text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lass mich die Nacht überleben Mein Leben als Journalist und Junkie von Böckem, Jörg (eBook)

  • Verlag: Rogner & Bernhard
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lass mich die Nacht überleben

'Ich sah fast alle 90 Sekunden auf die Uhr. Die Rückreise nach dem Interview war eine Tortur. Eineinhalb Stunden bis zum nächsten Schuss. Drogensucht macht die Zeit zum Feind. Doch wenn es etwas gab, das ich noch mehr fürchtete als die Entzugsqualen, dann war es, meinen Job zu verlieren. Mein bürgerliches Leben als erfolgreicher Journalist.' Jörg Böckem ist Journalist, schreibt seit den Neunzigern für die renommiertesten deutschen Zeitungen und Magazine. Und er ist Junkie. Im Alter von 14 Jahren hat er sich in den Drogenrausch verliebt, damals in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt. Haschisch, LSD, Kokain und Heroin. Mit 19 bringt ihn seine Heroinsucht zum ersten Mal ins Gefängnis, mit 33 versucht er nach einer Überdosis seine Freundin zu erwürgen. 'Lass mich die Nacht überleben' erzählt von Jörg Böckems Doppelleben als Journalist und Junkie: von Verzückung und Verzweiflung, Haft und Hepatitis, Partys und Porno-Dreh, Karriere und Koma, Abstinenz und Absturz. Ein Leben mit der Sucht - zerfressen von Versagensangst, Scham, Selbsthass und der ständigen Gier nach Drogen. Die Geschichte einer doppelten Karriere. Jörg Böckem, geboren 1966, arbeitet als Journalist u.a. für 'Der Spiegel' und das 'ZEIT Magazin'. Er hat bereits vier Bücher zu Drogen und Sucht veröffentlicht, in denen er auch seine langjährige Heroinabhängigkeit und die darauffolgende Therapie beschreibt. Zum Thema Drogen hält er Lesungen und Vorträge an Schulen und Universitäten. Jörg Böckem lebt in Hamburg. 'Ich sah fast alle 90 Sekunden auf die Uhr. Die Rückreise nach dem Interview war eine Tortur. Eineinhalb Stunden bis zum nächsten Schuss. Drogensucht macht die Zeit zum Feind. Doch wenn es etwas gab, das ich noch mehr fürchtete als die Entzugsqualen, dann war es, meinen Job zu verlieren. Mein bürgerliches Leben als erfolgreicher Journalist.' Jörg Böckem ist Journalist, schreibt seit den Neunzigern für die renommiertesten deutschen Zeitungen und Magazine. Und er ist Junkie. Im Alter von 14 Jahren hat er sich in den Drogenrausch verliebt, damals in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt. Haschisch, LSD, Kokain und Heroin. Mit 19 bringt ihn seine Heroinsucht zum ersten Mal ins Gefängnis, mit 33 versucht er nach einer Überdosis seine Freundin zu erwürgen. 'Lass mich die Nacht überleben' erzählt von Jörg Böckems Doppelleben als Journalist und Junkie: von Verzückung und Verzweiflung, Haft und Hepatitis, Partys und Porno-Dreh, Karriere und Koma, Abstinenz und Absturz. Ein Leben mit der Sucht - zerfressen von Versagensangst, Scham, Selbsthass und der ständigen Gier nach Drogen. Die Geschichte einer doppelten Karriere. Jörg Böckem, geboren 1966, arbeitet als Journalist u.a. für 'Der Spiegel' und das 'ZEIT Magazin'. Er hat bereits vier Bücher zu Drogen und Sucht veröffentlicht, in denen er auch seine langjährige Heroinabhängigkeit und die darauffolgende Therapie beschreibt. Zum Thema Drogen hält er Lesungen und Vorträge an Schulen und Universitäten. Jörg Böckem lebt in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954030897
    Verlag: Rogner & Bernhard
    Größe: 670 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lass mich die Nacht überleben

