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Komm her und lass dich küssen Roman von Op de Beeck, Griet (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2016
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Komm her und lass dich küssen

Mona ist neun, als ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben kommt. Fortan kümmert sie sich um den kleinen Bruder und versucht, den Erwachsenen nicht im Weg zu sein. Artig und gleichzeitig unsichtbar sein, lautet ihr Überlebensmotto. Mona ist Mitte zwanzig, als sie die große Liebe trifft. Doch wie tritt man ein fürs eigene Glück? Mona ist Mitte dreißig - und will nun endlich begreifen, wie Leben wirklich geht ... Dies ist die Geschichte von Mona, als Kind, als junge Frau, als Erwachsene. Eine Geschichte darüber, wie wir werden, wer wir sind. Über gebrochene Lebensläufe und die Suche nach dem Sinn. Über die Angst vor dem Starksein. Über den Mut, sich allem zum Trotz ins Leben zu stürzen. Und natürlich über die Liebe. Auch zu uns selbst. Griet op de Beeck, Jahrgang 1973, arbeitete als Dramaturgin, Journalistin und Kolumnistin, bis sie Anfang 2013 mit Vele hemels boven de zevende ihren ersten Roman vorlegte. Sie wurde mit dem De Bronzen Uil Publikumspreis ausgezeichnet und für den AKO-Literaturpreis nominiert. Der Roman wurde in Flandern und den Niederlanden ein sensationeller Bestseller. Griet op de Beeck zweiter Roman, Komm her und lass dich küssen verkaufte sich sage und schreibe 250.000 Mal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 11.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185527
    Verlag: btb
    Originaltitel: Kom hier dat ik u kus
    Größe: 851 kBytes
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Komm her und lass dich küssen

1

Draußen ist es schon richtig Morgen. Der Wind ist ein halber Sturm, und hier, im Bett, steht alles still. Die Luft ist schwer, die Zeit verloren. Ich müsste eigentlich aufstehen, jetzt, aber manchmal ist anfangen schwierig. Ein Streifen Sonnenlicht fällt herein, zwischen der Wand und der Jalousie, die ich zu schmal gekauft habe, er scheint genau auf meinen rechten großen Zeh, als würde der leuchten, E. T. , aber unten.

Meine Zehen sind megahässlich, sowohl die großen wie die kleinen, zu kurz, zu breit, zu gebogen. Sie sagen, ich hätte die Zehen meiner Mutter. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Seltsam, wie selbst wichtige Menschen zu so was wie Vorstellungen werden. Ein paar Erinnerungen, von denen ich mir nicht mal sicher bin, ob es auch meine eigenen sind. Vielleicht denke ich das bloß wegen des einen Fotos, in irgendeiner Schachtel aufbewahrt, oder wegen der einen Geschichte, die man mir erzählt hat. Wie verlässlich unser Gedächtnis ist, darüber wissen wir wirklich nur wenig.

Ich ekle mich vor Füßen. Ich bleibe ihnen fern, wenn es irgend geht. Ein frisch gewaschenes Kinderfüßchen in eine Sandale stecken geht ja gerade noch, aber sind sie erst mal acht oder so, dann wird's schon schwierig. Erst recht, wenn sich der erwachsene nackte Fuß in meine Nähe wagt.

Ich hab noch mehr, mehr von solchen irrationalen Ekelgefühlen. Tanken, zum Beispiel, vor allem, wenn der Klickmechanismus nicht funktioniert, was meistens so ist, der kleine Haken, der dafür sorgt, dass man den Griff nicht die ganze Zeit eingedrückt halten muss. Oder Parken in Parkhäusern. Fahrradreifen aufpumpen, Geld überweisen, an Briefmarken und dem Klebestreifen von Umschlägen lecken. Leute, die Worte in Anführungszeichen setzen und beim Sprechen die Gebärde dazu machen, mit dem Zeige- und Mittelfinger in der Luft. Hunde, die ganz laut hecheln im Sommer und dabei ihre lange, dünne Zunge blöde aus dem Maul hängen lassen. Autofahrer, die hupen, obwohl sie wissen, dass es nichts nützt. Leute, die beim Essen schmatzen, es aber abstreiten, wenn sie darauf angesprochen werden, Leute, die Korinthen kacken und auch noch stolz drauf sind. Das Geräusch von Staubsaugern, und der Geruch. Mein Lächeln, das ich dieser einen Frau mit den perfekten Augenbrauen geschenkt habe, obwohl ich genau wusste, dass sie erst vor ein paar Wochen etwas ganz Unnettes über mich gesagt hatte. Seitenstechen unter Wasser, zu dicke Winterjacken, Erwartungen, die nicht erfüllt werden, und manchmal auch Erwartungen, die erfüllt werden. Sportfanatiker (zugegeben, nur weil ich gerne wäre wie sie). Fragen, auf die's keine Antwort gibt. Nicht vergessen können, was man unbedingt vergessen will. Nieselregen, langweilige Bücher, Klodeckelbezüge in fröhlichen Farben. Daunenwesten, Abrupttelefongesprächbeender, Scherzkekse, Lästermäuler, Besserwisser, Bodybuilder, Zweifler, Stoßstangenküsser, Schleifscheiben, Wartezeiten, Vordrängler, Leute, die zu Vordränglern aggressiv sind, Feigheit, die einem als Unter-den-gegebenen-Umständen-noch-die-beste-Wahl verkauft wird, exotische Früchte, von denen man nicht weiß, wie man die essen soll. Abschiednehmen. Sich übergeben, das Geräusch und den Geruch davon, Haarreifen, Wanduhren, die Lärm machen, Zugluft, Zuglufthunde, Hosenklammern, knapp bemessene Sitzplätze und dann zu viele Leute, Uniformen, Gemeinplätze, Geschichten über Hautkrankheiten, Händetrockner, Armbänder, Zehenringe, Gerichtsvollzieher, Formulare, nützliche Geschenke, quietschende Scheibenwischer, Fahrraddiebe, Männer von Schrot und Korn, Frauen, die immer wissen, was sie wollen, Geizkragen, Puderzucker auf Gebäck, Earl-Grey- und Lindenblütentee. Sich nicht trauen, wütend zu werden, obwohl man eigentlich findet, dass man das Recht dazu hätte, einen Moment lang. Die Goldfische früher auf der Kirmes, und wie die immer gestorben sind. Nicht weinen können, wenn du glaubst, dass es eigentlich eine Erleichterung wäre. Die Redewendungen

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