text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Letzte Fahrt mit Marilyn von Nußbaum, Philip (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.06.2013
  • Verlag: Edition Subkultur
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Letzte Fahrt mit Marilyn

Marilyn ist stets dabei. Tag und Nacht. Mal mit Pi unterwegs, mal mit Chris, egal, ob sie gerade Brüder oder Fremde sind. Wenn gesoffen wird und Musik spielt, wenn Tränen fließen und ab und zu auch ein bisschen Blut, auf den Wegen dieser Stadt, auf Umwegen und Abwegen, und in Dörfern, die Scheiße im Namen tragen. Und auch, als Lydia auftaucht und alles etwas verworrener wird. Marilyn ist dabei, bis sie schlicht nicht mehr kann... Ein Roman bis zum Hals im Lebensgefühl der 90er Jahre. Zwei Brüder, eine Frau und genug Beiwerk, um die damals noch weit entfernte digitalisierte und verbeliebigte Welt nicht zu vermissen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 156
    Erscheinungsdatum: 04.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943412550
    Verlag: Edition Subkultur
    Größe: 516 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Letzte Fahrt mit Marilyn

Mehr Schnitte

Mein Bruder rief an, und ich stellte mit Erstaunen fest, dass die Tage, seitdem ich ihn nicht mehr gesehen hatte, wie im Flug vergangen waren. Überwiegend sorgenlos, was ihn betraf.

"Na, alles klar? Ich hatte eigentlich gedacht, du würdest dich noch mal melden", er hatte offensichtlich gute Laune.

"Soweit ich mich erinnere, sind wir schon wesentlich längere Zeit ganz gut ohneeinander ausgekommen", rief ich ihm ins Gedächtnis. "Aber mir geht es ganz gut, vielen Dank. Und du? Was treibst du? Warum rufst du an?"

"Hey, du kommst aber schnell auf den Punkt! Störe ich bei irgendetwas? Du willst mir doch nicht etwa erzählen, du wärst nicht allein?", flötete er ins Telefon, wohlwissend, dass ich dieses Thema überhaupt nicht mochte.

"Arschloch. Was willst du? Mir auf die Nerven gehen?"

"Nein, vergiss es. Ich wollte dich eigentlich nur einladen."

"Einladen?"

Seine eigenartigen Feten konnte ich nicht leiden, und auch, wenn ich mittlerweile wusste, dass er durchaus in der Lage war, einen Haushalt zu führen, traute ich ihm nicht zu, dass er ein Essen oder so etwas hinbekam.

"Ja, zu einem Konzert."

"Konzert?! Du bist sicher, dass du den Richtigen angerufen hast? Ich hab mir den Scheiß, der in Marilyn rumlag, nach und nach angehört. Stärker könnten zwei Geschmäcker in puncto Musik gar nicht auseinandergehen als es unsere tun! Nee, lass mal, das halte ich für keine gute Idee. Was für ein Konzert?"

"Naja, wenn du kein Interesse hast."

"Was für ein Konzert, will ich wissen. Für nichts und wieder nichts hast du ja wohl nicht gerade mich angerufen."

"Von mir."

"Was? Wie von mir?!"

"Ja, ich habe eine Band. Kommst du? Es ist der erste Auftritt, naja, der erste, für den es ein bisschen Geld gibt."

"Was für eine Band? Wie kommst du an eine Band? Hast du die innerhalb der letzten sieben Tage gegründet, oder was?"

"Nee, das läuft schon länger, aber du musst ja nicht alles wissen. Kommst du?"

Neue Facetten, Tag für Tag. Für eine nicht gerade kurze Zeit hatte ich ihn einfach für einen kleinen, beschränkten Tagedieb gehalten, dessen Aktionen so absehbar waren wie das Amen in der Kirche; für jemanden, dessen Handlungsspektrum allenfalls Biertrinken bis Shitrauchen umfasste - und sonst nichts. Aber anscheinend hatte ich vorschnell geurteilt. Ich will nicht sagen, dass er sich plötzlich als Multitalent oder Tausendsassa herausstellte, aber es steckte doch mehr in ihm als die beschränkte Persönlichkeit, die ich immer vermutet hatte. Eine Band. Wie konnte er, ohne dass ich auch nur das Geringste mitbekommen hatte, eine Band auf die Beine stellen? Nicht unbeachtlich, egal, um was für eine Band es sich auch handeln mochte. Irgendetwas Lärmiges, Ungehobeltes, nahm ich an. Wahrscheinlich sang er, geschrieben hatte er eine Zeitlang bereits, also warum nicht Singen? Aber mit der Stimme? Sie klang nicht unangenehm, das konnte ich nicht behaupten, vielleicht ein wenig schleppend, etwas tranig, aber doch für den Alltagsgebrauch einigermaßen akzeptabel. Ob sie allerdings ein fürs Singen notwendiges Tonspektrum abzudecken imstande war, bezweifelte ich. Er sang immer gerne seine CDs mit, und das klang beileibe nicht sonderlich begnadet.

"Deine Ohren sind Scheiße", erwiderte er mir jedes Mal, wenn ich ihn darauf hinwies. "Außerdem singe ich nicht mit, sondern interpretiere, du Ignorant!" Und dann trällerte er knatschfalsch weiter.

Troubadix live. Ich war gespannt, was ich geboten bekäme.

Ich fand den eigenartigen Laden, wo das Ganze steigen sollte, erstaunlich schnell, erstaunlich, obschon seine Beschreibung mehr als nur konfus gewesen war. Hierum, darum, dann links, nein, nicht links, rechtsrum ist wahrscheinlich besser, oder doch nicht, warte mal, ich fang noch mal von vorne an, undsoweiterundsofort. Er hatte am Telefon bestimmt eine halbe Stunde für die Beschreibu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen