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Katharina II. Russische Hofgeschichten von Sacher-Masoch, Leopold von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Katharina II.

Auf äußerst amüsante Weise erzählt Sacher-Masoch vom Leben am russischen Hof unter Katharina II. In seinen fiktiven Episoden zeichnet er das Bild einer schillernden Gesellschaft voller politischer Machtkämpfe, Hofintrigen und erotischer Eskapaden am Hof einer Zarin, die von ihrem Volk ebenso geliebt wie gehasst wird. Leopold Ritter von Sacher-Masoch (1836-1895) war ein österreichischer Schriftsteller. Bekannt wurde er hauptsächlich durch seine Fantasie und Kunst, triebhaftes Schmerz- und Unterwerfungsverlangen ästhetisch zu formulieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 15.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958705456
    Verlag: Nexx
    Größe: 770 kBytes
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Katharina II.

III.

Der Herbst hatte den Hof der nordischen Semiramis früher als sonst aus Zarskoje Selo vertrieben, auch Tomasi war nach Petersburg übergesiedelt, wo er in Gesellschaft seines Freundes Boschi den Hintertrakt des Palastes Protasow bewohnte und die schöne Gebieterin desselben in allen möglichen Stellungen und Toiletten zeichnete und malte. Der ganze Olymp wurde entvölkert, um ihren Palast zu schmücken; hier stieg die Geliebte als Anadiomene aus dem Meeresschaum, dort verwandelte sie, von ihren Nymphen umgeben, Tomasi-Acteon in einen Hirsch, während sie in dem nächsten Saale als Götterkönigin, den Pfau zur Seite, neben Jupiter-Boschi thronte.

Der Winter verging den Liebenden in Gesellschaft der Musen und des kleinen schalkhaften Liebesgottes ganz vortrefflich. Die Kaiserin hatte in dem bacchantischen Strudel ihrer verschwenderischen Hofhaltung, ihrer Bälle, Assembleen, Schlittagen und winterlichen Volksfest den schönen italienischen Maler samt seinen Blattern vergessen.

Und wieder war es Frühling geworden und wieder Sommer, und Katharina II. residierte neuerdings in dem reizenden Landsitz der russischen Zaren. Ein Zufall wollte, dass sie eines Abends mit der Prinzessin Mentschikoff promenierend an jenem Gebüsche vorbeikam, in welchem sie Tomasi damals zeichnend überrascht hatte.

Mit einem Mal stand, durch eine leicht erklärliche Ideen-Assoziation hervorgezaubert, das Bild des schönen Italieners in voller Farbenfrische wieder vor ihrer Seele.

"Apropos!" begann sie, "haben Sie nie mehr etwas von jenem italienischen Maler gehört, Prinzessin, welcher mich im vorigen Jahr malen sollte, jedoch durch einen merkwürdigen Zufall am selben Tag, an dem er zu beginnen hatte, an den Blattern erkrankt ist?"

"Wie hieß er, Majestät?" erwiderte die Prinzessin. "Ich habe nie etwas von ihm gehört."

"Sein Name ist mir entfallen," sprach Katharina II., "aber seine jugendlich schlanke Gestalt steht deutlich vor mir."

"Ein italienischer Maler?" sann die Prinzessin nach. "Doch nicht jener am Ende, den Frau von Protasow diesen Winter geheimnisvoll in ihrem Palast beherbergt hat, der die Plafonds und Wände ihrer Säle mit den prächtigsten Bildern aus der Mythologie geschmückt?"

"Unmöglich!" rief die Zarin, "aber nein, doch nicht unmöglich, Prinzessin. Wenn diese Protasow, wenn sie mich hintergangen hat, Sie sollen dann einmal sehen, wie ich strafen kann." Ihre Augen rollten unheimlich, und die ganze Fettmasse, Katharina II. genannt, begann gleich einer Gallerte zu zittern.

Kaum war die zentnerschwere Despotin in den Palast zurückgekehrt, befahl sie Frau von Protasow in ihr Arbeitskabinett, in dem sie, an eine zornige Ente mahnend, mühsam auf- und abwackelte.

"Bon soir, meine Teure!" begann sie. "Sagen Sie mir doch, was aus dem italienischen Maler geworden ist, den vorigen Sommer die Blattern verhindert haben, mich zu malen."

"Er hat - er ist - er wird -", stammelte die Vertraute in unbeschreiblicher Verwirrung.

"Man beschuldigt Sie, ma chère, ihn in Ihrem Hause in St. Petersburg gefangen zu halten", inquirierte die Monarchin, mit den Fingern ungeduldig auf der Fensterscheibe trommelnd.

"Zu welchem Zweck?" entgegnete die Protasow mit einem erzwungenen Lächeln.

Katharina trat auf sie zu und heftete ihre durchdringenden blauen Augen forschend auf ihr Antlitz. "Soll ich es Ihnen sagen?"

"Ich kann beim besten Willen nicht erraten," sagte die Vertraute, welche ihre Ruhe so ziemlich wiedergewonnen hatte.

"Man erzählt, dass er Ihren Palast mit Gemälden geschmückt hat," fuhr die Zarin fort.

"Allerdings," hauchte die Protasow.

"Sie kennen also seinen Aufentha

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