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Kein und Aber oder die gestohlene Zunge von Plate, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2017
  • Verlag: epubli
eBook (ePUB)
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Kein und Aber oder die gestohlene Zunge

Paul wird durch die Folgen seiner leidenschaftlichen Liebe zu der sanften Aisha, in einen Neustart geschleudert. Domestiziert und geprägt vom Bann seines erfolgreichen, selbstgefälligen Vaters, zwängt er sich durch das Nadelöhr des Schicksals. Pauls Verhalten, gegenüber Trauer, lebensbedrohlichen Situationen oder folgenschwerer Lügen, ergründet seine Persönlichkeit, fordert seine Courage, die er nicht zu besitzen glaubt. Er wird unsanft in sein eigenes Leben hineingestoßen, in einen Strudel gegensätzlicher Gefühle und Moralvorstellungen. Eine spannende Erzählung von Liebe und ihren Schatten, von gesellschaftlichen, religiösen und politischen Querelen unserer Zeit und dem wachsenden Unvermögen ihnen erfolgreich zu begegnen. Vorurteile und Schuld werden vom Anspruch des Verzeihens begleitet, vom Zweifel des Glaubens, vom kritischen Aufbäumen und dem Zurücksinken in das Plätschern geregelter Bahnen. Landschaftsarchitektin und Bildhauerin. Langjährige Aufenthalte in Peru, Indien, Brasilien. Die Autorin lebt in Spanien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 28.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783745066111
    Verlag: epubli
    Größe: 364kBytes
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Kein und Aber oder die gestohlene Zunge

Der Pilot und die Nichte

Paul schickte an einen guten Freund und Ex-Patienten seines verstorbenen Vaters eine schriftliche Nachricht, mit der dringenden Bitte, ihn nach Marrakech zu fliegen. Unbedingt heute noch, schrieb er.

Der Bekannte fühlte sich Pauls Vater immer noch zu tiefst verpflichtet. Sein Gesicht, das in Jugendjahren durch einen schweren Motorradunfall verunstaltet worden war, hatte der Chirurg, durch zahlreiche und über einige Jahre hingezogene Operationen, wieder herzustellen gewusst. Die geschickte Hand, das außergewöhnliche Können und der unersättlich berufliche Ehrgeiz, des inzwischen Verstorbenen, hatten ihn damals von seiner Verunstaltung erlöst. Er nahm gerne die Gelegenheit wahr, Paul einen Gefallen zu erweisen. Außerdem fehlte ihm für dieses Jahr noch eine gehörige Anzahl an Flugstunden, die er benötigte, um seinen Flugschein nicht erneuern zu müssen.

Vier Stunden später saß Paul in der kleinen Maschine mit dem Flugziel Marrakech. Das Flugzeug eignete sich sogar für Atlantikflüge, dadurch benötigte man keine Genehmigung für eine Zwischenlandung um aufzu tanken, falls man über den Großen Teich wollte. Auch bei dem Marokko-Flug war nur die Angabe des Zielflughafens und die Bestätigung einer Landeerlaubnis nötig, zu der Rückmeldung dieser Bestätigung kam es allerdings nicht.

Der Pilot kannte die Maschine sehr gut, er hatte sie oft, zusammen mit seinem verstorbenen Freund, geflogen. Sie hatten dieses Hobby gemeinsam genossen und gemeinsam finanziert. Erst vor kurzem war die Wartung organisiert worden. Er hatte sich sofort bereit erklärt, Paul den Wunsch zu erfüllen, ihn spontan nach Marokko zu fliegen.

Seine Nichte war für einige Tage zu Besuch bei ihm, sie wurde gebeten ihn als Copilotin zu begleiten. Es galt in dieser Familie als selbstverständlich, dass auch sie eine Flugerlaubnis besaß, nicht außergewöhnlicher, als ein Sturzhelm zum Mountainbike. In der Eile einen anderen Copiloten aufzutun, wäre nicht einfach gewesen. Außerdem freute der Onkel sich auf diesen Extra Trip mit seiner Nichte. Er hatte sich drei, eventuell auch vier Tage von seinen Verpflichtungen als Konzernchef zurückzuziehen können, sich abgeseilt, wie er es augenzwinkernd vor der Nichte ausdrückte. Er konnte nicht ahnen, dass ihn dieses Abseilen in die Ewigkeit führen würde.

Als sie am Flughafen ankamen, stand Paul schon an der Maschine, er begrüßte die beiden kurz und dankbar. Der Pilot zeigte großes Mitgefühl für den "armen Paul", stellte keine weiteren Fragen, sondern klopfte ihm nur herzhaft auf die Schulter, so dass Paul leicht in die Knie sackte. Ja, dieser Junge war verdammt schwach, das hatte der Blitzpilot in seiner Erregung vergessen.

Sie wurde ihm als die Nichte, Doktor Penélope Palownak, vorgestellt. Ihre Mutter sei Polin gewesen, erfuhr Paul. Die schöne Nichte Penélope hatte einen kurzen Schreckensschrei von sich gegeben und sich abrupt abgewandt. Beide Männer blickten erschrocken auf ihre zuckenden Schultern. Ihr Onkel erkundigte sich, ob sie eine Zahnschmerzattacke hätte. Sie verneinte mit einem Kopfschütteln und blieb einige Sekunden länger abgewandt, um ihre Tränen zu verbergen. Sie hatte nur eine Stunde Zeit gehabt, sich für diesen gefürchteten Augenblick innerlich zur Ruhe zu rufen. Obwohl sie zuvor, mehr als ein halbes Jahr auf diese Begegnung gewartet hatte, sich sehr darum bemüht hatte, war dieser Moment nun doch schwer zu ertragen. Pauls Gegenwart hatte sie für einige Sekunden unkontrollierbar erregt, zum beinahe Davonlaufen erschüttert. Dann nahm sie sich zusammen, drehte sich um, lächelte verkniffen und meinte, sie sei total okay, abflugbereit und bester Laune.

Dieses unerwartete Wiedersehen und Erkennen hatte ihr nur kurz die Fassung geraubt. Sie kannte dieses Gesicht, hatte es sich tiefer eingeprägt als ihr eigenes. Sie hatte es damals, voller Anteilnahme und sehr intensiv, einige Minuten lang betrachtet, um wenige Stunden danach,

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