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Katharina II. Russische Hofgeschichten von Sacher-Masoch, Leopold von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Katharina II.

Leopold von Sacher-Masoch (27.1.1836 - 9.3.1895) war ein österreichischer Schriftsteller. Sacher-Masoch war ein populärer Schriftsteller seiner Zeit. Bekannt wurde Sacher-Masoch durch sein Talent triebhaftes Schmerz- und Unterwerfungsverlangen ästhetisch zu formulieren. Sacher-Masochs Werk "Katharina II. Russische Hofgeschichten" wurde 1891 veröffentlicht. Leopold von Sacher-Masoch (27.1.1836 - 9.3.1895) war ein österreichischer Schriftsteller. Sacher-Masoch war ein populärer Schriftsteller seiner Zeit. Bekannt wurde Sacher-Masoch durch sein Talent triebhaftes Schmerz- und Unterwerfungsverlangen ästhetisch zu formulieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739234915
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 627 kBytes
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Katharina II.

Venus und Adonis

Erstes Kapitel

An einem heißen Sommernachmittag des Jahres 1785 hatte in einem dichten, schattigen Gebüsch des Parkes von Zarskoje Selo ein junger Maler sein luftiges Atelier aufgeschlagen. Seine schlanke Gestalt und sein edel geschnittener Kopf mit den glühenden, dunklen Augen verrieten auf den ersten Blick den Italiener. Er saß auf einem Stein und zeichnete, und vor ihm stand sein Modell, ein junges, hübsches russisches Bauernmädchen mit blondem Haar und vollem Busen, das er trotz ihrem verschämten Widerstreben zu diesem Zwecke von der nahen Gänseweide entführt hatte. Plötzlich teilten sich die Zweige des grünen Musenasyles und eine Frau von dem Umfange einer holländischen Heringstonne stand vor den beiden. Die ländliche Venus stieß einen gellenden Schrei aus und lief davon, während der italienische Maler einige kräftige heimatliche Flüche ausstieß. Der weibliche Störenfried stand indes, die Arme auf der kolossalen Brust verschränkt, vor ihm und lachte so, dass sich der ganze Riesenkörper schüttelte. Es war offenbar eine vornehme Dame, denn sie hatte das reiche Haar gepudert und trug ein weißes Negligee von den kostbarsten flandrischen Spitzen. Sie mochte vor Jahren schön gewesen sein, aber jetzt war ihre Gestalt geradezu unförmig, und das Gesicht, in das Breite verzerrt, trug den Stempel gemeiner Wollust; nur ihr Auge konnte noch bestechen, es war ein großes, schönes blaues Auge voll Geist und Kühnheit, und es lag etwas Gebieterisches in dem Blick desselben.

"Welcher Satan hat Sie hergeführt, Madame?" begann der Maler in ziemlich gutem Französisch.

"Der Satan der Neugierde," erwiderte die Unbekannte; "ich sah Sie zeichnen, und da ich die Künste liebe und beschütze -"

"Sehr edel von Ihnen", unterbrach sie der Italiener, "aber eben deshalb hätten Sie mir die Kleine nicht verscheuchen sollen; nun bleibt das Bild unvollendet."

"Sie sollen mich dafür malen", erwiderte der weibliche Koloss mit nachlässiger Majestät.

"Sie? Ist das Ihr Ernst?" rief der Maler.

Die Dame nickte, während der junge Italiener in ein ebenso unartiges als ausgelassenes Gelächter ausbrach.

"Sie wollen mich also nicht malen?" begann die Dame, die stolzen Brauen finster zusammenziehend.

"Es fällt mir nicht ein".

"Bin ich nicht schön?" fragte die Unbekannte mit unnachahmlichem Selbstbewusstsein.

"O! Sie sind außerordentlich schön", erwiderte der Maler scherzend, "aber beinahe ebenso dick als schön."

"Wie nennen Sie sich?"

"Tomasi," sagte der Maler, zuckte die Achseln und packte zusammen.

"Ich gefalle Ihnen offenbar nicht", sagte die Unbekannte, "aber dies hat nichts zu sagen. Sie gefallen mir und Sie werden mich malen, adieu." Sie nickte gnädig mit dem Kopfe und schritt langsam davon. Der Italiener folgte ihr von Weitem, in dem Laubgange, in den er nun einbog, fand er seinen Freund und Landsmann Boschi, mit dem er nach Russland gezogen war, um dort, gleich den französischen Philosophen und den italienischen Sängern, an dem glänzenden Hofe der leichtsinnigen Zarin Katharina II. sein Glück zu machen. Er teilte ihm sein Abenteuer mit, und sielachten noch beide über das Monstrum, das sich durch seinen Pinsel verewigen lassen wollte, als ein Offizier der Garde vor sie hintrat und sich erkundigte, welcher von ihnen der Maler Tomasi sei.

"Ich!" sagte der junge Italiener.

"Ich habe den Befehl, Sie in den Palast zu führen," sagte der Offizier.

"Mich? Und auf wessen -"

"Auf besonderen Befehl Ihrer Majestät der Kaiserin."

Tomasi folgte hierauf dem Offizier, welcher ihn durch die Alleen des Parkes und die Korridore des prachtvollen Sommersitzes der Zarin bis zu einer Türe führte, vor der er Halt machte. "Hier treten Sie ein," sagte er, "Frau von Protasow, Hofdame Ihrer Majestät, erwartet Sie, von ihr werden Sie das Weitere hören." Es entging dem schlauen Italiener nicht, dass der Offizier dab

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