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Licht in tiefer Nacht von Roberts, Nora (eBook)

  • Erschienen: 25.09.2017
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Licht in tiefer Nacht

Sein Lächeln war freundlich, seine Augen dunkel. Ihr größter Fehler war, ihm zu vertrauen.
Die prächtige Bodine Ranch in Montana ist seit Generationen ein familiengeführtes Gestüt. Unter der erfolgreichen Leitung der jungen Bodine Longbow wurde das Anwesen zu einem beliebten Feriendomizil ausgebaut. Doch so lange Bodine denken kann, liegt ein dunkler Schatten über diesem idyllischen Ort. Ihre Tante Alice lief mit achtzehn fort und wurde nie wieder gesehen. Was niemand von den Longbows ahnt: Alice lebt. Nicht weit von ihrer Heimat entfernt, ist sie Teil einer Familie, die sie nicht selbst gewählt hat ...
"Vielschichtig, dunkel und psychologisch raffiniert - Nora Roberts in Höchstform." Kirkus Reviews

Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

Produktinformationen

    Größe: 2355kBytes
    Herausgeber: Diana Verlag
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 544
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641212551
    Erschienen: 25.09.2017
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Licht in tiefer Nacht

Prolog

Westmontana 1991

A lice Bodine erleichterte sich hinter einem spärlichen Sichtschutz aus Drehkiefern. Um dorthin zu gelangen, hatte sie durch kniehohen Schnee stapfen müssen.

Da sie auf der Nebenstraße knapp fünf Kilometer gelaufen war, ohne einem einzigen Auto oder Pick-up zu begegnen, fragte sie sich, wozu sie sich überhaupt die Mühe gemacht hatte.

Manche Angewohnheiten wird man einfach nicht los, dachte sie und zog ihre Jeans wieder hoch.

Sie hatte weiß Gott versucht, alte Gewohnheiten abzulegen, sich von Konventionen und Erwartungen zu befreien. Doch jetzt, keine drei Jahre nach ihrem laut verkündeten Ausbruch aus dem Alltag, ihrer Emanzipation vom Spießertum, kehrte sie kleinlaut und verfroren nach Hause zurück.

Sie hängte sich ihren Rucksack um und trat in ihre eigenen Fußstapfen, um zu der Straße zurückzukehren, die diesen Namen kaum verdiente. Der Rucksack enthielt ihre gesamte Habe. Eine Jeans zum Wechseln, ein AC/DC-T-Shirt, ein Grateful-Dead-Sweatshirt, das sie einem längst abgehakten Typen bei ihrer Ankunft in Los Angeles abgeluchst hatte, ein Stück Seife und Shampoo von ihrem zum Glück nur kurzen Job als Zimmermädchen im Holiday Inn in Rigby/Idaho, Kondome, Schminkzeug, fünfzehn Dollar und achtunddreißig Cent sowie einen Rest gutes Gras von dem Typen, mit dem sie auf einem Campingplatz in Ost-Oregon abgefeiert hatte.

Sie redete sich ein, dass sie nur deshalb heimkehrte, weil ihr das Geld ausgegangen war und sie nie wieder Bettwäsche mit Spermaflecken wildfremder Leute wechseln wollte. Außerdem ahnte sie, wie leicht es war, zu einer der Frauen mit leerem Blick zu werden, die sich in den dunklen Straßen so vieler Städte verkauften.

Sie musste zugeben, dass sie nicht weit von diesem Punkt entfernt gewesen war. Wenn man genug Hunger und Angst hatte und heftig genug fror, war die Vorstellung nicht mehr so abwegig, den eigenen Körper zu verkaufen, um etwas Anständiges zu essen und ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Es war schließlich nur Sex.

Doch es gab einfach Grenzen, die sie nicht überschreiten wollte. In Wahrheit wollte sie zurück nach Hause. Zurück zu ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihren Großeltern. Zurück in ihr Zimmer mit den Postern an den rosa Wänden und dem schönen Bergblick. Sie sehnte sich nach dem morgendlichen Duft von Kaffee und Speck in der Küche und danach, ein galoppierendes Pferd unter sich zu spüren.

Ihre Schwester war verheiratet. Im Grunde war es deren spießige, durch und durch traditionelle Hochzeit gewesen, die sie dazu bewegt hatte abzuhauen. Sie war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Vielleicht hatte Reenie inzwischen sogar ein Kind - sehr wahrscheinlich sogar. Und wahrscheinlich war sie so verdammt perfekt wie eh und je.

Aber sie vermisste sogar Maureens verdammte Perfektion.

Deshalb marschierte sie weiter, weitere anderthalb Kilometer in der abgetragenen Fleecejacke, die sie gebraucht gekauft hatte und die sie nur unzureichend vor Kälte schützte. In den Stiefeln, die sie seit mehr als zehn Jahren besaß, den schneebedeckten Rucksack auf den mageren Schultern.

Sie hätte von Missoula aus zu Hause anrufen, ihren verdammten Stolz hinunterschlucken sollen. Dann wäre ihr Grandpa gekommen und hätte sie abgeholt. Der schimpfte nie. Doch sie hatte sich eingebildet, aus eigener Kraft zur Ranch zurückmarschieren zu müssen, stolz und hoch erhobenen Hauptes.

Sie hatte sich vorgestellt, wie alle erstarren und sie ungläubig anstarren würden.

Die verlorene Tochter kehrt nach Hause zurück.

Alice seufzte, und eine warme Atemwolke vertrieb die eisige Brise.

Sie hätte es eigentlich besser wissen müssen, aber als sie in Missoula eine Mitfahrgelegenheit bekommen hatte, war ihr das wie eine Art Zeichen vorgekommen. Außerdem hatte ihr dieses Angebot dazu verholfen, dass sie nur noch knapp zwanzig Kilometer von zu Hause entfernt war.

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