alleine isst. Er hat eine Vergangenheit, die den anderen Gästen kalte Schauer über den Rücken jagen würde, wenn sie davon wüssten. Und da ist Marlies, die junge Rezeptionistin, die nicht sicher ist, ob sie den Avancen ihres Vorgesetzten nachgeben soll. Annas Rechnung geht auf, durch einen Lawinenabgang wird das Hotel von der Außenwelt abgeschnitten. Doch seltsame Dinge passieren, die Pumpe des Pools fällt aus, die Lebensmittel werden knapp und langsam beginnt die Stimmung zu kippen. Handelt es sich um Sabotage? Wohnt in einem der unbelegten Zimmer ein unregistrierter Gast? Und warum macht der cholerische Küchenchef in dieser angespannten Situation auch noch Schießübungen? Ein packendes Kammerspiel mit Thrilleratmosphäre und zugleich ein kluges, feinfühliges Buch über menschliche Beziehungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 16.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903091146
    Verlag: Verlag Wortreich
    Größe: 1484kBytes
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Kalter Check-out

1. Kapitel

M ax schaltete einen Gang zurück; der Motor heulte auf, ehe er wieder mit der neuen, langsameren Geschwindigkeit in Einklang geriet. Die Kurven wurden zu Kehren, die Fahrbahn spiegelte im Scheinwerferlicht glänzend nass. Anna blickte auf die Anzeige. Ein Grad plus Außentemperatur, aber einige Meter höher war durchaus mit Glatteis zu rechnen. Sie beobachtete ihren Mann von der Seite. Das alles brachte ihn nicht aus der Ruhe, schlechte Wetterverhältnisse hatten noch nie seine Freude am Autofahren getrübt. Max strich sich über seinen Bart, dann wechselte er zu einem anderen Radiosender. Sie könnte getrost die Augen schließen und weiterträumen, wie es sein würde, sich aufs Glatteis zu begeben.

"Haben wir noch etwas zu trinken?"

Anna griff nach der Flasche, die in der Tasche zwischen ihren Füßen stand, und reichte sie nach hinten. In spätestens zwei Minuten würde einer der beiden Hunger haben - nein, natürlich keinen Hunger im eigentlichen Sinne, sondern bloß Verlangen nach Süßem. Der Gewohnheit folgend, dass längere Reisen mit Süßem verkürzt zu werden haben, um damit die Langeweile im Zaum zu halten. Rituale, die so auch heute noch zu erfolgen hatten, obgleich die Söhne Anna mittlerweile um mehr als einen Kopf überragten. Sie betrachtete die Jungs im Rückspiegel - beide seit kurzem erwachsen, ohne es selbst zu wissen, wie Anna die letzten Monate gerne anmerkte, wenn von ihnen die Rede war. Christoph studierte im dritten Semester und würde spätestens im März in eine WG ziehen, Daniel hatte gerade die letzten Tage seines Zivildienstes absolviert.

"Haben wir eigentlich auch etwas zu essen?"

Im selben Moment, als sie das Säckchen mit Schokowaffeln über ihre linke Schulter geworfen hatte, beendete der Radiosprecher die Nachrichten. Anna beugte sich rasch vor und drehte lauter. Wetter. Im Westen Österreichs spätestens in der Nacht Einsetzen von lang anhaltenden Schneefällen. Sie grinste und schaute bei ihrem Seitenfenster hinaus, in das Dunkel neben der Fahrbahn. Vereinzelt waren einige beleuchtete Häuser zu sehen, dann fuhren sie minutenlang neben Feldern, sie schloss die Augen. Es würde klappen, denn sie hatte alles gut vorbereitet.

"Wie lange dauert es noch?"

Anna blinzelte kurz, manche Dinge würden sich wohl nie ändern.

"Laut Navi siebzehn Minuten." Max tippte auf das Gerät.

"Wer hat das Hotel eigentlich ausgesucht?" Daniels Stimme.

"Deine Mutter."

"Und wieso wollte sie diesmal nicht Ski fahren?"

Max seufzte nur. Ob er sich daran erinnerte, wie oft sie zu den Buben gesagt hatte, sie sollten nicht in der dritten Person über Anwesende sprechen?

"Kann nur wegen deiner Jammerei sein: Zeitig willst du nicht auf der Piste sein, weil wir dann so lange fahren müssen. Wenn es später ist, und wir stehen Schlange vor dem Lift, bist du auch sauer, und am Abend hast du auf alle Fälle einen Muskelkater oder eine Blase vom Skischuh. Das wollte uns Mama wahrscheinlich ersparen." Christophs Stimme. Christoph, der sofort einverstanden gewesen war mitzufahren, als er gehört hatte, sie würden bloß ein Wochenende bleiben und sicher nicht Ski fahren.

"Schwimmbad?" Daniel mit vollem Mund.

Max seufzte erneut, ehe er antwortete. Natürlich gebe es ein Hallenbad, eine Sauna und einen Fitnessraum. Anna habe beim Aussuchen des Hotels besonders darauf geachtet, dass für jeden etwas dabei sei. Sie selbst habe sich, dem Gewicht des Koffers nach, mindestens fünf Bücher mitgenommen.

Es waren nur drei, dafür eines von ihrer Lieblingsautorin. Der Roman war vor zwei Wochen erschienen, und es hatte Anna enorme Anstrengung gekostet, ihn in der dünnen Plastikfolie verpackt zu belassen und in den Koffer zu legen. Nach dem Frühstück ein langer Spaziergang im Neuschnee, anschließend auf der Liege im Wellnessbereich, in den Bademantel eingemummt, die Folie lösen und die erste Seite aufblättern, weit entfernt von ihrer Arb

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