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Kinderlachen - Folge 024 Bis ich dich in den Armen wiege von Sommer, Moni (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.12.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Kinderlachen - Folge 024

'Ich kann Ihnen nur zu einem Schwangerschaftsabbruch raten.' Unaufhörlich hallen die schockierenden Worte des Arztes in Pia Schröders Kopf nach. Seit jener schicksalhaften Stunde, in der sie von dem Tumor ihres ungeborenen Kindes erfahren hat, ist ihre Verzweiflung unerträglich. Wie sehr hat sie sich auf ihr Baby gefreut! Darauf, mit ihm die Welt neu zu entdecken! Und dieser Traum soll für immer zerbrochen sein? Nein! Niemals wird sie über Tod oder Leben des Ungeborenen entscheiden können, das sie unter ihrem Herzen trägt und dessen Bewegungen sie schon deutlich spürt. Ein langer, schwerer Weg liegt vor ihr. Doch sie wird ihn gehen - für ihr Baby!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 06.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732539291
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 359 kBytes
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Kinderlachen - Folge 024

Pia zog den Bogen sanft über die Saiten, und der letzte Ton von Albinonis "Konzert für Oboe und Streicher" verhallte leise. Für einen Moment herrschte totale Stille in dem riesigen Opernsaal.

Angespannt blickten die Musiker auf den Dirigenten.

Der massige Mann legte den Stab auf das Pult und strich sich eine graue Strähne aus der Stirn. Endlich, nach mehreren Sekunden bangen Wartens, erlöste er die Musiker.

"Wunderbar! Ich bin sicher, wir werden heute Abend nur begeisterte Zuhörer haben."

Damit war die Orchesterprobe beendet. Erleichtert begannen die Musiker ihre Instrumente einzupacken. Herr Ehlert war nicht leicht zufriedenzustellen.

Pia Reisinger erhob sich, nahm den Geigenkasten vom Boden auf, legte das wertvolle Instrument vorsichtig hinein und schloss den Deckel.

"Ach, Pia! Könnten Sie bitte noch einen Augenblick bleiben?" Herr Ehlert blickte die talentierte Geigerin auffordernd an.

Die Musikerin winkte einer Kollegin zu, die ihr einen Gruß zugerufen hatte, und wandte sich dann zu dem Dirigenten um.

"Wissen Sie schon, wann Sie nach der Geburt Ihres Kindes zurückkommen werden?", fragte er. "Ich muss in den nächsten Tagen die Teilnehmer für die Amerika-Tournee im nächsten Frühjahr festlegen."

Die junge Frau kräuselte leicht die vollen Lippen und richtete den Blick ihrer braunen, klaren Augen auf Herrn Ehlert.

"Ich weiß. Ich denke unentwegt daran", sagte sie leise.

Noch bevor sie fortfahren konnte, unterbrach sie der ältere Herr: "Es ist die Chance für Sie, Pia! Sie sind eine junge, begabte Musikerin und müssen jede Gelegenheit wahrnehmen, sich einen Namen zu machen. Sie wollen doch wohl nicht immer nur eine Geigerin unter vielen sein, oder?" Seine Stimme klang beschwörend, und um seine Worte zu bekräftigen, nahm er ihre Hand und drückte sie fest.

Pia musste lächeln. "Ja, das weiß ich. Aber im Frühjahr wird mein Baby gerade erst ein paar Wochen alt sein." Ratlos schob sie eine Haarsträhne, die sich aus ihrer Spange gelöst hatte, hinter das Ohr.

"Denken Sie noch einmal darüber nach! Und geben Sie mir Anfang nächster Woche Bescheid, ja?"

"Danke, Herr Ehlert!" Glücklich über den Aufschub beeilte sich die junge Frau, das Opernhaus zu verlassen.

Natürlich würde sie gerne mit nach Amerika fliegen. Herr Ehlert hatte mit allem, was er sagte, recht. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt, und wenn sie ihre Karriere jetzt nicht vorantrieb, würde sie im wahrsten Sinne des Wortes immer nur die zweite Geige spielen.

Pia schloss ihren Wagen auf und legte ihre Violine in den Kofferraum. Dann verharrte sie einen Moment und strich sich sanft über den Bauch. Noch war nichts zu sehen, doch sie hatte es für richtig gefunden, ihren Chef sofort zu unterrichten, nachdem sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte. Das war vor ein paar Wochen gewesen, und inzwischen war sie im dritten Monat.

Die zukünftige Mutter konnte sich immer noch nicht vorstellen, wie sich ihr Leben mit dem Baby gestalten würde, doch sie war ziemlich sicher, dass sie es nicht fertigbringen würde, für mehrere Wochen alleine so weit zu reisen.

Ja, wenn sie den Säugling mitnehmen könnte! Aber es handelte sich nicht nur um ein einziges Konzert, sondern um eine Tournee durch mehrere große Städte: San Francisco, Chicago und New York.

Eigentlich wollte Pia nach Hause fahren, um sich für das Konzert am Abend auszuruhen, aber ihre Überlegungen hatten eine innere Unruhe ausgelöst. Deshalb entschloss sie sich, noch bei ihrer Freundin Martina vorbeizufahren. Die war nämlich seit etwas mehr als einem Jahr stolze Besitzerin einer Boutique, die allmählich florierte und Gewinn abwarf. Vielleicht konnten sie zusammen einen Kaffee trinken - oder, in Pias Fall, einen Tee. Dabei könnte sie sich etwas entspannen.

Die junge Frau stellte ihren Wagen am Straßenrand ab und öffnete die Tür der Boutique "Martine". Ein Glockenspiel kündigte an, dass

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