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Liebe zum Nachtisch Roman von Seifried, Victoria L. (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Liebe zum Nachtisch

Ist es in der Liebe wie beim Essen - kommt das Beste tatsächlich zum Schluss? Helena kann es nur hoffen, denn die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund Rainer ist in etwa so spannend wie Staubsaugerbeutel zu kaufen. Auch ihr Lebensberater, ihre Schildkröte Pirmin, kann sie nicht dazu bewegen, sich von Rainer zu trennen und ihr Leben in Schwung zu bringen. Doch das ändert sich schlagartig, als sie ihrem Traummann Jeffrey begegnet. Die beiden verbringen eine aufregende Nacht, und Helena ist im siebten Himmel. Doch am nächsten Morgen muss Jeff nach New York fliegen. Für Nesthocker Helena eine unvorstellbare Reise, aber Jeff niemals wieder sehen? No way! Sie packt ihre Koffer und reist ihm nach. Aber wie soll sie ihn nur anhand seines Vornamens aufspüren? Victoria-Louise Seifried wurde 1987 in Berlin geboren. Seit 2007 schreibt sie Gedichte und Kurzgeschichten, die sie auf Poetry Slams, Stand-up-Comedy-Bühnen und bei unterschiedlichen Kulturprojekten vorträgt. Sie hat Psychologie studiert und Psychologische Diagnostik an der Universität Potsdam unterrichtet. Am Street College, einem sozialen Projekt des Gangway e.V. in Berlin, ist sie außerdem als Lehrerin tätig und unterstützt Jugendliche beim Erlangen ihres Hauptschulabschlusses.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641154288
    Verlag: Heyne
    Größe: 2377 kBytes
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Liebe zum Nachtisch

Prolog

Status: Jo-Jo

Ist eigentlich jemandem schon mal aufgefallen, dass Mary Poppins ein ziemliches Arschloch ist? Säuft Rumpunsch, gibt keine verbindlichen Antworten, sondern trällert "Superkalifragilistikexpialigetisch", und dann verpisst sie sich.

Darum nenne ich es das Mary-Poppins-Phänomen, wenn Männer vom einen auf den anderen Tag die Biege machen: "Tut mir leid, Baby, der Wind dreht sich, und ich muss weg."

Frauen hingegen leiden eher unter dem Cinderella-Komplex. Wir wünschen uns einen Mann, der uns im ganzen Lande sucht, weil nur wir ihn glücklich machen können, und wenn er uns gefunden hat, bringt er uns auch noch Schuhe mit. Frauen wollen mit ein bisschen "Bibidi-Babidi-Boo" die Kutsche aus dem Kürbis gezaubert bekommen, ein rauschendes Hochzeitsfest feiern und glücklich bis an das Ende ihrer Tage leben. Walt Disney hat da ganz schön was angerichtet, indem er uns Frauen zauberhafte Flausen in den Kopf gesetzt hat, die für märchenhafte Erwartungen sorgen - die leider nur immer wieder enttäuscht werden.

Ich schalte den Fernseher an, um mich, wie so oft, von der Frage abzulenken, was ich eigentlich von den Männern im Allgemeinen und meinem Freund Rainer im Besonderen noch will. Gott sei Dank ist "Galileo" gleich vorbei und das Finale von "The Voice of Germany" beginnt, das wird mich bestimmt auf andere Gedanken bringen. Doch schon nach den ersten Minuten der Show beginnt mein Kopfkarussell sich weiterzudrehen. Ach, dieser Tag ist mal wieder so typisch Helena: Morgens bin ich noch quietschfidel aus dem Bett gehopst, und jetzt - zehn Stunden später - bin ich wegen dieser ergebnislosen Warterei auf den herbeigesehnten Anruf in so grübelnde Stimmung geraten, dass meine Laune in den Keller gesunken ist. Das passiert mir andauernd. Ich führe keinen Jo-Jo-Gewichtskampf, ich führe ein ganzes Jo-Jo-Leben! Bin ich an einem Tag eine selbstbewusste, lebenslustige Frau, benehme ich mich wahrscheinlich noch in derselben Nacht wie eine beleidigte Heulsuse. Bin ich gerade glücklich und zufrieden, kann ich innerhalb von Sekunden irgendein Problem finden, das es sich dann in meinem Kopf gemütlich macht und mir die Laune wieder verdirbt. Esse ich etwas Scharfes, brauche ich danach was Süßes. Entweder ich habe Hunger, oder mir ist schlecht. Ist mir gerade noch eiskalt, überkommt mich im nächsten Moment garantiert eine Hitzewelle, und wenn ich gerade aufgeräumt, Staub gesaugt und meinen Kleiderschrank sortiert habe, liegt spätestens binnen vierundzwanzig Stunden wieder alles in Trümmern.

Würde ich mit meinem Wechselhaftigkeitsproblem zu einer Selbsthilfegruppe gehen, müsste ich mich in etwa so vorstellen: "Hallo, ich bin Helena Carras, sechsundzwanzig Jahre alt, Vollzeitstudentin, und ich weiß nicht, was ich will!"

Dann würde ich wahlweise von meinem nicht anrufenden Freund Rainer erzählen, oder von meinem Zahnmedizinstudium, das ich dauernd an den Nagel hängen will, was ich dann doch nie tue, oder von meinem fatalen Umgang mit Geld: Kaum ist es da, ist es quasi schon wieder weg. Wohin? Das weiß ich auch nicht so genau. Ich würde wegen meiner Zwiespältigkeit natürlich nie eine Selbsthilfegruppe aufsuchen, weil ich mindestens genauso oft der Meinung bin, vollkommen normal wie hochgradig gestört zu sein. Ich bin ja schon dreigeteilt auf die Welt gekommen: Ich bin in Berlin geboren, mein Vater, dem ich meinen ungewöhnlichen Nachnamen verdanke, ist Grieche, und meine Mutter kommt, genau wie meine Oma Hedda, aus Görlitz. Ich habe also das Temperament, die Haare und die Nase eines Griechen, die rundlichen Proportionen einer sächsischen Bäuerin und den gewöhnungsbedürftigen Humor einer Berlinerin. Nein, als wohlgeordnet könnte man mich wirklich nicht bezeichnen. Ob Rainer mich deswegen nicht anruft?

Seit zwei Jahren sind wir nun schon zusammen, und jetzt habe ich ihn seit einer Woche weder gesehen noch gesprochen. Dreimal habe ich ihn in dieser Zeit angeruf

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