Amsterdamned

"Schau dir das an", sagte ich zu Ben, "Total irre! Drehen die hier einen Film oder so was?" Wir saßen in einem Lieferwagen, Ben hinter dem Steuer. Erik lag auf einer Decke im Laderaum, sobald wir die belebteren Stadtteile von Amsterdam verlassen hatten, wollten wir anhalten, und er würde zu uns nach vorne klettern. Das Führerhaus war nur für zwei Personen zugelassen, und wir wollten so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Schließlich transportierten wir viele unterschiedliche Drogen. Außerdem befand sich schon eine Menge Heroin, Kokain und LSD in unserer Blutbahn. Wir hatten gerade an einer roten Ampel angehalten, als auf der Kreuzung die Hölle losbrach. In allen Wagen in unserer unmittelbaren Nähe, vor uns, hinter uns, neben uns, rissen sie wie auf ein geheimes Zeichen die Türen auf, und die Insassen traten mit schnellen Bewegungen auf die Straße. "Abgefahren!", dachte ich. "Was haben die denn vor?" Ich war völlig ergriffen von diesem Schauspiel, genoss die eigentümliche Choreografie, mit der sie unseren Wagen umringten. Erst als eine der Gestalten die Beifahrertür öffnete und mich mit vorgehaltener Waffe aufforderte, die Hände zu heben und langsam den Wagen zu verlassen, begriff ich.

Die Uhr im Armaturenbrett des Lieferwagens zeigte 22.30 Uhr, später Abend, gegen Mittag waren wir in Erkelenz aufgebrochen. Für die 180 Kilometer nach Amsterdam benötigten wir normalerweise nicht viel mehr als 1,5 Stunden, mit Bens klapprigem Lieferwagen dauerte es deutlich länger. Aber Erik und ich hatten an diesem Tag keinen anderen Wagen auftreiben können. Der Wagen von Ben war langsam, unbequem und für Grenzüberquerungen viel zu auffällig. Außerdem war Ben, ein dicker, über und über tätowierter Biker, wegen zahlreicher Verstöße gegen das Betäubungsmittel-Gesetz vorbestraft. Erik und ich hatten noch keine Vorstrafen, und obwohl wir uns zu Hause in Erkelenz viel Mühe gaben aufzufallen, vermieden wir das bei den Fahrten nach Amsterdam. Ich hatte statt der silbernen Leggins mit Schlangenmuster, die ich zur Zeit beinahe täglich trug, eine schlichte schwarze Lederjacke und eine ebenfalls schwarze Jeans angezogen, ohne dekorative Sicherheitsnadeln, aufgenähte Reißverschlüsse oder Risse. Dazu den Gürtel mit den flachen Nieten. In den Gegenden von Amsterdam, in denen wir verkehrten, fielen wir mit dieser Kleidung tatsächlich kaum auf.

Als Erstes fuhren wir zu unserem Stammdealer. Glücklicherweise war er noch im Geschäft. Das änderte sich oft schneller, als uns lieb war. Da sie alle selbst abhängig waren, geschah es immer wieder, dass ein Dealer bei unserem nächsten Besuch in der Entgiftung, im Gefängnis oder in der Notaufnahme zu finden war. Wir kauften Heroin und Kokain, LSD führte unser Dealer nicht. Diese Märkte waren in der Regel streng getrennt, es geschah auch eher selten, dass ein Kunde nach Heroin und LSD gleichzeitig verlangte. Zu sehr unterschieden sich die beiden Drogen in Funktion und Wirkung. Uns hatte das Heroin die Freude am LSD noch nicht verdorben. Aber das sollte noch kommen.

Außerdem war es wesentlich leichter, unseren Drogenkonsum mit dem Verkauf von LSD-Trips zu finanzieren, nicht nur wegen der großen Gewinnspanne. Die Nachfrage war größer als das Angebot, seit Ralf, unser LSD-Dealer in der Heimat, auf Heroin umgestiegen war. Wir waren jetzt die Einzigen, die regelmäßig Trips anboten. Daher konnten wir sicher sein, dass wir das LSD in so kurzer Zeit verkauften, dass wir gar nicht dazu kamen, einen Großteil selbst zu konsumieren und so unseren Gewinn zu schmälern. Bei Heroin und vor allem bei Kokain verhielt es sich anders. Erst kürzlich hatten Artur, Erik und ich unseren gesamten Kokain-Vorrat, mit dem wir Geschäfte machen wollten, innerhalb einer Nacht vollständig in unsere Adern gejagt. Der eigentliche Kick hält nur wenige Minuten an, und die Gier nach dem nächsten Druck ist so stark, dass wir meist erst aufhörten, wenn das letzte Stäubch

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen