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Komödie der Liebe von Hollander, Walther von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.01.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Komödie der Liebe

'Mit einem Schlag (sagt man, wenn etwas einschlägt) mit einem Schlag ist man geformt und mit einem Schlag ist man tot. Plötzlich und unerwartet (sagt man) geschieht alles. Das Schicksal reitet uns in den Abgrund (sagt man). Unsinn! Wir reiten uns selbst zu Tode oder zum Leben.' Das ist das Fazit dieser 'beinah tragischen Ehegeschichte' um die Hammachers, das Ehepaar Ellen und Roman, um die schöne Ira Schnee sowie um Alice und Römer, die angeblich 'als die einzigen sympathischen Menschen durch die Geschichte gehen', um Ehebruch und Totschlag, um Schmerzen und Entwicklung, um Eifersucht und Liebe, um Leben und Tod, um Zweisam- und Einsamkeit. 'Denn einzeln stehen können, ist die Voraussetzung dafür, daß aus Eifersucht und Mitleid eine Liebe werden kann. Und Liebe? Liebe ist die Voraussetzung jeglichen Lebens.' Ein weiteres Mal erweist sich Hollander als ein Meister des einfühlsamen, genauso heiteren wie tiefen Ehe- und Unterhaltungsromans.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711474631
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1028 kBytes
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Komödie der Liebe

8

Hammacher versucht zu Hause ein paarmal von der Sache anzufangen. Aber er kommt nicht weit. Ellen will keine Erklärungen oder Beteuerungen oder Lügen.

Nein, lieber nicht! Im Anfang einer Geschichte erfährt sie doch nicht die Wahrheit. Wahrscheinlich weiß Hammacher sie selbst nicht.

Sie sprechen noch ein paar freundliche Worte miteinander, sie duschen noch zusammen mit Stöhnen und Prusten, sie frottieren sich. Sie küssen sich schnell und voll Angst, es könnte dabei zu Geständnissen oder Rührungen kommen. Aber Gott sei es gelobt, nein, sie sind nur höflich miteinander. Sie lächeln sich an, nicken: "Gute Nacht! Gute Nacht!"

Jeder geht in sein Zimmer. Ellen macht leise die Tür zu Hammachers zu. Atmet auf, geht vor den Spiegel und beginnt ihre Haare zu bürsten. Vor allen Dingen die Seiten striegelt sie sich sorgfältig. Das Haar soll da voller werden, der schmale Schädel breiter. Vielleicht ist es dann überhaupt leichter. Vielleicht, wenn man etwas kräftiger aussieht, kann man sich etwas besser durchsetzen. Zieht Menschen nicht nur an, sondern ...

Sie legt die Bürste auf die Bürstenschale, nimmt das hauchdünne Haarnetz und streift es über den Kopf, bindet es mit einem Sturmriemen fest. Zieht Menschen nicht nur an, sondern man hält sie auch. Was hat man denn schon von Menschen, wenn man sie nicht halten kann? Es folgt ein Marsch ins große Zimmer. Konfektsuche. Sie findet Ingwer und gebrannte Mandeln, offiziell Hammachers Lieblingskonfekt. Er ißt aber nie davon. Nun, wenn es nichts Besseres gibt, so tritt sie, unter jedem Arm ein Sofakissen, wieder den Rückmarsch an.

Sie schichtet drei Lagen Kissen übereinander, setzt sich aufrecht ins Bett, einen Roman auf den Knien, den sie nicht liest, gebrannte Mandeln zwischen den Zähnen zermalmend, die sie nicht schmeckt und fängt an, kühl und ruhig zu rechnen. Das kann sie noch. Denn wenn sie auch weiß, daß sie verwundet ist, so kann sie noch gar nicht beurteilen, wie schwer und wie tief es ist. Sie hat den Schlag gespürt, aber es schmerzt noch nicht.

Also jetzt ist es wieder so weit. Es ist in drei Jahren das zweite Mal, wenn man die Karnevalsaffären abrechnet. Das erstemal war es die kleine Schmahl mit dem Soubrettenlachen, ein schmuddliges, begabtes Frauenzimmer. "Sehr geehrte Frau Hammacher, er ist gar nicht so fabelhaft wie er aussieht", schrieb sie zum Schluß. "Sie können ihn behalten ..."

Ellen Hammacher möchte über die Frechheit lachen wie damals, aber es geht nicht. Sie liest lieber eine Seite in ihrem Roman. Ein mittelalterlicher König und ein ebensolcher Jude streiten sich über den freien Willen. Nein, gewiß ist Hamm nicht fabelhaft. Das weiß sie auch ohne die Schmahl. Sie hat ein, zwei Ehejahre daran gelitten, daß sie es nicht zugeben wollte. Nur sein Ansatz ist großartig, seine Intuition und wenn er will seine Einsicht. Aber dann hört es meist auf. Gedankenpause. Der Romanjude äußert etwas über die Freiheit durch Geld. Ellen denkt nun blitzschnell. Wer ist es? Ich will wissen, wer es ist! Wer ist es diesmal? Schlimm. Man ladet niemanden ein und plötzlich steht so eine fremde Dame mitten in der Ehe drin. Sie ist da, aber man kann weder mit ihr sprechen noch darf man von ihr sprechen.

Ist es die Schwild? Vielleicht. Hammacher verfällt immer wieder dem verschönernden Abglanz des Orchesterabgrundes. Frauen von weitem sind so angenehm, sagt er. Oder? Oder die Brandt? Nein! Die Löwenberg? Die mit den breiten Hüften und dem albernen Lachen? Kaum! Oder? Ja, oder die Kleine, die so unmotiviert auftauchte. Wie hieß sie nur? Ellen kann nicht auf den Namen kommen. Irgendwas wetterliches war es. Regen? Hagel? Wind? Nein!

Sie horcht hinaus. Der Wind weint, ein paar Regentropfen zischen über das Fensterglas. Zwei Autos und ein Motorradfahrer knattern und hupen.

Ellen beginnt zu frieren. Das geht immer so wenn sie scharf nachdenkt. Regen oder Hagel? Nein, so hieß sie nicht. Aber sie ist es. Ellen merkt es

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